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Flathy

Wir waren 22 Monate unterwegs und sind nun wieder zu Hause in der Schweiz!

Viva Mexico! - Durch Mexico nach Baja California

26.03.2016 – 23.04.2016: San Cristobal de las Casas – Laguna de Catemaco – Cholula – Puebla – Mexico Stadt – Puebla – Teotihuacan – Guanajuato – Tequila – Mazatlan – La Paz – La Ventana – Baiha Concepcion – Bahia Colnett [Route]

An was denkt ihr, wenn ihr das Wort Mexiko hört? Drogenkrieg und Kartelle oder Sombreros, Tequila und Tacos. Wir denken ein bisschen an beides und das Wort Mexiko hat sich für uns in den letzten Wochen mit Bildern und Erlebnissen gefüllt. Wir erlebten Mexiko als ein sehr abwechslungsreiches Reiseland, dessen Bewohner uns überaus freundlich und hilfsbereit erscheinen und dessen Küche sehr schmackhaft und scharf ist. 

Kurz gesagt, ein Lieblingsland das Lust auf mehr macht! Aber fangen wir mit unserer Geschichte doch von Vorne an!

Die Grenze von Guatemala nach Mexiko überquerten wir bei La Mesila. Da wir schon um 7 Uhr Morgens an der Grenzstation eintrafen, war die Ausreise schnell erledigt. Leider waren wir sogar früher als die Grenzbeamten an der mexikanischen Grenzstation und mussten somit noch eine Stunde warten, bis alle Posten besetzt waren. Wir erhielten für unser Fahrzeug eine 10 Jahre gültige temporäre Einfuhr! Mexiko würde sich für Overlander anbieten um das Fahrzeug für einen längeren Zeitraum abzustellen. Nach der Grenze nehmen wir die kurvige Landstrasse nach San Cristobal de las Casas in Angriff. Schon nach wenigen Kilometern werden wir von der Polizei gestoppt, doch die Beamten interessieren sich mehr fürs Fahrzeug als für unsere Papiere. Nach ein paar netten Worten können wir unsere Fahrt fortsetzen bis wir an der nächsten Bodenwelle wieder auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen müssen. Wir dachten, dass wir in Südamerika bereits zu viele dieser Geschwindigkeitsbegrenzer gesehen haben. Aber was uns auf Mexikos Strassen erwartete, ist der reine Wahnsinn. Vor Kreuzungen, vor, in und nach Dörfern oder Städten, vor Kurven und vor Militärkontrollen finden wir diese „Topes“, wie sie in Mexiko genannt werden. Manchmal sind diese Wegelagerer mit einem Schild gekennzeichnet, manchmal mit Farbe bemalt und manchmal fehlt jegliche Kennzeichnung. Wenn letzterer Fall vorliegt, kam es ab und zu vor, dass wir den „Tope“ im letzten Moment sahen und dann mit einer Vollbremsung und rutschenden Vorderrädern darauf zu schlittern um dann aus unseren Sitzen gespickt zu werden um Zeitlupe zu hören wie die Federung brutal gestaucht wurde. In solchen Momenten blieb nur zu hoffen, dass nichts an der Radaufhängung gebrochen ist. Daher gefällt uns eher der Begriff „Rompe Muelle“ was so viel bedeutet wie „Stossdämpfer Brecher“ besser.

Aber anscheinend ist dies der einzige Weg um die Geschwindigkeit in einem akzeptablen Rahmen zu halten, denn Verkehrsschilder und Markierungen sind höchstens zur Dekoration und die meist korrupte Polizei trägt auch nicht zum Besseren bei.

Der einzige Weg wie man diese „Topes“ umgehen kann, ist indem man die kostenpflichtigen Autobahnen benutzt, welche die grösseren Städte miteinander verbinden. Da aber keine Autobahn vorhanden war, erreichten wir über hunderte dieser „Topes“ an Karfreitag das koloniale Städtchen San Cristobal de las Casas. Wir quartierten uns auf einem RV- Park, ein bisschen ausserhalb des Städtchens, ein. Die Campingplätze hiessen nun nicht mehr Camping, sondern RV-Park. Der US-Amerikanische Einfluss war deutlich zu spüren, so sahen wir neben der Strasse auch Filialen von MC-Donalds oder Burger King und einkaufen gingen wir im Walmart.

