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Flathy

Wir waren 22 Monate unterwegs und sind nun wieder zu Hause in der Schweiz!

Nationalparks - Übers Coloradoplateau in die Rocky Mountains

 

25.05.2016 – 17.06.2016: Las Vegas – Zion NP – Bryce Canyon NP – Capitol Reef NP – Goblins Valley – Arches NP – Moab – Monument Valley – Grand Canyon – Horseshoe Bend – Page – Salt Lake City – Jackson – Tenton NP – Yellowstone NP – Garnet – Glacier NP - Seattle - Bend [Route]

 

Unglaublich schöne Felsformationen, Canyons und Flusslandschaften durften wir in den letzten Wochen erkunden. Von Las Vegas aus führte unsere Route durch die bekannten und viel besuchten Nationalparks im Südwesten der USA. Wir streiften die Bundesstaaten Nevada, Utah und Arizona und konnten neben den sensationellen Landschaften auch einige Tierbegegnungen machen. Eigentlich hatten wir für die Rundfahrt im Südwesten etwa drei Wochen geplant. Doch unsere Planung hatten wir nicht mit den vielen Touristen, den vollen Campingplätze und dem sehr heissen Wetter gemacht. Diese Begebenheiten führten dazu dass wir die Nationalparkrunde in knapp 10 Tagen abfuhren und es uns bald in kühlere Gebiete in den Rocky Mountains zog.

Las Vegas fühlte sich tagsüber glühend heiss an und da wir gerade vor dem verlängerten Wochenende (Memorial Day) losfuhren, waren wir nicht die einzigen auf dem Highway in Richtung Osten. Viele Autos, RV`s (Recreation Vehicle) und Pick-Ups mit Anhänger begleiteten uns. An den wenigen langen Wochenenden wollen die Amerikaner alles aus der wenigen Freizeit rausholen. Dem entsprechend werden auch grosse Distanzen fürs Vergnügen in kauf genommen. Viele schleppen ihren Spielzeugpark in Form von grossen Motorbooten, Jet Skies, Quads, Buggies oder Geländemotorrädern hunderte von Kilometer durchs Land um sich in den National Forests oder auf den Seen auszutoben. Man könnte meinen, das ganze Land sei ein riesiger Vergnügungspark. Aber „Doing Outdoors“, wie es die Amerikaner nennen, ist für viele fast eine Religion.

Uns beeindruckte diese Materialschlacht und somit ist die Fahrerei wenigstens ein bisschen unterhaltsam. Zu sehen bekommen wir eigentlich den ganzen Verkehr, denn meist sind wir das langsamste Fahrzeug auf den Strassen. Hier in den USA sind alle Autos gut bis über motorisiert. Genau auf das Memorial-Day Wochenende fuhren wir den Zion Nationalpark an. Uns dieses Fehlers nicht bewusst, standen wir in der Autoschlange vor dem Nationalpark. Das ganze Dorf Springdale platzte vor lauter Autos aus allen Nähten. Am Nationalparkeingang erfuhren wir, dass natürlich alle Campingplätze und auch alle Shuttelbusse voll waren, denn wegen dem kommenden Feiertag „Memorial-Day“ sei noch mehr los als sonst. So blieb uns nichts anderes übrig als die Strasse durch den Nationalpark zu fahren um den Park schon nach zwei Stunden wieder zu verlassen. Mit diesem verlängerten Wochenende hatten wir nicht gerechnet und mit so einem verrückten Besucheransturm auch nicht! Ohne den Zion Nationalpark besucht zu haben fuhren wir weiter in Richtung Bryce Canyon. Abseits des Rummels fanden wir in einem abgelegenen National Forest einen ruhigen Schlafplatz. Am Morgen stürzten wir uns wieder ins Getümmel und besuchten den Bryce Canyon. Die rot-braunen Sandsteinsäulen konnten uns begeistern. Doch auch dieser Nationalpark scheint in den Sommermonaten täglich voller Touristen zu sein. Wir schossen ein paar Bilder und unternahmen eine kleine Wanderung. Wenn wir nicht gerade Touristengruppen auswichen, stoppeltern wir fast über die "Selfie"-Ständer Touristen. 

