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Flathy

Wir waren 22 Monate unterwegs und sind nun wieder zu Hause in der Schweiz!

Kanada - Von Nationalparks, Packen und der Heimreise

27.07.2016 – 31.08.2016: Whitehorse – Watson Lake – Stewart – Hyder – Prince Georg – Valemount – Jasper – Lake Louis – Golden – Salmon Arm – Chase – Kamloops – Vancouver – Whistler – Vancouver – Hamburg – Lüneburg - nach Hause!!!

Rückflug, Bus Verkauf und Stückgut Verschiffung. Dies und vieles mehr geisterte in den letzten Wochen in unseren Köpfen umher und es gab mehr zu organisieren als zu geniessen. Denn unsere Reise nahm nun einen anderen Verlauf als geplant. Wir fuhren nicht mehr durch ganz Kanada bis an die Ostküste, nein, wir bereisten noch die Nationalparks in British Columbia und machten dann unseren Bus für den neuen Besitzer bereit. Als wir das Verkaufsinserat ins Panamericanaforum gestellt hatten, haben wir noch nicht damit gerechnet, dass es „ernst“ wird. Doch nach vielen unverbindlichen Anfragen, meldete sich ein Interessent, der wirklich am Fahrzeug interessiert war und der gerne mit unserem treuen Begleiter bis nach Patagonien fahren möchte! Doch dazu später mehr, wir reisen nun mit euch nochmals von Whitehorse bis nach Europa.

Nach unserer grossen Alaska Rundfahrt genossen wir einen Ruhetag in Whitehorse, montierten neue Vorderreifen und liessen noch einen kleinen Steinschlag in der Windschutzscheibe vom Scheibendoktor reparieren. Der Alaska Highway führte uns nach Watson Lake, wo wir einen Halt im Schilder-Jungel machten. Denn der Ort Watson Lake verdankt seine Bekanntheit in erster Linie den Watson Lake Sign Posts, zahlreiche unübersehbare Holzmasten an die Besucher aus aller Welt Wegweiser, Autokennzeichen und beschriftete Schilder genagelt haben. Mittlerweile gibt es über 72`000 Schilder zu bestaunen. Eines davon ist von uns und wen ihr einmal nach Alaska reist, könnt ihr es vielleicht finden.

Eigentlich wollten wir von Watson Lake weiter dem Alaska Highway folgen, doch da wir in der Touristeninfo gehört hatten, dass nun in Hayder täglich Bären beim Lachsfischen zu beobachten seien, änderten wir unseren Kurs und fuhren auf dem wilden Cassier Highway die 700 Kilometer bis Stewart und Hayder. Die Stichstrasse nach Stewart/Hayder führt durch grandiose Landschaften. Gletscher und Wasserfälle begleiteten uns bis wir bei strömendem Regen den verschlafenen Ort Stewart erreichten. Unmittelbar jenseits von Stewart liegt auf dem Boden Alaskas der Ort Hayder. Die unauffällige Grenze ist praktisch nicht markiert und wird nur bei der Einreise nach Kanada kontrolliert. So befanden wir uns schon bald wieder in Alaska und machten uns auf zum Fish Creek. Dort soll es möglich sein Bären beim Lachsfang zu beobachten. Der bärtige Ranger meinte, dass wir zu einer guten Zeit da seien, denn in den letzten Tagen sei immer in den Abendstunden ein Grizzly aufgetaucht. Vom Aussichtssteg konnten wir die vielen riesigen Lachse im Wasser beobachten. Einige schwammen noch munter umher, andere waren schon ganz schwach und die restlichen lagen im Sterben. Denn nach dem zurückkehren ins Süsswasser und der Eiablage sterben die Weibchen und auch die Männchen. Wir schauten dem verzweifelten treiben zu und warteten ungeduldig auf einen Bären. Nach zwei Stunden im Nieselregen wartend tauchte endlich weit entfernt ein Grizzly auf, doch schon nach kurzer Zeit verschwand er wieder im Gebüsch. Also begnügten wir uns mit der Beobachtung der nervösen Fotografen, die einen sehr lockeren Finger am Abzug hatten. Nach fast vier Stunden warten, stellten wir fest, dass wir nicht für die Tierbeobachtung geeignet sind. Der Regen setzte sich auch am nächsten Morgen fort und so entschieden wir uns, auch ohne einen Bären beim Lachfang gesehen zu haben, für die Weiterfahrt.