Die Vereinigten Staaten von Mexiko machten auf uns schon am ersten Tag einen komplett anderen Eindruck als die übrigen Länder in Mittelamerika. Wir sahen immer noch Armut und Bewaffnung an jeder Ecke, doch auch entdeckten wir moderne Supermärkte, ein gut ausgebautes Autobahnnetz und eine existierende Mittelschicht. Bei all diesem Fortschritt ist aber das lateinamerikanische Flair glücklicherweise nicht verloren gegangen.

Mit all diesen neuen Eindrücken im Hinterkopf erkundigten wir San Cristobal de las Casas mit seinen farbigen Gebäuden. Wir schlenderten durch die kopfsteingepflasterten Gassen und genossen es wieder einmal in einem schönen Kaffee zu sitzen und das Treiben auf der Strasse zu beobachten. Die Osterwoche ist bei den Katholiken als „Semana Santa“ bekannt und gilt als allgemeine Feiertagswoche, daher war in den Strassen und auf den Plätzen viel los. 

Nach diesen Stadttagen fuhren wir über die kostenpflichtige Autobahn in Richtung der Karibikküste bis an die Laguna de Catemaco. Noch ein letztes Mal wollten wir die tropische Vegetation geniessen und quartierten uns beim Camping „La Jungla“ ein. Wie sich herausstellte, lud der See nicht zum baden ein und schon bald hatten wir genug von der tropischen Hitze. Wir waren froh, als wir am kommenden Morgen wieder in Richtung Hochland unterwegs waren und kühlere Nächte erwarten konnten. Nach einem langen Fahrtag erreichten wir die Stadt Puebla. Im Nachbarort Cholula fanden wir einen schönen Platz zum Übernachten. In den kleinen Städtchen besichtigten wir einige der 45 Kirchen! Weiter gab es eine riesige mit Gras überwucherte Pyramide zu besichtigen. Bei der Ankunft der Spanier war die Pyramide schon mit Gras überwuchert und um die Überlegenheit ihres Gottes zu demonstrieren, errichteten die Spanier eine Kirche auf dem riesigen Bauwerk. Von der Kirche „Nuestra Senora de los Remidos“ hat man einen schönen Ausblick auf den rauchenden Vulkan Popoccatepetl (5452m), den Iztaccihuatl (5230m) und auf die Stadt Puebla und Cholula. 

Zum Mittagessen gönnten wir uns wieder einmal Tacos und Quesadillas. Selber Kochen in Mexiko lohnt sich praktisch nicht, da man eigentlich überall eine Mahlzeit für umgerechnet 2-3 US$ bekommt. Die mexikanische Küche erlebten wir als sehr abwechslungsreich und vielseitig. Aber die Grundlage von fast jedem Gericht ist Mais. Aus diesem werden nicht nur die allgegenwärtigen Tortillas (Maisfladen) gemacht, sondern auch Suppen, Süssspeisen und Getränke. Weiter dürfen natürlich auf einem richtigen mexikanischen Teller die schwarzen Bohnen in Form von Bohnenmus nicht fehlen. Zu Flavios Freude und Nathys leid ist praktisch jedes Gericht mittel bis sehr scharf gewürzt. 

Nachdem wir zurück auf unserem Campingplatz waren stellte Flavio bei der Kontrolle des Fahrzeugs fest, dass die Innenseite der Hinteren Trommelbremse voller Bremsflüssigkeit war. Wir vermuteten, dass der Bremszylinder undicht war und dies bestätigte uns die Mercedes-Werkstatt in Puebla. Leider waren die Teile in Mexiko nicht zu bekommen und bei Mercedes hätte die Beschaffung der Teile 3-4 Wochen gedauert. So entschieden wir uns die Teile in der Schweiz über einen Automechaniker Freund zu Bestellen (Dankä Svenu) und ein Freund von uns brachte uns die Ersatzteile mit an die Hochzeit nach Buenos Aires. Die Mercedes-Werkstatt konnte unser Fahrzeug nicht am selben Tag in einen fahrbaren Zustand bringen und so verbrachten wir eine Nacht in einem günstigen Hotel im historischen Zentrum der schönen Stadt Puebla. Wir genossen es mitten in der Stadt zu wohnen. Durch die schönen Gassen zu flanieren und die Kathedrale zu besichtigen. Flavio stattete sich noch mit einem schönen Anzug für die bevorstehende Hochzeit in Argentinien aus. Nathy hatte schon in Kolumbien ein schönes Kleid gefunden. Dies alles ist für uns hier locker bezahlbar, da das Preisniveau wirklich sehr tief ist und somit ist es eine Freude einzukaufen.