So zogen wir noch am selben Tag weiter bis in den Capitol Reef Nationalpark, wo wir wieder das selbe Gedränge erlebten und alle Campingplätze voll waren. Wir durchfuhren den Park und landeten nach einem langen Tag im Goblin Valley. Einem kleinen Tal, welches mit bizarren Sandsteinformationen aufwartete. Vergnügt wanderten wir zwischen den Sandsteinpilzen umher und genossen das warme licht der Abendsonne.

Ausserhalb dieser Attraktion fanden wir einen einigermassen ruhigen Schlafplatz in der Natur. Aber um uns herum wimmelte es nur so von „wilden Campern“. Überall standen Wohnwagen, Wohnmobile oder Zelte und einige der Camper konnten es nicht lassen unablässig ihre Generatoren laufen zu lassen. Denn fürs Campen im Amerikanischen Stil reichen Solarpanels nicht aus, da diese nicht genügend Strom für die Klimaanlage und den Super-Size Kühlschrank liefern. Als es dunkel wurde gingen dann glücklicherweise auch die Generatoren schlafen und so hatten wir eine ruhige Nacht. Bevor die Sonne wieder unbarmherzig auf unseren Bus brannte, waren wir schon wieder unterwegs nach Osten. Als nächstes stand der Arches Nationalpark, mit seinen Felsbögen, auf dem Programm. Im Offroad Mekka Moab füllten wir unsere Vorräte auf und beobachteten die vielen Geländefahrzeuge, die überall im Städtchen zu sehen waren. Wow, ein reines Paradies für Jeep-Liebhaber! Bald standen wir wieder in einer Autoschlange vor dem Nationalparkeingang.

Leider gab es auch hier keinen freien Campingplätze im Nationalpark, so beschränkte sich unser Besuch auf einen Tag. Wir wanderten in der trockenen und heissen Luft zwischen den schönen Sandsteinbögen umher.

Abends waren wir froh wieder in den Bus zu steigen um den vielen Besuchern zu entkommen. Wir quartierten uns auf einen kleinen RV-Park ein und genossen wieder den Luxus einer warmen Dusche. Auf den RV-Parks besetzen wir meist nur eine „Dry Site“, dass heisst, wir bezahlen nur wie ein Zelt, da wir keinen „Full Hook-Up“ mit Wasser, Abwasser und Stromanschlüsse brauchen. Sobald man „Full Hook-Up“ braucht, kostet eine Nacht schnell mal 40-60 US$! Das scheint die Amis nicht zu stören, denn meist sind die RV-Plätze sehr gut besetzt. Für uns kommt so etwas nicht in Frage und meist fühlen wir uns auf den RV-Campgrounds auch nicht so wohl, denn diese Art von Camping entspricht uns nicht wirklich. Suchen dann lieber in den National Forests einen ruhigen und freien Stellplatz. Dies natürlich voll in der Natur.

So zogen wir anderntags weiter nach Süden um den Grand Canyon zu besichtigen. Die Fahrt führte uns durch sehr trockene und wüstenartige Landschaften und schlussendlich durchs Momument Valley. Das weltbekannte Tal mit seinen riesigen, roten Felsmonumenten. Wir genossen die Fahrt auf dieser eindrücklichen Strasse, welche wir schon auf vielen Bildern gesehen hatten.

Genau zum Sonnenuntergang passierten wir den Eingang zum Grand Canyon. Der erste Blick hinunter in den tiefen Canyon ist schon Atemberaubend. Bald tauchte die Abendsonne den Canyon in ein warmes Licht. Wunderschön! Leider konnten wir nicht im Park Übernachten, da alle Campingplätze besetzt waren. In einem Wald ausserhalb wurden wir fündig und konnten kostenlos übernachten. Noch vor 5 Uhr morgens holte uns der Wecker aus dem Schlaf, denn wir wollten den Sonnenaufgang über dem Grand Canyon erleben. So früh waren nicht nur wir unterwegs, sondern auch ein Rentier Männchen, welches friedlich neben der Strasse graste. Schon wegen diesem Zusammentreffen hatte sich das frühe Aufstehen gelohnt sogar für Nathy die Tierliebhaberin. Nicht ganz alleine, beobachteten wir wie die ersten Sonnenstrahlen des Tages den Grand Canyon langsam erhellten und so die zerklüftete Struktur zum Vorschein brachten. Wir wanderten entlang des Südrand des Canyons und genossen die grandiosen Blicke in die über 1300 Meter tiefe Schlucht. Über Jahrmillionen hat der Colorado River diese zerklüftete Schlucht in den Fels gefressen.

