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Flathy

Wir waren 22 Monate unterwegs und sind nun wieder zu Hause in der Schweiz!

Vom bolivianischen Regenwald nach Cusco und Machu Picchu

31.07.2015 – 19.08.2015: La Paz – Rurrenabaque – NP Madidi – La Paz - Copacabana – Yunguyo (Bolivien/Peru) – Puno – Islas Uros – Sicuani – Cusco – Pisaq – Moray – Ollantaytambo – Paso Abra Malaga – Santa Theresa – Aguas Calientes – Machu Picchu – Santa Theresa – Cuzco – Puno – Desaguadero – La Paz [Route]

Die letzten Wochen waren von Gegensätzen geprägt, vom Altiplano ging es in die schwül-heisse Hitze des bolivianischen Regenwaldes. Wieder auf dem Altiplano machten wir einen Abstecher nach Peru um Cusco und das sagenumwobene Machu Picchu zu besuchen. Doch nun von vorne...In La Paz verbrachten wir noch einige ruhige Tage und packten unsere Rucksäcke für unsere Urwaldtour im bolivianischen Tiefland. Als es soweit war ging es im Minibus bis in den Stadtteil El Alto, wo sich auch der Nationale und Internationale Flughafen befindet. Einchecken und Gepäck aufgeben war schnell erledigt und so schlugen wir uns mit Kaffeetrinken und Lesen noch ein bisschen Zeit um die Ohren.

Wir waren so vertieft in unsere Lektüren, dass wir die Einstiegszeit verpassten, da auch an den Bildschirmen nichts angeschrieben war. Als schon fast Abflugzeit war, ging Nathy nachfragen und es stellte sich heraus, dass schon alle Passagiere an Bord waren. Also ging es für uns zu Fuss über das Flughafengelände und direkt in das keine Flugzeug. Hinter uns wurden die Türen verschlossen und schon ging es über die lange Startbahn in die Luft. Auch unser kleines Flugzeug brauchte auf über 4000 m.ü.M. eine beachtliche Strecke und Geschwindigkeit um in dieser dünnen Luft abzuheben, denn El Alto ist der höchstgelegene zivile Flughafen der Welt. Als wir endlich in der Luft waren flogen wir über das riesige El Alto und von dort ging es ganz nahe am über 6000 m.ü.M. hohen Huayna Potosi vorbei. Noch ein paar Schneebedeckte Berge der Cordillera Real zeigten sich unter uns und schon bald wechselte die Farben von weiss und braun zu saftigem grün. Unter uns tauchte der grosse Rio Beni auf und nach 40 Minuten Flugzeit landeten wir auf dem Dschungelflughafen Rurrenabaque. Kaum war die Tür geöffnet schlug uns die feuchtwarme Hitze ins Gesicht. Mit dem Bus ging es ins Zentrum wo wir im Hotel Oriental ein Zimmer bezogen und uns dann in die Hängematten im Innenhof legten, denn die Nachmittagshitze machte uns zu schaffen. Gegen Abend kühlte es ein bisschen ab und wir nutzen die Zeit um ein bisschen durchs Städtchen zu schlendern. Das tropische Flair von Rurrenabaque gefiel uns sehr gut und wir nutzen rege die Motorradtaxis die an jeder Ecke stehen. Bei dieser Hitze fahren natürlich alle ohne Helm und nur mit Flip Flops. Überall läuft Musik und das ganze Leben läuft noch ein bisschen langsamer als auf dem Altiplano. Wir genossen diese Entschleunigung und machten es uns in einem kleinen Restaurant gemütlich. Nach einem guten Essen ging es ins Hotel zurück und wir wussten den Deckenventilator zu schätzen.