Am Rande der Altstadt besuchten wir das Eisenbahnmuseum, welches uns mit vielen alten Lokomotiven und Wagen begeisterte aber auch nachdenklich stimmte. Wie wir es nun schon in vielen Lateinamerikanischen Ländern erlebt hatten, gab es im vergangenen Jahrhundert auch in Mexiko eine funktionierende Eisenbahn und ein Schienennetz welches mehr als 20`000 Kilometer umfasste. Aber dieses effiziente Transportmittel wurde wie überall auf dem amerikanischen Doppelkontinenten von den Europäern gebaut und unterhalten und sobald die Kolonialmächte abzogen war es dem Untergang geweiht. Weiter hat sicher auch die sehr starke Ölindustrie in allen Süd- und Nordamerikanischen Ländern kein Interesse an einem funktionierenden Eisenbahnnetz. Beim Anblick der wunderschönen Stahlkolosse und der komfortablen Bahnwagen, reisen wir in unserer Fantasie mit der „Ferrocarril de Baja California“ durch die Wüstenlandschaft der riesigen Halbinsel.

Puebla ist nicht nur eine geschichtsträchtige Stadt sondern auch ein Industriezentrum. Aus dem Volkswagen-Werk, mit rund 16`000 Angestellten, rollte im Jahre 2003 der letzte VW-Käfer in klassischer Bauart. Der Käfer ist auch heute noch häufig auf Mexikos Strassen zu sehen und wir von den Mexikanern liebevoll „El Vocho“ genannt. Wir haben bei Volkswagen per E-Mail für eine Besichtigung des Werkes angefragt und prompt standen wir schon am nächsten Morgen am Tor zum riesigen Areal. Leider mussten wir vor der Besichtigung Kameras abgeben und somit gibt es keine Fotos von der interessanten Tour. Wir besichtigten die gesamte Produktion einen VW Golf. Vom Stanzen der Karosserieteile, über die Motorenproduktion bis zur Endmontage und Erprobung. Wir waren beeindruckt wie schnell alle Vorgänge ausgeführt werden und wie viele Industrieroboter 24h pro Tag ununterbrochen Arbeiten. Aber auch bei so einen hohen Automatisierungsgrad gibt es immer noch Arbeiten die der Mensch besser kann. Daher gibt es im VW Werk viele Fliessbandjobs welche in 3 Schichten pro Tag besetzt sind. Wegen der günstigen Lohnkosten produzieren viele Autohersteller in Mexiko. In Puebla werden der Golf, der Jetta und der New Beetle und ab nächstem Jahr sogar der Tiguan gefertigt. Pro Tag laufen 1800-1900 neue Autos vom Band und werden auf dem privaten Schienennetz per Bahn nach Veracruz transportiert und von dort in die ganze Welt verschifft.

Am Nachmittag konnten wir unseren Bus wieder abholen, da aber der Bremszylinder immer noch Flüssigkeit verlierte war es uns zu gefährlich, die knapp 150 Kilometer bis nach Mexiko City zu fahren. So steuerten wir wieder den Campingplatz in Cholula an und erkundigten uns ob wir unser Fahrzeug für eine Woche abstellen dürften. Am kommenden Morgen sassen wir Vollgepackt im Bus nach Mexiko City und unser Fahrzeug war sicher auf dem Campingplatz abgestellt. Je näher wir der 25 Millionen Metropole kamen, verdichtete sich der Verkehr und das endlose Häusermeer schien nicht enden zu wollen. Bald erreichten wir den Busbahnhof und von dort ging es mit dem Taxi weiter bis zum Hotel, welches mitten im Altstadtzentrum gelegen war. Wir genossen den Stadtkern von Mexiko City zu erkunden und das rege Leben auf den Strassen zu beobachten. Am kommenden Morgen konnten wir auf dem Zocalo vor dem Regierungsgebäude sogar den Fahnenaufzug mit einem Aufmarsch von über 200 Soldaten beobachten. Der Nationalstolz ist in ganz Mexiko sehr gross und vielerorts wird die mexikanische Flagge jeden Morgen von der Polizei oder dem Militär, begleitet von Marschmusik, gehisst. Allgemein ist die Polizeipräsenz in Mexiko City sehr gross und im Stadtzentrum konnten wir uns sogar bei Dunkelheit sicher bewegen. Das beste Transportmittel in der Stadt mit verstopften Strassen ist die Metro. Sehr effizient, verlässlich und billig ist die Benutzung eines der grössten Metronetze der Welt.