Es gäbe auch Wanderwege hinab in den Talgrund des Canyons, doch bei der Hitze von über 30°C reizte uns dies nicht sonderlich und wir fuhren noch am selben Tag entlang des Canyon Randes zurück auf die Hauptstrasse. Bei der Fahrt durch den Park konnten wir noch einige friedlich liegende Rentiere beobachten. Auf der Route 89 fuhren wir nach Page. Auf der eintönigen Strecke machten wir Halt beim Horseshoe Bend des Colorado Rivers. Der Fluss windet sich dort in Hufeisenform durch eine tiefe Schlucht. Wir genossen diesen grandiosen Ausblick in die Tiefe ohne Abschrankungen.

Horseshoe Bend  des Colorado Rivers bei Page
Horseshoe Bend des Colorado Rivers bei Page

Die gesichtslose Stadt Page am Lake Powell entstand mit dem Bau des Staudamms ende der 1950er Jahre. Mit der Fertigstellung des Bau des Glen Cayon Staudamms wurde einen riesige Schluchtenlandschaft überflutet und es entstand ein über 150 Kilometer langer See mit zahllosen Seitenarmen und Buchten (3000 Kilometer Uferlinie). Heute ist der Stausee das grösste Wassersport-Eldorado der USA. In der Region Page hätte es noch einige spezielle Felsformationen zu sehen gegeben, doch wir hatten in den letzten Wochen genug Canyons und trockene Wüstenlandschaften gesehen. Es zog uns nach Norden, denn wir sehnten uns nach kühleren Temperaturen, grünerer Landschaft und weniger Leute. Wir durchquerten noch einige Wüstenartige Landschaften und bald fuhren wir auf der gut ausgebauten Interstate nach Norden. Die 700 Kilometer schafften wir nicht an einem Tag, so kam es, dass wir in einem nahegelegenen National Forest einen gemütlichen Schlafplatz fanden. Nach den vielen Stunden hinter dem Steuer machten wir einen Spaziergang entlang eines Traktorweges. In ein Gespräch vertieft, hörten wir neben uns ein komisches Rasseln. Wir suchten den Wegrand mit unseren Augen auf und plötzlich sahen wir die ockerfarbene Klapperschlange in Abwehrstellung. Erschrocken und zugleich fasziniert wechselten wir die Wegseite und brachten einige Meter Abstand zwischen und der Klapperschlange. Nun sind wir doch noch der berühmten Klapperschlange begegnet, doch auf solche Begegnungen verzichten wir in Zukunft lieber!

Kurz vor dem Wochenende erreichten wir die Mormonenstadt Salt Lake City. Wir besichtigten die eher wie ein Dorf wirkende Stadt und besuchten das Familienarchiv der Mormonen. In Salt Lake City lagern Millionen alter Schriftrollen (Heiratsurkunden, Taufscheine, Todesanzeigen, ....), die von den Mormonen gesammelt und archiviert wurden. Aus Neugier wollten wir diesen Ort sehen und wurden sofort mit einem Namensschild ausgestattet und in das Untergeschoss geführt. Wir kamen uns vor wie in einer geheimen Informationszentrale, es wimmelt nur so von Personal, überall stehen Computer und Mikrofilm Lesestationen. Wir nahmen zwei Computer in Beschlag, suchten ein bisschen in alten Schriften und zogen dann weiter. In Salt Lake City war es schwierig einen geeigneten Schlafplatz zu finden, so stellten wir uns am Stadtrand, in einem guten Quartier, an die Strasse. Als wir schon im Bett waren klopfte es an unsere Fahrertür und mit Taschenlampen wurde unser Fahrzeug abgesucht. Also mussten wir wieder aufstehen um mit den Ruhestörern zu kommunizieren. Draussen standen zwei Streifenwagen und die freundliche Polizistin meinte, dass wir hier nicht über Nacht bleiben könnten, da dies in ganz Salt Lake City verboten sei. Unsere Pässe wurden gescannt und dann mussten wir weiterfahren, bis wir bei einem Walmart einen Parkplatz ohne „No Overnight“ Schild fanden.

