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Flathy

Wir waren 22 Monate unterwegs und sind nun wieder zu Hause in der Schweiz!

Von Südbrasilien ins schöne Paraguay mit Wartungsarbeiten

20.10.2015 – 08.11.2015: Cumbuco – Fortaleza – Florianopolis – Blumenau – Foz do Iguazu – Ciudad del Este – Altos – Asuncion [Route]

Von auf dem Wasser ins Wasser! Nach den wunderschön windigen und warmen Kitesurftagen in Cumbuco hiess es wieder Abschied nehmen von unserem schönen Strandhaus und den vielen Annehmlichkeiten wie Pool und Grill. Mit einem grossen Pick-up Taxi ging es an den Flughafen in Fortaleza. Schon bald standen wir am Schalter und o Schreck es stellte sich heraus, dass bei der Flugbuchung etwas nicht geklappt hatte. Mit allem Gepäck und ohne Flugtickets standen wir am Flughafen und wollten uns schnellstmöglich Tickets besorgen. 

Die nette Señorita am Schalter offerierte uns ein Ticket, dass leider doppelt so teuer wie das reservierte Ticket war. So mussten wir in den sauren Apfel beissen, um wieder in das regnerische Florianopolis zu kommen. Nach zwei Zwischenstopps und knapp 10 Stunden Reisezeit, im selben Land, kamen wir um Mitternacht in Florianopolis todmüde an. Wir übernachteten gerade auf dem bewachten Flughafenparkplatz und am Morgen weckten uns Regentropfen und starke Gewitter. Bei diesem Regenwetter machten wir uns auf in die Stadt um neue Reifen für unseren Bus zu kaufen. Schon bald wurden wir bei einem Reifenhändler fündig und kurzum stand der Bus auf sechs neuen Reifen. Doch bei der Rad Montage fehlte eine der konischen Scheiben, welche das Rad in seiner Position halten. Nun ging die Suche los und nach einer halben Stunde fand einer der Mechaniker die Scheibe unter einem Autolift. Dies zeigt wieder mal auf wie auch hier gearbeitet wird, es wird alles sehr schnell gemacht und wenn am Schluss keine Mutter fehlt ist dies noch ein Glück. So neu bereift machten wir uns auf in Richtung Blumenau. Wie es der Name schon vermuten lässt, wurde dieses Städtchen 1850 von deutschen Einwanderern gegründet. Jedes Jahr findet hier ein grosses Oktoberfest statt. Da wir es genau auf diesem Monat getroffen haben, wollten wir uns Bier und Brezel nicht entgehen lassen. Nach kurzer Suche standen wir auf einem Hinterhof Camping mitten in der Stadt, doch wegen Hochwasseralarm konnten wir nicht dort Übernachten. Es wurde uns sogar geraten die Stadt noch am Abend zu verlassen, da ein grosser Anstieg des Wasser prognostiziert wurde. Deswegen fiel unser Besuch am Oktoberfest nur kurz aus und wir genossen nur wenige, der nach deutscher Brauweise gebrauten Biere. Nach einem Herzhaften Essen legten wir noch einige Kilometer zurück und übernachteten auf an einer Tankstelle.

Am kommenden Tag ging es weiter in Richtung Foz do Iguazu, doch schon nach 100 Kilometer gab es kein Vorankommen mehr. Die Dörfer entlang der Strasse waren überschwemmt und an den tiefsten Stellen betrug der Wasserstand auf der Strasse, über einem halben Meter. Wir machten kurz Halt und beobachteten die Mutigen,

die mit ihren Fahrzeugen gleichwohl weiterfuhren. Die Polizei teilte uns mit, dass es noch mehrere Überschwemmte Brücken auf unserer geplanten Route habe und so machten wir kehrt und fuhren eine Alternativstrecke, welche aber über 200 Kilometer Umweg mit sich brachte. Im Konvoi mit Pascal und Annina ging es über gut ausgebaute Asphaltstrassen in Richtung Westen.

Nach zwei Fahrtagen und gut 1200 Kilometern kamen wir in Foz do Iguazu an. Am Abend genossen wir noch das letzte mal die beliebten und schmackhaften Caipirinhas bevor wir am nächsten Morgen in Ciudad del Este die Grenze zu Paraguay überquerten. Die Formalitäten waren schnell erledigt, bis auf die temporäre Einfuhr des Fahrzeugs. Der Beamte, welcher die Papiere ausfüllte, konnte kaum schreiben und hatte grosse Mühe die Daten vom Fahrzeugausweis auf das Formular zu übertragen. Doch auch dies war nach gut einer halben Stunde erledigt und beide Fahrzeuge waren eingeführt. 