Einen schönen Überblick über das Häusermeer verschafften wir uns vom 180 Meter hohen „Torre Latinoamericana“. Bis zum Horizont sahen wir nur Häuser und auch die Hänge der umliegenden Hügel sind bebaut. 

Atemberaubender Ausblick über Mexico-City
Atemberaubender Ausblick über Mexico-City

Eine solche Stadt ist nur schwer zu begreifen und das Leben läuft eher chaotisch als geordnet ab. Die Stadt hat in drei Problembereichen zu kämpfen: Wasserknappheit, Bevölkerungszuzug und Luftverschmutzung. Für die fünf Millionen Autos gibt es eine „Hoy no circula“ Regelung, das heisst, das an bestimmten Tagen alle Autos mit einer bestimmten Endziffer auf dem Nummernschild, im Grossraum Mexiko, nicht fahren dürfen. Dadurch konnte die Luftqualität ein bisschen verbessert werden, doch die Schwerindustrie und die alten Stadtbusse verpesten die Luft jeden Tag.

25 Millionen Menschen brauchen auch eine Menge Wasser und dies bekommt die Stadt zu spüren, denn Mexiko City ist die einzige Millionenstadt der Welt ohne Fluss. Der Grundwasserspiegel fällt jährlich und lässt dadurch einige Gebäude in der Innenstadt um mehrere Meter absinken, dies konnten wir auf unseren Spaziergängen sehen. Alles in allem ist Mexiko City eine sehr interessante und vielseitige Stadt und wir genossen den Besuch. Aber nach zwei Stadttagen hatten wir genug und waren froh, als wir Richtung Flughafen unterwegs waren. Es sollte ja nicht gerade aufs Land gehen, doch in eine etwas kleinere Stadt, nämlich nach Buenos Aires in Argentinien. Kurz vor dem Boarding wurde uns mitgeteilt, dass bei unserem Flugzeug ein technisches Problem vorliegt und der Flug ausfällt. Dann war ende der Ruhe und wir mussten unsere Flüge umbuchen, unser Gepäck holen und wieder aufgeben und schlussendlich neun lange Stunden am Flughafen warten. Als wir nach über 24 Stunden endlich in Buenos Aires ankamen konnten wir die Augen vor Müdigkeit fast nicht mehr offen halten. Wir waren froh als wir unsere Wohnung, welche wir über AirBnB gebucht hatten, beziehen konnten. Die Freude war gross als wir nach nun fast 18 Monaten einige unserer Freunde wiedersahen und es gab natürlich viel zu hören und zu erzählen. Das eigentlich Event unserer Reise war die Hochzeit unserer Freunde Cata & Luke. Am Freitag am Abend begann die Zeremonie in der Kirche und dann ging es weiter auf eine Finca ausserhalb der Hauptstadt. Die ganze Nacht wurde gegessen und getanzt! Wir machten uns erst bei Morgengrauen auf den Nachhauseweg. Danke Cata & Luke für das unvergessliche Fest! 