Am kommenden Morgen stellten wir fest, dass einer unserer Doppelreifen einen Platten hatte. Also steuerten wir eine der nächsten Reifenwekstätte an um den Schaden zu beheben. Schlussendlich mussten wir fast zwei Stunden durch die Stadt fahren, bis jemand Zeit hatte unseren Reifen zu reparieren. In Südamerika konnte man dies an jeder Strassenecke machen lassen, doch hier werden lieber neue Reifen verkauf als ein gebrauchter repariert. Von Salt Lake City nahmen wir Kurs auf dem Yellowstone Nationalpark. Je weiter wir nach Norden kamen, desto grüner wurde es und bald befanden wir uns umgeben von schönen Seen, überquerten Flüsse und durchfuhren Nadelwälder. Mit der Fahrt in den Norden wurde nicht nur die Landschaft grüner, auch die Tage wurden länger. Nun ging die Sonne schon um 5:30 Uhr auf und erst um 21:30 unter. Nach einer weiteren Nacht bei Walmart fuhren wir durch den Touristenort Jackson. Der kleine Touristenort wirbt mit seiner schönen Landschaft, den nahegelegenen Nationalparks und den Wildtieren. Da wir uns ab jetzt wieder häufig in Bärengebiet aufhalten werden, kauften wir in einem Outdoorshop einen Bärenabwehspray. Wenn man auf Wanderungen keine Waffe trägt, wird empfohlen einen solchen Spray für den Notfall mitzuführen.

Weiter nördlich von Jackson liegt der Tenton Nationalpark, wo wir auf einem grossen Camping am See übernachteten. Seit langem trafen wir wieder mal andere Overlander. Michael und Sabine sind mit einem grossen MAN Lastwagen entlang der Panamericana unterwegs und sind vor 8 Monaten in Montevideo gestartet. Bei einem Nachtessen tauschten wir Neuigkeiten aus und genossen es wieder einmal Deutsch zu reden. Mehrmals am Abend kamen Amerikaner vorbei um das Reisemobil zu bestaunen, solche LKW-Reisemobile gibt es hier in den USA nicht wirklich und bei vielen Amerikanern gilt „the bigger, the better“! Vertieft ins Gespräch verpassten wir sogar fast ganz noch den blutroten Sonnenuntergang über dem See.

Im Tenton Nationalpark
Im Tenton Nationalpark

Nun ging es weiter in den Yellowstone Nationalpark. Wir freuten uns sehr auf diesen speziellen Nationalpark mit seinen Geysiren, Wasserlöchern und Bisons. Leider erfuhren wir schon bei der Parkeinfahrt, dass alle Campings schon um 9 Uhr Morgens voll waren. So fuhren wir schon am ersten Tag eine Runde durch den Park und besichtigten diverse Felder mit sprudelnd heissen Wasserlöchern, welche in diversen Farben schimmerten. Auf den schmalen Stegen tummelten sich Touristen aus aller Welt und das Vorankommen gestaltete sich manchmal wie ein Hindernislauf, dies schmälerte unsere Begeisterung und das Interesse am Naturschauspiel verblasste mit diesen Menschenmengen. Wir dachten oft an die unvergesslichen, menschenleeren Naturspektakel in Südamerika zurück. Unser Hauptinteresse lag bei den Bisons, welche mit über 3000 Exemplaren im Nationalpark vertreten sind. Die ruhigen Büffel grasten vielerorts neben der Strasse und beeindruckten uns mit ihrer grossen Masse.

Nach über 100 gefahrenen Kilometern erreichten wir am Abend den Westausgang und suchten uns in einem nahegelegenen Wald einen Schlafplatz. Anderntags standen wir schon um 9 Uhr in der Autokolonne um wieder in den Park zu gelangen. Nur in Schritttempo ging es mehrere Kilometer durch den Park, denn Bisons blockierten die Strasse und es bildeten sich Kilometerlange Autoschlangen. Wir besuchten einige Geysirfelder und zu guter Letzt noch den weltbekannten Geysir „Old Faithful“. Über tausend Besucher wollten mit gezückter Kamera dieses Schauspiel sehen. Dann speite der Geysir kurz Wasser in die Luft und vorbei war das Spektakel. Wir dachten an unsere besuche der Geysirfelder bei Puchuldiza in Chile. Vergleichbar schöne Geysire, Wasserlöcher und rauchende Schlünde, aber alles ohne Abschrankungen und ohne Menschenmassen.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf verliessen wir am Abend den Nationalpark und fanden ausserhalb einen kleinen Campingplatz neben der Strasse. Nun hatten wir fast alle Nationalparks im Westen der USA besucht. Die Natur ist wunderschön und viele Landschaften sind sehr eindrücklich, doch der Besucherandrang ist gewaltig und für uns geht dadurch viel der Faszination solcher Orte verloren. Wir würden die Nationalparks nur noch im frühen Frühling oder im späten Herbst besuchen, denn in diesen Jahreszeiten hat es weniger Besucher und das Wetter ist meist einigermassen stabil.