Paraguay macht auf uns einen modernen Eindruck, überall gibt es gut ausgebaute Tankstellen, Supermärkte und Geldautomaten. Auffallend sind die vielen Mercedes, welche wir auf der Strasse sehen, die Paraguayer scheinen die Marke mit dem Stern zu lieben. Aber ebenso verkehren auf den Strassen auch noch Pferdekarren und alte Amerikaner. Die Paraguayer lernen wir als sehr aufgestelltes und aufgeschlossenes Volk kennen. Doch nicht alle sind so nett zu uns und so kommt es, dass wir bei einer Polizeikontrolle angehalten werden und die Papiere zeigen müssen. Soweit so gut, doch dann bemängelt der dicke Polizeibeamte, dass die Zusatzscheinwerfer vom Feuerwehr-Mercedes nicht abgedeckt sind. Der Beamte zeigt uns einen Gesetzesauszug und will schon einen Strafzettel ausstellen. Freundlich wiesen wir in daraufhin, dass wir erst seit einer Stunde in Paraguay waren und dass wir keine Ahnung von diesen Vorschriften hatten. So kam er uns entgegen und schon bald überreichte Pascal ihm den gefalteten Fahrzeugausweis bestückt mit einem kleinen Geldschein. Nun mussten vor Ort noch die Zusatzscheinwerfer abgeklebt werden und weiter ging die Fahrt. Am Nachmittag erreichten wir „Nudelhausen“, den Campo von René und Marion in Altos (www.hastalapasta.jimdo.com). Pascal und Annina hatten geplant hier ihr Spanisch zu verbessern und wir wollten die Hauptstadt anschauen und einige Reparaturen am Bus vornehmen.

Wir fühlten uns von Beginn an sehr wohl bei unseren netten Gastgebern und ihren vier Hunden. Das weitläufige Grundstück ist mit vielen Bäumen bewachsen. Unzählige Vogelarten tummeln sich hier und am Abend sahen wir ab und zu grosse Kröten. Leider hatten wir auch hier ein bisschen Wetterpech und es regnete sehr häufig, so dass wir den grossen Pool nicht häufig benutzen konnten. Das Wetterphänomen „El Niño“ lässt grüssen! Gleichwohl geniessen wir in den Sonnigen Stunden die super Aussicht auf den Lago Ypacarai und natürlich die selbstgemachten Nudeln von René und Marion. Die zwei Auswanderer vermieten schöne Bungalows auf ihrem Campo, haben mehrere Wohnmobilstellplätze und stellen selber Pasta her. Marion ist eine vorzügliche Köchin und wir geniessen feine Gerichte aus ihrer Küche! Unsere Gastgeber zeigten uns auch die Umgebung und mit René besuchten wir in Atyra das Klosterhotel Marianela, welches seit dem Jahr 2003 mittelalterliche Architektur und paraguayisches Handwerk in spezieller Weise verbindet. Der ganze Bau ist sehr beeindruckend und in den Mauern herrscht ein spezieller Geist. Nach diesem schönen Ausflug, kehrten wir zurück aufs Grundstück von Marion und René namens "Nudelhausen". „Nudelhausen“ ist wirklich ein Tipp für Leute die sich gerne mal Paraguay anschauen möchten!

 

Klosterhotel Marialena - wie im Mittelalter gebaut
Klosterhotel Marialena - wie im Mittelalter gebaut

Samstags besuchten wir den von vielen Auswanderern besuchte Markt in San Bernardino am Lago Ypacarai. Dort gibt es alles zu kaufen, was Deutsche oder Schweizer aus ihren Heimatländern vermissen könnten. Von gutem Tilsiter Käse über Nutella bis hin zu Vollkornbrot und Bratwürste. Wir fanden den Markt interessant, aber auch ein bisschen befremdlich, wenn man in seiner Wahlheimat alles wie zu Hause haben will. Die Region um San Bernardino gilt als Auswanderer-Hochburg, sehr viele Schweizer und Deutsche haben sich hier Niedergelassen. Viele sicherlich wegen dem tropisch warmen Klima, aber auch wegen der laschen Gesetzgebungen und der daraus resultierenden Freiheiten. 

Weiter machten wir noch einen Spaziergang an den Lago Ypacarai, leider ist es nicht ratsam im See zu baden, da das Wasser seit einigen Jahren von den Abwässern sehr stark verschmutzt ist. Nach einem gemütlichen Wochenende stand für uns ein Werkstattbesuch in Asuncion an.

Da wir seit einiger Zeit ein öfters auftretendes Ruckeln in den unteren Gängen hatten, statteten wir in Asuncion dem Fabrikanten der Einspritzpumpe einen Besuch ab. Der aufmerksame Mechaniker bei Bosch bestätigte unsere Vermutung, dass das Ruckeln von der Einspritzpumpe kam. So wurde uns von Bosch angeboten, die Einspritzpumpe und die Einspritzdüsen zu revidieren. Schon bald wurde mit der Arbeit begonnen und wir erkundeten die Altstadt von Asuncion. Wirklich viel hat die Hauptstadt nicht zu bieten und nach einem Tag hatten wir das Gefühl, genug gesehen zu haben. So ging es zurück in die Werkstatt, wo wir auch die Nacht im Bus verbrachten, da die Revision noch nicht abgeschlossen war. Nach zwei Tagen Arbeit war die ganze Dieseleinspritzung wieder revidiert und der Motor schnurrte zufrieden vor sich hin.