Nach diesem super Fest flogen wir über Lima und San Salvador wieder zurück nach Mexiko City. Dank unserem Freund David hatten wir nun unsere dringend benötigten Bremszylinder im Gepäck und schon am nächsten Tag wurden diese bei Mercedes in Puebla montiert. (Danke Dave) Aber wie es in Lateinamerika so ist, wird ein Problem gelöst, da entsteht schon das nächste. Als wir unseren Bus abholten, stellten wir fest, dass einer der Doppelreifen einen Platten hatte. Als wir den Mechaniker darauf ansprachen, meinte er nur: „ Wir haben kein Flickzeug in der Werkstatt, versucht es doch bei der nächsten Tankstelle“! Genervt fuhren wir zur naheliegenden Tankstelle und dort hatte es wirklich eine „Gomeria“, welche Reifen repariert. Der nette Herr demontierte unsere Räder und es stellte sich raus, dass nur ein Ventileinsatz defekt war. Flavio überprüfte bei dieser Gelegenheit noch gerade die Arbeit der Mercedes-Werkstatt und stellte fest, dass an den Trommelbremsen einige Plastikstopfen und Gummiabdeckungen fehlten. Also fuhren wir zurück zu Mercedes und machten uns auf die Suche nach den Teilen. Bei der ersten Suchaktion fanden die Mechaniker leider nicht alle fehlenden Abdeckungen. Nachdem wir ihnen mitgeteilt hatten, dass wir nicht vom Platz fahren bis wir alle fehlenden Teile wieder an unserem Fahrzeug hatten, kamen sogar die anderen Plastikteile zum Vorschein! Diese „schludrige“ Arbeitsweise der Latinos treibt uns manchmal wirklich zum Wahnsinn! 

Genervt fuhren wir vom Platz und steuerten noch am gleichen Tag mit funktionierenden Bremsen die Pyramiden von Teotihuacan an. Frühmorgens besuchten wir die Sonnen – und Mondpyramide noch ganz ohne Touristen. Die riesige und gut erhaltene Tempelanlage umfasst einen 2 Kilometer lange Hauptachse und ist 4 Quadratkilometer gross. Bei der Besteigung der 70 Meter hohen Sonnenpyramide kamen wir richtig ausser Atem, doch der grandiose Rundblick entschädigte für die Strapazen. Als die Touristenbusse anreisten, sassen wir schon wieder am Steuer und nahmen Kurs auf Silberstadt Guanajuato. Die Stadt war einst wegen ihres reichen Silbervorkommens eine der grössten Städte der südlichen Hemisphäre. Heute gehört die Stadt wegen ihrer schönen Architektur und der engen und verwinkelten Gassen zum Weltkulturerbe. Wir schlenderten durch die Gassen und waren beeindruckt wie der Verkehr durch alten unterirdischen Tunnels unter der Stadt durchgeleitet wurde. 

Unser nächstes Ziel hiess „Tequila“! Die Kleinstadt Tequila befindet sich im Bundestaat Jalisco und mitten im Anbaugebiet der blauen Agave, aus der schlussendlich der weltbekannte Schnaps hergestellt wird. Wir liessen es uns nicht entgehen, an einer Führung durch die Brennerei „Jose Cuervo“ zu machen. Als einzige Gringos ging es mit der Gruppe durch die Gebäude der Brennerei. Wir lernten, dass Tequila aus dem Herzen der blauen Agave gewonnen wird. Diese Agavenherzen brauchen bis sie Erntereif sind etwa 8 Jahre und wiegen dann um die 50-80 Kilogramm. Noch heute werden die Agavenblätter von Hand mit Werkzeugen entfernt und nicht maschinell. Neben den Öfen, wo die Agevenherzen mit Dampf gekocht werden, besichtigten wir den Keller mit sehr alten Tequilasorten. Schon während dem Rundgang konnten wir diverse Stadien der Tequilaproduktion probieren und zum Schluss machten wir die Probe dreier verschiedener Tequilas. Nach gut zwei Stunden und mit einigem Alkohol im Blut wussten wir alles Wichtige über die Tequilaproduktion.

Leider durften wir nicht auf dem Firmenparkplatz übernachten und somit nahmen wir wohl oder übel noch einige Kilometer bis zur nächsten 24h Tankstelle unter die Räder.