Auf der Fahrt weiter Richtung Norden besuchten wir die abgelegene Geisterstadt Garnet im Bundesstaat Montana. Um das Jahr 1900 wurde dort Gold gewaschen und einige grössere Goldfunde halfen der Stadt zu fast 1000 Bewohnern. Doch die Goldadern waren schnell erschöpft und so waren die meisten der Blockhäuser schon um 1920 wieder verlassen. Wir besichtigten die Geisterstadt, doch waren ein bisschen enttäuscht, nicht mehr viel aus der vergangenen Zeit vorzufinden. Auch von den Minen ist nicht mehr viel übrig und alte Maschinen sind auch nicht vorhanden. Doch die Faszination solch alter Goldfundorte bleibt und in unserer Fantasie können wir uns gut ausmalen, wie es in den Boomjahren zu und her gegangen sein könnte.

Ausblick über Goldgräberstadt Garnet
Ausblick über Goldgräberstadt Garnet

Wir entschieden uns auch noch den, an der Grenze zu Kanada liegenden, Glacier Nationalpark zu besuchen. Diesmal hofften wir wegen der abgelegenen Lage auf weniger Besucher. Die Fahrt führte uns durch Nadelwälder vorbei an Seen und Flüssen. Nach zwei Fahrtagen erreichten wir den nördlichen Nationalpark bei sehr wechselhaften Wetter. Beim Nationalparkbüro wurde uns mitgeteilt, dass die Passstrasse „Going to the Sun Road“ wegen Strassenschäden noch nicht offen und somit nicht befahrbar sei. Somit bewegten wir uns leider nur in den tieferen Regionen des Nationalparkes und bekamen keinen der Gletscher zu Gesicht. Das Wetter war wechselhaft, dass wir nur kleinere Wanderungen unternahmen und sonst die Zeit mit Spielen und Lesen verbrachten. Am letzten Tag zeigte sich die Sonne ein bisschen häufiger und wir nutzen die Gelegenheit um eine Wanderung zum Avalanche Lake zu machen. Der Glasklare See liegt in einem Talkessel und von jeder Seite stürzten im Frühsommer Wasserfälle in den See. Als wir uns auf dem Rückweg befanden, trafen wir auf einen Schwarzbären, der ruhig neben dem Weg sein Futter suchte. Weiter gehen konnten und wollten wir auch nicht, also blieben wir ruhig stehen und beobachteten den Bären. Dieser liess sich nicht gross stören und ging seinen Weg. So nahe kamen wir zum ersten Mal einem Bären! Mit dieser faszinierenden Begegnung im Kopf verliessen wir diesen wunderschönen Nationalpark und quartierten uns ausserhalb auf einen RV-Park ein, denn es war wiedermal Zeit für eine Dusche um Wäsche zu waschen. Nach erledigten Dingen nahmen wir Kurs auf die 800 Kilometer entfernte Stadt Seattle im Bundesstaat Washington.

Nach zwei Fahrtagen erreichten wir Seattle und als erstes steuerten wir gerade das Universitätsspital an, da wir die Ultraschalluntersuchung in der zwanzigsten Woche durchführen wollten. Voller Tatendrang wurden wir von Büro zu Büro geschickt und nach geschlagenen zwei Stunden Vorsprechen, Telefonieren und warten, war klar, dass wir sicherlich in der nächsten Woche keinen Ultraschalltermin bekämen. Dies kommt daher, dass es praktisch nicht möglich ist ohne ärztliche Empfehlung irgend eine Untersuchung in den USA durchzuführen, nicht einmal wenn es um einen Routineultraschall geht. Mehrere Male mussten wir unsere Namen und Daten am Telefon Buchstabieren und unsere spezielle Situation erklären. Bis es zu einer Untersuchung gekommen wäre, hätten sich uns noch Seitenweise Formulare in den Weg gestellt. Frustriert suchten wir im Internet nach privaten Kliniken, welche uns eine Ultraschalluntersuchung anbieten könnten. Wie es der Zufall wollte, sprachen wir an der Rezeption eine ältere Frau an und diese hörte sich unsere Geschichte geduldig an und meinte, dass sie sowieso gerade fertig mit der Arbeit sei und wir doch bei ihr unser Fahrzeug abstellen könnten. Gita führte uns zu ihrem Haus und bald fanden wir uns in ihrem Wohnzimmer wieder. Nach vergangenen fünf Stunden und unzähligen Telefonaten sassen wir in Gitas Wohnzimmer und hatten einen Termin in zwei Tagen. Durch ihre Hilfe und viel Vitamin B hatten wir nun eine Arztempfehlung und einen Termin im Sack! Wir verbrachten einen gemütlichen Abend mit unserer grosszügigen Gastgeberin und genossen die Gespräche über Gott und die Welt. Wir lernten viel über das Leben in den USA und auch über Indien, da Gita indische Wurzen hat, doch aber nun die ganze Familie in den USA lebt. Wir genossen die Gastfreundschaft und erkundeten die tolle Stadt Seattle. 