Am darauffolgenden Morgen fanden wir uns im Büro von Madidi Travel ein und wurden mit Regenponchos und Gummistiefel ausgestattet. Auch machten wir Bekanntschaft mit Stephane und Marco. Zwei Franzosen welche unsere Vierergruppe komplettierten. Bald war alles gepackt und es ging mit einem der Langboote auf dem Rio Beni flussabwärts. Der Rio Beni hat einige untiefen und so musste unser Bootsführer immer sehr vorsichtig und im Zick-Zack fahren. Wir begegneten einigen Fischerbooten und auch Booten welche Tropenholz oder Bananen transportierten. Das erstere wäre nicht erlaubt, doch wer kann diese Riesigen Urwaldgebiete kontrollieren. Nach der vierstündigen Bootsfahrt waren wir froh wieder Land unter die Füsse zu kriegen. Bis zu unseren Cabañas im Urwald ging es noch knapp eine Stunde zu Fuss über einen sumpfigen Weg. Die Cabañas standen Mitten im Urwald und hatten nur Wände aus Mückengitter. Als wir unser Gepäck abgelegt hatten, lernten wir unseren Führer Juan Carlos kennen. Er ist in einer Urwalddorf aufgewachsen und kennt das Gebiet wie seine Westentasche, dies sollten wir auf unseren Wanderungen durch den Wald erfahren. Kurz vor dem Nachtessen machten wir unsere erste Wanderung durch den Urwald, wunderschön überall diese Grün zu sehen und die verschiedenen Düfte zu riechen. An diesem Abend begegneten wir Wildschweinen und ein Tapir begleitete uns auf unserem Streifzug durch den Urwald. In den nächsten Tagen erkundeten wir die Umgebung um das Dschungelcamp. Wir lernten viel über verschiedene Pflanzen und Bäume, beobachteten Affen wie sie von Baum zu Baum sprangen, sahen diverse Ameisenarten und staunten ab den Urwaldriesen, riesige Bäume welche über 1000 Jahre alt sind. Bei der Urwaldlodge, einem Haus mit Wänden aus Moskitonetz und einem Dach aus Palmblätter, fanden wir uns immer zu den Essenszeiten ein. Nicht nur wir hielten uns gerne dort auf, auch diverse freche Äffchen, ein Wildschwein, ein Wasserschwein, zwei Tapire und zwei Aras. All diese Tiere wurden als Waise abgegeben oder gefunden und wurden dort grossgezogen. Sie können frei Leben, doch kehren immer wieder zu der Lodge zurück. Wir genossen es sehr mit den Affen zu spielen und ihnen Bananen zu füttern. Am zweiten Tag ging es mit dem Einbaum früh Morgens auf den See, welcher gerade an der Lodge liegt, um den Sonnenaufgang zu sehen. Viele Fischreiher und Kormorane konnten wir vom Wasser aus sehen und es war wundervoll so leise mit dem Einbaum über das Spiegelglatte Wasser zu gleiten. Doch schon in der Nacht fühlte sich Flavio nicht gut und am Morgen war ihm schlecht, so kam es, dass er nach dem schönen Sonnenaufgang direkt vom Boot ins Wasser erbrechen musste. Buenos Dias, Was für ein Start in den Tag...

Wahrscheinlich war etwas mit dem Essen oder mit dem Trinkwasser nicht in Ordnung. So kam es, dass Nathy und die zwei Franzosen alleine den Urwald erkundeten und Flavio das Bett hütete. Doch auch vom Cabaña kann man schön den Urwald beobachten und immer wieder kommen irgendwelche Tiere vorbei. Am amüsantesten ist es wenn eine Herde Affen durch die Baumwipfel streift und durchs Dach in ein Cabaña einsteigen. Denn am liebsten legen sie sich dann aufs Bett und machen nur Unfug.