Schon bald liessen wir den Regen hinter uns und kurz vor Prince Georg machten wir Halt im kleinen Ort Fraser Lake. Dort fanden wir einen kleinen und kostenlosen Campground direkt am See, perfekt um nach einem langen Fahrtag zu entspannen. Am kommenden Tag machten wir Halt in Prince Georg um noch einige Dinge Einzukaufen und wieder mal das gute Starbucks Internet zu nutzen und um einen Campingplatz im Nationalpark Jasper zu reservieren. Es stand nun wieder das Wochenende vor der Türe und dann ist meist sowieso alles ausgebucht. Die in den kanadischen Rocky Mountains liegenden Nationalparks Jasper und Banff, sind mit jährlich 3 Millionen Besucher die populärsten Nationalparks in Kanada. Leider konnten wir fürs Wochenende keinen Campingplatz reservieren alle waren schon ausgebucht, doch wir liessen noch nicht den Kopf hängen und buchten einen der letzten Plätze für den kommenden Montag. Wir können es immer noch fast nicht glauben, dass wir hier wieder dasselbe erleben wie im Südwesten der USA. Einen riesigen Camper-Andrang und alles ist meist auf Wochen ausgebucht. Dies ist irgendwie nicht unsere Welt und hassen es etwas im Voraus buchen zu müssen, da hat es uns im hohen Norden wesentlich besser gefallen.

Wir fuhren in den ruhigen Ort Valemount am Fusse der Rocky Mountains und verbrachten das Wochenende auf einem grossen RV-Park. Hier bemerkten wir wenig von dem grossen Rummel, machten Spaziergänge und genossen ein gutes Nachtessen in einem schönen Blockhausrestaurant. Flavio kam sogar mal zu seinem Wildgericht.

Vorbei am majestätischen aber wolkenverhangenen Mount Robson fuhren wir nach Jasper. Der Touristenort ist nicht hübsch aber auch nicht hässlich. Wir schlenderten durch die Strassen und beobachteten die vielen Touristen aus aller Welt. Abends bezogen wir unsere Campsite auf dem riesigen und vollen Whistlers Campground (mit unglaublichen 784 Plätze!!!). Schon kurze Zeit später tauchten Wapitihirsche auf, die ungestört um unseren Bus grasten und wir mitten drin :D.

Von den ersten Sonnenstrahlen wurden wir geweckt und starteten in einen vollgepackten Tag. Wie in vielen Nationalparks in den Kanada und den USA, muss man fast immer per Auto zu den Sehenswürdigkeiten fahren. So gestaltete es sich auch im Jasper Nationalpark. Zuerst ging es auf den Aussichtspunkt Old Fort, dann weiter mit einer Wanderung durch den Maligne Canyon und am schluss genossen wir ein Zvieri am Maligne Lake. Auf dem Weg zum Magline Lake konnten wir sogar noch einen jungen Schwarzbären neben der Strasse beobachten. Die schönen Schwarzbären konnten wir während unseres Aufenthalts in Kanada oft beobachten, anders sah es bei den Grizzly Bären aus. Diese haben wir nur ganz selten gesehen und zum Glück sind wir nie einem auf einer Wanderung begegnet.

Von Jasper fuhren wir über den „Icefields Parkway“, der schönsten Gebirgsstrecke Kanadas, bis nach Lake Louis. Die Fahrt gestaltete sich sehr abwechslungsreich und immer wieder kamen wir an schönen Gletschern und eindrucksvollen Bergen vorbei. Doch wir waren bei Weitem nicht die einzigen die sich auf dieser Route bewegten. Abends fuhren wir noch zum Lake Louis in der Hoffnung ein bisschen weniger Leute anzutreffen, doch weit gefehlt, die riesigen Parkplätze sind alle noch voll und die Ufer des Lake Louis von hunderten von Leuten besetzt. Wir knipsten schnell ein paar Fotos und dann flohen wir Hals über Kopf vor diesem Andrang.