Am kommenden Morgen legten wir noch die restlichen Kilometer bis zur Pazifikküste im Bundesstaat Sinaloa zurück. Als wir die Stadt Mazatlan erreichten steuerten wir gerade den Fährhafen an, da wir die nächste Fähre auf die Halbinsel Baja California buchen wollten. Wie sich herausstellte, sollte noch am gleichen Tag um 17 Uhr eine Fähre auslaufen. Aber zuerst mussten etwa 40 Sattelschlepper in den Bauch des Schiffes und zuletzt konnten Privatfahrzeuge an Bord. Wir bekamen ein Platz auf dem Oberdeck zugewiesen und konnten bei der 16 stündigen Überfahrt sogar in unserem Bus übernachten. Ausgeschlafen legten wir im türkisblauen Wasser in der Bucht von La Paz am Südzipfel von Baja California an.

Auf der TMC Fähre von Mazatlan nach La Paz
Auf der TMC Fähre von Mazatlan nach La Paz

Nach einer ausführlichen Drogenkontrolle mit Spürhund konnten wir das Hafengelände verlassen und fuhren in de Stadt La Paz. Wir steuerten den nächsten Walmart an um uns mit Lebensmitteln für die nächsten Tage einzudecken, da wir an einen abgelegenen Kitesurfstrand im Süden der Halbinsel fahren wollten. Über eine schnurgerade, von Kakteen gesäumten, Strasse erreichten wir nach gut einer Stunde Fahrt die traumhafte Bucht von La Ventana. Schon von weitem sahen wir die farbigen Drachen in der Luft und wir wussten, dass es guten Wind hat. Aufgeregt steuerten wir einen Campingplatz direkt am Strand an und mussten feststellen, das unser Campingbus zu den kleinsten seiner Artgenossen gehörte. Neben uns standen viele US-Amerikanische Riesenwohnwagen und riesige Pick-ups. Da bekamen wir mit unserem, für die Schweizer Verhältnisse, riesigen 3.0 Liter Dieselmotörchen Minderwertigkeitskomplexe! Und mit dem schönen V8 Sound konnten wir auch nicht mithalten.

Die meisten Kitefreaks kamen aus den Vereinigten Staaten und verbringen jedes Jahr den ganzen Winter hier am Strand in ihren Wohnwagen. Ein schönes Leben!

Wir kamen schnell mit den gesprächigen Amerikanern in Kontakt und schon bald genossen wir den Wind auf dem türkisblauen Wasser. Die Bucht von La Ventana ist wahrscheinlich der schönste Kitespot an dem wir je waren. Am Morgen gingen wir meist ein bisschen Schnorcheln und ab Mittag kam Wind auf und wir konnten die Kites starten. Wir genossen die wunderschönen Tage auf dem Wasser und am Abend schliefen wir unter dem grandiosen Sternenzelt zufrieden ein.

Am vierten Tag setzte leider der Wind aus und so beschlossen wir ein bisschen nach Norden zu fahren. Es gibt eine Strasse die, die Mex 1, welche die 1700 Kilometer lange Halbinsel komplett durchzieht. Auf dieser schmalen Asphaltstrasse fuhren wir stundenlang Nordwärts durch verschiedene Wüstenlandschaften mit nur sehr wenig Verkehr. Einzig schöne Kakteen, Wildvieh oder Militär Checkpoints bewegten uns zum anhalten. Von Letzterem hat es diverse entlang der Mex 1 und meist mussten wir anhalten und aussteigen, da die Soldaten unser Fahrzeug sehen wollten. Meist kam ein Soldat unbeholfen in unseren Bus und dann wollte er diverse Schränke sehen. Bei einer Kontrolle hat ein junger Soldat unser Schachspiel entdeckt und er wollte auf der Stelle mit uns Schachspielen...

Meist ist den Soldaten langweilig und sie sind froh um ein bisschen Unterhaltung und Abwechslung. Und diese bringen wir ihnen! Die Fahrerei war auf Baja California keinesfalls langweilig, die Wüstenlandschaften änderten immer wieder und die Strasse wechselt vom Golf von Kalifornien zur Pazifikküste und wieder zurück. Die Strände im Golf von Kalifornien sind meist wunderschön und das Wasser ist meist Spiegelglatt. Wir fuhren bis in die Bahia Concepcion und übernachteten an einem schönen Strand. Auch hier trafen wir noch die letzten Snowbirds. So werden die meist amerikanischen Überwinterer genannt. Viele haben ein riesiges Wohnmobil oder einen grossen Wohnwagen, natürlich darf dann das Boot, der Jetski und der Quad nicht fehlen.