Juan Carlos sammelte auf den Wanderungen diverse Kräuter und Rinden und so gab es für Flavio Dschungelmedizin. Wies aussah hat es geholfen und am Abend war Flavio wieder auf den Beinen und bei Einbruch der Dunkelheit ging es mit dem Einbaum auf die Suche nach Kaimanen. Schon bald hatte Juan Carlos zwei leuchtende Augenpaare ausgemacht und wir schlichen uns mit dem Einbaum an. Bis auf knapp einen Meter konnten wir uns dem Kaiman nähern. Sehr eindrücklich, diesen Tieren so nahe zu kommen und man ist wirklich froh im Einbaum zu sitzen. Am Abend ist es ein bisschen kühler, doch die Moskitos sind noch eine grössere Plage als bei Tageslicht. Wir wurden regelrecht von den Moskitos gefressen, trotz Mückenschutzmittel. Im Urwald ist es nie still, auch in den Nächten gibt es überall Geräusche. Diverse Grillen zirpen, Vögel singen, Pumas streifen umher und all dies konnten wir direkt aus dem Bett mithören.

Am darauffolgenden Tag fühlte Nathy sich nicht gut und hatte Magen-Darm Probleme, so dass sie den Urwald aus dem Cabaña beobachten musste. Sie war leider nicht die Einzige, doch andere Gäste waren schon wieder abgereist, so dass wir praktisch alleine waren. Am Nachmittag gingen wir mit Juan Carlos mit dem Einbaum auf den See um zu fischen. Mit grossen Hacken und Rindfleisch als Köder warteten wir auf grosse Pirañas. Kleine Pirañas haben viele gebissen, doch einen richtig grossen konnten wir an diesem Tag nicht fangen. Nach drei Stunden auf dem Wasser war die Geduld aufgebraucht und wir gaben uns mit einem mittleren Exemplar zum Nachtessen zufrieden. Nach drei Nächten und sehr erlebnisreichen Tagen ging es in knapp fünf Stunden mit dem Boot den Rio Beni nach Rurrenabaque hinauf. In diesen fünf Stunden gab es einen einstündigen Platzregen und ein Gewitter, was für eine angenehme Abkühlung sorgte. Nathy fühlte sich immer noch sehr unwohl und hatte Fieber, so war die Bootsfahrt eher eine Tortur. Endlich in Rurrenabaque angekommen gingen wir gerade zum einzigen Doktor im Dorf.Dort angekommen sahen wir schon von weitem unsere zwei französischen Freunde aus unsere Gruppe. Marco war wohlauf und Stephane hatte die gleichen Symptome wie Nathy – Durchfall und hohes Fieber! So kam es, dass beiden eine Infusion verabreicht wurde und sie gerade ein Bett beziehen mussten. Doch diese Betten waren noch gar nicht an der richtigen Stelle, also mussten die schweren Holzbetten erst in den richtigen Raum transportiert werden. Zur Kontrolle wollten sie Nathy und Stephane über Nacht dort behalten um am Morgen Blut- und Stuhlproben zu nehmen. Nach einer tropischen Nacht im stickigen Spitalzimmer wurden endlich die Proben genommen und zur Analyse ins Labor gegeben, wir staunten, dass solche Untersuchungen in so einem abgelegenen Dorf gemacht werden könnten. Nach mehrmaligem Nachfragen bekamen wir die Untersuchungsergebnisse noch vor dem Eindunkeln. Es stellte sich heraus, dass beide eine bakterielle Infektion hatten. Nathy hatte Shingellen und Stephane Salmonellen. Für beide gab es nach diesem Befund gerade eine intravenöse Dosis Antibiotika. Da nun auch Flavio die gleichen Symptome aufwies, haben wir gerade das gleiche Antibiotika in Tablettenform gekauft. Alle waren froh, als sie aus der Klinik raus waren. Wir machten es uns im Hotelzimmer gemütlich und machten unsere Rucksäcke bereit, da wir am nächsten Morgen unseren Flug nach La Paz nicht verpassen wollten. In diesem Zustand waren wir froh, dass wir der schwülen Hitze mit dem Flugzeug entfliehen konnten. Mit einem kleinen Buschflieger ging es mit viel Turbulenzen zurück nach El Alto.