Irgendwie konnten uns diese wirklich überlaufenen Nationalparks nicht begeistern und so beschlossen wir nicht mehr nach Banff zu fahren, sondern eine Abkürzung aus dem Nationalpark hinaus nach Golden und Revelstoke zu nehmen. Spät abends kamen wir im kleinen Dorf Golden an und fanden auf dem Camping keinen freien Platz mehr, also stellten wir uns einfach auf den nächstgelegenen Parkplatz und durften sogar die Duschen des Campingplatzes nützen.

Über Revelstoke fuhren wir weiter bis nach Salmon Arm, denn das Gebiet um Salmon Arm ist als Bade- und Freizeitregion im Sommer bekannt. Die vielen Glasklaren Seen und das hochsommerliche Wetter laden zum Baden ein. In Salmon Arm fanden wir sogar unter der Woche nur überteuerte und volle Campingplätze. So fuhren wir weiter entlang der Seen bis nach Chase wo wir einen kleinen und gemütlichen Platz direkt am Wasser fanden. Auch Wifi war vorhanden, also die beste Voraussetzung um unsere Stückgut-Verschiffung zu organisieren. Da wir den Bus nun mit schwerem Herzen verkauften, mussten und wollten wir gleichwohl einige uns lieb gewonnen Dinge mit nach Hause nehmen. Daher fragten wir bei einem Spediteur nach einer Stückgut-Verschiffung nach und bekamen eine für uns interessante Offerte. für einen Transport direkt in die Schweiz.

Also hiess es Kartonboxen besorgen und unseren Hausrat in die Boxen zu verfrachten. Nach zwei Tagen Arbeit standen 11 schwere Boxen vor dem Bus und warteten darauf im Hafen von Vancouver abgegeben zu werden. Doch unser Spediteur in Vancouver liess sich reichlich Zeit und so verbrachten wir schlussendlich genau eine Woche auf dem Campingplatz in Chase. Wir genossen den kühlen See und das sommerliche Wetter, so war das Warten auf die Freigabe aus dem Hafen gar nicht mehr so schlimm. Anders gesagt, wir genossen super entspannte Tage am Wasser.

Endlich bekamen wir, grünes Licht von der Spedition für die Verschiffung unserer Kisten. Frühmorgens fuhren wir los und je näher wir Vancouver kamen, desto dichter wurde der Verkehr. Nach fast zwei Monaten im dünnbesiedelten Norden, hatten wir fast vergessen wie es ist, sich an so viele Verkehrsregeln zu halten. Je weiter wir in den Hafenbereich hineinfuhren, desto mehr kamen wir uns wie in China vor. Denn die Nähe über den Pazifik ist für die Chinesen ideal und viele machen Geschäfte in Kanada.

Bald standen wir im Büro der Spedition und nach einigen Papieren waren unsere Kisten schon bald auf einer Palette angeordnet und bereit zur Verladung in den Container.

Endlich hatten wir wieder viel Platz im Bus und nahmen nun Kurs in Richtung Whistler. Auf dem „Sea to Sky Highway“ fuhren wir entlang der schönen Buchten bis nach Squamish. Wir verbrachten gemütliche Tage in Squamish und packten unsere sieben Sachen. Tags darauf stand die Reinigung unseres Reisebegleiters an und dann kam schnell die Zeit für den schweren Abschied. Denn der neue Besitzer wird den Bus anfangs September übernehmen und damit die Panamericana südwärts in Angriff nehmen. Wir freuen uns, dass unser treuer Begleiter nochmals eine so grossartige Reise machen kann, doch uns fiel der Verkauf nach diesen intensiven zwei Jahren sehr schwer.