Nach viel indischem Essen, welches wir zusammen zubereiteten und mit vielen indischen Zutaten im Gepäck starteten wir in Richtung Oregon. Auf dem Weg machten wir noch halt beim Ultraschallbüro und konnten endlich den Ultraschall für die zwanzigste Woche machen. Unser blinder Passagier zeigte sich super aktiv und alles scheint in Ordnung zu sein.

Nach der Untersuchung fuhren wir zurück auf den Freeway und schon bald rauchte unser Bus schrecklich und wir hatten praktisch keine Leistung mehr. Wir schafften es noch zu einer Werkstatt und der nette Mechaniker meinte: "We don`t work on diesel"! Also zogen wir mit einer weiteren Werkstatt Empfehlung weiter. Mit einer riesigen Rauchfahne und letzter Kraft erreichten wir die Werkstatt von Bob. Auch dieser wollte aber seine Finger nicht an einem europäischen Dieselauto dreckig machen. Doch er erkannte unsere Not und zusammen machten wir eine Diesel-Werkstatt ausfindig. Leider war diese so weit weg, dass wir die Fahrt unserem Bus nicht mehr zumuten wollten. Bob organisierte einen Abschleppdienst für den nächsten Morgen. Die Nacht durften wir auf dem Werkstattgelände verbringen und am Morgen kam unser Appschlepp-Truck. Wir genossen die Fahrt im LKW und bald erreichten wir unser Ziel. Die netten Juns hatten grosse Freude an so einem alten Dieselfahrzeug zu arbeiten. Unsere Befürchtungen eines Problems mit der Einspritzung bewahrheiteten sich zum Glück nicht. Es stellte sich heraus, dass nur einer der Unterdruckschläuche ein Leck hatte und somit die Dieseleinspritzpumpe nicht richtig gearbeitet hatte. Nach einer Stunde konnten wir glücklicherweise unsere Fahrt schon wieder Fortsetzten! herzlichst wurden wir von der Werkstatt-Crew verabschiedet. 

Abschleppen mit dem Truck
Abschleppen mit dem Truck

Bei unseren Pannen bekommen wir immer wieder zu spüren wie Hilfsbereit die Menschen doch sind! Immer wieder kommt es zu schönen Begegnungen in diesen unschönen Situationen. In zwei Tagen fuhren wir knapp 600 Kilometer südwärts nach Bend im Staat Oregon. Da sind wir jetzt und besuchen Freunde, welche wir auf den Galapagos Inseln kennengelernt hatten. Nach dem Wochenende werden wir wieder zurück nach Seattle fahren um weiter nach Kanada zu reisen. 

Zu guter letzt haben wir hier noch eine kleine Sammlung von typischem und kuriosem aus den USA...

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Kommentare: 10
  • #1

    Christophe von Gunten (Samstag, 18 Juni 2016 08:45)

    Hallo zämä
    Vielen Dank für eure immer wieder inspirierenden Reiseberichte

  • #2

    Flathy (Samstag, 18 Juni 2016 08:56)

    Hoi Christophe

    Danke für den Eintrag im Gästebuch. Es freut uns so viele begeisterte Leser zu haben.
    Noch mehr Freude haben wir, wenn wir andere Menschen zu einer Reise inspirieren können.
    Liebe Grüsse aus den USA.