Weiter ging es für uns gerade zur benachbarten Mercedes Werkstatt, wo wir unser Fahrzeug kurz von einem Mechaniker begutachten lassen wollten. Wir wurden sehr nett bei Mercedes aufgenommen und durften sogar im Innenhof „Hotel Mercedes“ übernachten. Von den Mitarbeitern wurden wir zu paraguayischer Parilla „Grillen“ eingeladen. Für etwa 15 Personen gab es etwa 10 Kilo Fleisch und Würste. Flavio als Gast musste natürlich super viel Fleisch essen, so dass ihm der Appetit auf Fleisch für die nächsten Wochen vergangen war. Am darauffolgenden Tag zeigte sich nach der Demontage der Kupplung, dass diese zu wechseln ist, sowie auch die hinteren Stossdämpfer und einige Kleinteile. Dies wäre ja alles kein Problem, doch wie erwartet, gibt es diese Ersatzteile nicht in Paraguay und sie mussten über Mercedes, aus Deutschland bestellt werden. Dies hatte zur Folge, dass wir sicherlich 15-20 Tage auf die Teile warten mussten. Wir wollten in diese Zeit den Nordteil Paraguays erkunden, doch es kam alles anders als erwartet. Als die Kupplung und das Getriebe wieder montiert waren, konnten wir endlich unser Fahrzeug wieder entgegennehmen und freuten uns auf die Fahrt nach "Nudelhausen". Doch nach nicht einmal einem Kilometer hatten wir keinen Vortrieb mehr, in keinem der 5 Gänge ging es vorwärts.

Zurück in der Werkstatt gingen wir mit den Mechanikern los um nach dem Problem zu sehen. Da vor Ort nicht zu machen war, wurde der Bus in die Werkstatt geschleppt. Wir gingen davon aus, dass etwas nicht richtig montiert wurde, doch schon bald sollten wir erfahren, dass es grössere Probleme mit dem Getriebe gibt. Das Getriebe funktionierte nicht mehr richtig. Das ganze Getriebe wurde auseinandergebaut und es zeigte sich, dass eine Innenverzahnung eines Zahnrades gebrochen war. Nun musste nach einer Lösung gesucht werden um dies zu reparieren. Deshalb sassen wir mit unserem Auto, in der Mercedes Werkstatt fest und konnten nicht weiter fahren. Mit den Mechanikern zusammen suchten wir eine Lösung und das Teil wurde in eine Motorenwerkstatt gebracht, also konnten wir nicht anders als warten. Jetzt hiess es, nur den Kopf nicht hängen lassen! Wir verbrachten noch eine Nacht im „Hotel Mercedes“ und wurden am nächsten Tag von René und Marion zufälligerweise abgeholt. Netterweise konnten wir ein freies Haus auf ihrem Grundstück beziehen und hatten so einen gemütlichen Unterschlupf, in dieser ungemütlichen Situation, bekommen. Von einer Getriebewerkstatt in Deutschland bekamen wir einen Tipp um das Getriebe zu repariere, da dieser Schaden ein bekanntes Problem dieser Getriebebaureihe sei. Schnell fertigte Flavio eine Zeichnung an und sendete diese per WhatsApp an den Verantwortlichen in der Werkstatt. So blieb uns nichts anderes Übrig als weiter zu warten zu hoffen, dass die Mechaniker sauber arbeiteten.

In der Zwischenzeit versuchen wir ein bisschen zu Entspannen und nicht an unsere Getriebeprobleme zu denken. Wir helfen René und Marion Kleinichkeiten auf dem Campo zu erledigen und geniessen das grosse Haus, dass sie uns zur Verfügung stellen. Am Montag geht es wieder in die Werkstatt um mit den Mechanikern das Getriebe wieder zusammenzubauen. Pascal und Annina haben täglich Spanischunterricht und am Abend sitzen wir meist zusammen. Nun hoffen wir, dass unser Getriebe wieder funktionsfähig wird und wir unsere Reise bald fortsetzen können.

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Kommentare: 2
  • #1

    hermann Liechti (Freitag, 13 November 2015 12:20)

    Halo Ihr zwei Lieben !
    Ja leider geht es nicht immer so wie man gerne möchte. Wünsche Euch, dass der Merz
    bald wieder für die Weiterreis GUT repariert ist. - So wie im Reisebericht, der übrigens sehr interessant ist, zu lesen war, ist der Wettergott Euch nicht so gut gesinnt.
    (Regen, Hochwasser).- Wir wünschen Euch alles gute und unfallfreies Weiterkommen.
    Auch noch lieben Dank für die zwei Foto- Karten mit den Glückwünschen.
    Mit lieben Grüssen
    Urgr. Hermann und Margrith mit NINA

  • #2

    Flathy (Sonntag, 15 November 2015 17:26)

    Hallo ihr Beiden. Danke für den Kommentar...Der Mercedes ist wieder repariert und momentan verbringen wir ein paar Tage im Chaco! Täglich kanpp 40°C und blauer Himmel. Das Getriebe funktioniert glücklicherweise wieder. Wir werden uns weiterhin Mühe geben um interessante Berichte zu schreiben.
    Liebe Grüsse Flavio und Nathy