Die nächste Etappe brachte uns bis in den Norden der Baja California an einen wilden Pazifikstrand. Nun sitzen wir bei einem kühlen Bier und schauen auf den weiten Pazifik und sind uns bewusst, dass unsere Tage in Lateinamerika gezählt sind. Wir stehen nun nach 18 Monaten vor den Toren der westlichen Welt und nur noch 300 Kilometer trennen uns von der Grenze zur USA. Es fällt uns nicht leicht, den spanischsprachigen und lateinamerikanischen Raum zu verlassen. Wir haben diese Länder wortwörtlich erfahren und damit lieben gelernt. Bald reisen wir in einer viel moderneren Welt weiter, dessen Kultur wir schon hier im Norden der Baja am Rande zu spüren bekommen. Einiges ist schon in Englisch angeschrieben, auf den Strassen verkehren richtige Monster von Pick-Ups und viele haben US-amerikanische Nummernschilder. Denn viele Amerikaner kommen nach Baja California um hier günstig einzukaufen oder den Winter hier zu verbringen. Wir sind sehr gespannt was uns in den USA erwartet!

Wir wünschen allen zu Hause einen schönen Frühling und das nächste Mal melden wir uns aus den USA!

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Kommentare: 5
  • #1

    romy_mathys52@hotmail.com (Donnerstag, 28 April 2016 07:58)

    Hoi zäme.Super Bericht! Schöne,beeindruckende Bilder.Von warmen Temperaturen können wir nur träumen! Hatten am 25.April kälter als im Dezember letzten Jahres....brrrrrr! Im Bündnerland fürchten die Winzer,dass die Traubenernte erfroren sei.Sie propierten letzte Nacht mit Kerzen und Feuer die frostigen Temperaturen zu mildern.Wein von Malans dürfte noch rarer werden.In der Hoffnung auf Frühlingstemperaturen grüsse ich euch ganz herzlich aus der frostigen Ostschweiz

  • #2

    Walter (Sonntag, 01 Mai 2016 15:59)

    Hola Nathalie und Flavio
    Ja, da habt ihr Mexiko im Schnellzugtempo durchquert und trotzdem viele Eindrücke und Erlebnisse mitnehmen dürfen. Habt ihr auch die Lebensfreude der Mexikaner erlebt? Musik und Tanz; die Volksmusiker spielen und singen gehört? Mariachi, Rancheras, Norteñas etc. Habt ihr die Cenotes besucht die zum baden einladen oder die Kilometerlangen weissen Sandstrände an der Karibikküste "der Riviera Maya" mit dem türkisfarbenem Wasser; Vor ein paar Jahren wurde die Kitesurfing WM in Playa del Carmen abgehalten. Kennt ihr das Ceviche de camarones? Auch ich bin fasziniert von der Vielseitigkeit Mexikos, der verschiedenen Kulturen, den Völkergruppen wie Maya, Azteken, Tholteken, den Lakadonen in den Regenwäldern, den Indianern in den Bergen etc. Yo voi regresar en mi pais favorito por fin del año.

    Saludos y buen viaje.......

  • #3

    Bernardo (Dienstag, 03 Mai 2016 16:17)

    Hola amigos,
    Pienso que vosotros han atravesado demasiado rápidamente los países de América central. Sin embargo vuestro reportaje así que las fotos son muy interesantes, me gustó mucho. Desde ahora no voy a decirles buen viaje pero “have a nice trip”.
    Ich bin gespannt was ihr über die USA zu berichten habt, bei mir liegt es schon einige zurück, 1969, damals war der Dollar 4.31 Franken wert.
    Have a lucky voyage of discovery!
    Bernardo

  • #4

    Camping Trips Baja Mexico (Donnerstag, 24 November 2016 07:51)

    Wow, cool post. I’d like to write like this too – taking time and real hard work to make a great article… but I put things off too much and never seem to get started.

  • #5

    sabakhan695 niche relevant (Mittwoch, 01 März 2017 17:48)

    ella fue mi profesora de kinder! por tres años consecuticvos ! me costó pasar un montón debido a mi cosquilleo.