    Flathy

  • #3

    Christophe von Gunten (Samstag, 18 Juni 2016 11:08)

    2. Teil....(ging beim ersten senden verloren)
    Die Texte sind super geschrieben und die Föteli einfach umwerfend. Es bringt mich zum Träumen und einer Planung für eine längere Reise näher.
    Wünsche euch weiterhin eine spannende und pannenfreie Weiterreise.
    Lieber Gruss aus dem kalten und regnerischen Thun.
    Ein begeisterter Mitleser.
    Christophe

  • #4

    Bernardo (Sonntag, 19 Juni 2016 14:14)

    Hola Amigos
    Immer wieder bin ich begeistert von dem was Ihr zu erzählen habt und von den schönen Fotos. Ich wartete schon lange darauf, dass Ihr schreibt das Südamerika mehr ursprüngliches zu bieten hat, Natur und Völker. Natürlich darf man vergleichen und dann diese Gegensätze in vollen Zügen geniessen. Ich war und bin immer noch mit meiner Mochila einigen Wochen pro Jahr unterwegs, konnte aber nicht Alles so auskundschaften wie Ihr das macht. Kanada und Alaska kenne ich nicht, deswegen bleibe ich neugierig auf das was Ihr noch zu erzählen habt.
    Gute Fahrt!
    Bernardo

  • #5

    Brigitte (Sonntag, 19 Juni 2016 23:01)

    Bin auf euren Blog über Marita und Jan gestossen, ich lese euren Blog regelmässig und freue mich immer über eine neuen Bericht. Schade habt ihr die Sehenswürdigkeiten zu dieser Zeit bereist, wir waren vor (sage und schreibe) 30 Jahren auch auf der selben Reise, hatten aber nicht so viele Turis. Ich wünsche euch weiterhin eine gute Reise und eine gute Zeit in Canada.
    Aus der verregneten Schweiz Brigitte

  • #6

    gianni (Montag, 20 Juni 2016 22:50)

    hallo zusammen
    haben euch zweimal gekreutzt, einmal vor dem brice und naher noch bei page. wir waren auch zu der tourizeit in den pärken und wenn ich so eurem bericht lese muss ich lachen, gehts doch nicht nur uns so hier. sind jetzt in vegas am schwitzen und machen uns bald auf den weg nach mexico. euch drei gute reise richtung kanada. lg die mit der GR nummer und dem landcruiser

  • #7

    Flavio Fiori (Dienstag, 21 Juni 2016 03:49)

    Hallo den GR. Danke für den Kommentar! Ja wir haben uns zweimal gekreuzt aber sind uns leider nie begegnet. Wie habt ihr die Website gefunden? Schön wenns bei euch nach Mexico geht,und hats super gefallen. Wo solls sonst noch hingehen?Wir sind schon fast am Ende unserer Reise, wir fahrwn noch bis Alaska und dann nach Hause. Habt ihr eine Website? Lg aus dem schönen Oregon. FLATHY

  • #8

    Walter (Samstag, 25 Juni 2016 17:58)

    Hola ihr Weltenbummler, schön eure Berichte und Bildgalerien zu verfolgen. Schöne eindrückliche Bilder und tolle Kommentare. Wie ich gelesen habe geht eure Abenteuerreise dem Ende entgegen und ihr möchtet euren Untersatz verkaufen. Leider ist euer Fahrzeug zu schwach auf der Brust wie ihr selber erfahren musstet sind Fahrzeuge in dieser Gewichtsklasse mit weniger als 100 PS in gewissen Gebieten nur bedingt Einsatzfähig. Ich bin sicher, dass ihr euren Weg Begleiter verkaufen könnt.

    Ich musste schmunzeln über euren blinden Passagier, der doch auch hungrig ist und dem sogar Fondue ohne Kirsch schmeckt :-)

    Na dann weiterhin gute Fahrt und viel Freude unterwegs.

    Saludos Walter

  • #9

    Wohlweislich Antoinette (Freitag, 08 Juli 2016 14:59)

    Holi zäme!
    Schön ab und zu von euch zu hören! Wir waren im Mai, September und Oktober in den westlichen Pärken unterwegs und hatten ausnahmslos Platz zum schlafen. Schade dass es bei euch so ein Trubel gab.
    Fahrend no gute z dritt!!

  • #10

    Wohlwend (Freitag, 08 Juli 2016 15:02)

    Wieso mein compi wohlweislich schrieb ist mir schleierhaft!!