Wir trösteten uns mit ein paar schönen Tagen im Westin Hotel in Whistler, wo wir mit Whirlpool und Sauna unseren Reiseabschluss feierten. Vom Gefühl her, war das Reiseende für uns mit dem Abstellen unseres Campingbusses erreicht! Nun kam es uns eher wie Ferien vor und alles erschien ein bisschen unwirklich. Ehe wir die Situation einordnen und begreifen konnten, sassen wir im Flugzeug und starteten von Vancouver in Richtung Europa. Mit einer Zwischenlandung in Frankfurt kamen wir Abends in Hamburg an. Es war irgendwie komisch wieder überall Deutsch zu hören und alles erschien uns auf eine angenehme Art vertraut. Wir mieteten einen Kleinwagen und fuhren nach Lüneburg, wo wir unsere kleine Wohnung bezogen, die wir für die kommenden 10 Tage über AirBnB gemietet hatten. Der Zufall wollte es so, dass unsere Freunde Annina und Pascal gerade in Hamburg ihr Reisegefährt abholten und so verbrachten wir ein paar gemütliche Tage zusammen. Somit konnten wir doch noch miterleben wie es sein könnte einen Bus im Heimathafen abzuholen. Nun geniessen wir einige ruhige Tage in der Umgebung Lüneburg und bald geht es für uns zurück in die Schweiz...Dies mit Vorfreude auf Freunde und Familie, doch auch mit gemischten Gefühlen und ein bisschen Respekt vor einem quadratischeren Leben. Vamos a ver! Mal schauen was das Leben so mit sich bringen wird...Wir wissen nur, dass wir keinen Tag dieser grossartigen Reise missen möchten und wir sind den vielen Herausforderungen gewachsen.

Dies war der letzte Reisebericht und in der nächsten Zeit werden wir für alle Reisenden noch ein kleines Reise-ABC aufschalten, welches unsere subjektive Erfahrungen weitergibt. Wir möchten uns bei allen treuen Lesern für das Interesse bedanken! Adios amigos!

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Kommentare: 3
  • #1

    Bernardo (Mittwoch, 31 August 2016 20:42)

    Hola amigos,
    Besten Dank für alle eure Berichte und Fotos. Mit Wehmut verabschiede ich mich, es ist auch mein letzter Kommentar. Ich habe ausser Kanada und Alaska alle diese Länder bereist, natürlich auf eine andere Art. Ich habe immer ungeduldig auf euren nächsten Bericht gewartet und konnte gut mitfühlen was Ihr so alles erlebt und sieht. Wie Ihr schreibt, Ihr werdet nie einen Tag dieser grossartigen Reise missen und werdet einige Zeit brauchen um alles zu verarbeiten.
    Viel Spass wünsche ich Euch (drei) beim Überarbeiten und hoffe dass der neue Anfang nicht zu streng wird.
    Alles Gute, vaya con Dios amigos.
    Bernardo

  • #2

    Nicholas & Siria (Mittwoch, 07 September 2016 07:43)

    Einfach nur fantastisch!! Was für eine Reise, was für Erinnerungen und Erfahrungen...
    Leider haben sich unsere Wege nicht gekreuzt, aber wir waren immer wieder mal per www bei euch mit dabei. Alles gute für die nächsten Abenteuer, da kündigt sich ja schon ein nächstes grossartiges Projekt an wie ich gehört und auch gesehen habe :-)
    Alles alles Gute und liebe Grüsse!!
    Nichoals & Siria

  • #3

    Walter (Donnerstag, 06 Oktober 2016 18:04)

    Die grosse Reise habt bravoureuse gemeistert und viele unvergessliche Erlebnisse und Abenteuer überstanden. Ihr werdet den Rest des Lebens an diese Zeit zurückdenken. Und ich bin sicher, das die vielen Bilder und Reiseberichte euch weiterhin begleiten werden. Ich habe eure gesamte Route mit verfolgt um mir Anregungen für mein zukünftiges Projekt festzuhalten, denn auch ich bin mit meiner Planung einer mehrjährigen Reise schon gut fortgeschritten. Bei Fragen werde ich mich an euch wenden;-) Ich gehe davon aus, dass ihr wohlerhalten zu Hause angekommen seid und euch ein neues Nest für die grössere Familie aufbauen müsst. Euer blinder Passagier ist ganz schön weit gereist. Wie sagt man so; " Hecho en america latina y terminado en Suiza" Das kann doch nur ein gutes Omen sein. Also ich wünsch euch viel Glück und Erfolg für die Zukunft und wenn ihr mal einen Bildvortrag über eure Reise abhalten werdet lasst es mich wissen, wenn ich Zeit hab komme ich gerne vorbei wenn man darf. Ich komme ursprünglich auch aus eurer Umgebung, wurde in Wädenswil geboren und bin dann auch im Zürcher Oberland zur Schule gegangen. Zur Zeit arbeite und lebe ich in Aarberg. Muchisimas gracias y buena suerte.