Nach einem ruhigen Tag in La Paz waren wir wieder einigermassen auf den Beinen und beschlossen vor der Regenzeit im Altiplano noch Cusco und Machu Picchu zu besuchen. Zuerst ging es über steile Strassen nach El Alto und um durch El Alto zu kommen brauchten wir gut zwei Stunden und sehr viel Geduld! Vielerorts herrscht ein Chaos und alle fahren egal ob die Ampel auf Grün oder Rot steht. Kurz nach dem wir El Alto durchfahren haben kommt schon die nächste grössere Stadt Juliaca, eine gesichtslose und chaotische Siedlung. Die Häuser sind heruntergekommen, überall liegt Müll herum und die Strassen mit riesigen Schlaglöchern übersät. Noch am gleichen Tag fahren wir entlang der Cordillera Real bis nach Copacabana am Titicacasee. Copacabana war ein wichtiges Zeremonial- und Kulturzentrum, und ist es ein heute wichtiger Wallfahrtsort. Am 5./6. August findet jährlich die grosse Fiesta de la Virgen de Copacabana statt. Wir kamen leider gerade einen Tag danach an, doch das Städtchen war noch voll von Pilgern und Touristen. Im ganzen Städtchen war Markt und am Seeufer wurden Autos und Lastwagen von Priestern gesegnet. Bei der Segnung werden die Autos schön geschmückt, ein paar Gebete gemurmelt, Weihrauch geschwenkt und mit Weihwasser bespritzt...So kann ja nichts mehr schief gehen und die Maschine kann nur gut laufen! Doch unser Bus braucht dies nicht, da er ja schon jetzt super läuft! Wir verfolgten das ganze Spektakel mit Neugierde und suchten uns nach dem ganzen Rummel einen Schlafplatz am Strand ein bisschen ausserhalb. Am nächsten Morgen sollte es bei Yunguyo über die Grenze nach Peru gehen, doch wir bemerkten am Vorabend, dass wir noch gar keine GPS Karte von Peru haben. Also mussten wir noch eine im Internet suchen und herunterladen. Nach langem herumprobieren hat das Navigationsgerät die neue Karte erkannt und nun konnten wir auch in Peru besser navigieren.

Von unserem Schlafplatz aus war es eine kurze Fahrt bis zur Grenzstation Yunguyo. Wegen den Feierlichkeiten in Copacabana hatte es sehr viel Grenzverkehr. Die Ausreise von Bolivien war schnell erledigt, doch bei der Aduana auf der peruanischen Seite ging alles ein bisschen chaotischer. Nathy hatte auf ihrem Einreisezettel Name und Vorname vertauscht, also meinte der unfreundliche Beamte, dass sie alles noch einmal neu schreiben müsse und dann erst wieder an den Schalter kommen könne. Dies machte sie mit hochrotem Kopf im Schnellzugtempo und der Grenzbeamte hatte Glück, dass ihn noch eine Scheibe von Nathy trennte. Bei der temporären Fahrzeugeinfuhr ging es noch chaotischer zu und her, da auch die Peruaner ein Formular für ihr Privatfahrzeug brauchen gab es schon vor dem Büro eine lange Schlange. Wir wollten uns artig hinten anstellen, doch dann wurden wir zwei Gringos nach vorne gerufen und konnten direkt ins Büro, was natürlich für Unmut sorgte und uns auch nicht so recht war. Aber was die rechte Hand des Gesetztes sagt, das befolgen wir natürlich! Ein äusserst gestresster und unfreundlicher Beamter nahm sich unserem Fahrzeug an, immer wieder wurde er durch einreisende Peruaner gestört und wurde gegenüber denen fast handgreiflich. Wir Gringos wurde mit einem Händedruck begrüsst und sogar mit einem Lächeln verabschiedet. Bald waren wir wieder auf der Strasse und wir legten die ersten Kilometer auf peruanischen Strassen zurück. In Peru ist eine Haftpflichtversicherung für das Fahrzeug obligatorisch. Wir konnten an der Grenze keine Versicherung lösen und der Beamter meinte, dass wir dies erst im 130 Kilometer entfernten Puno machen können. Mit möglichst vorsichtiger Fahrweise ging es schnellstmöglich nach Puno, wo wir die Versicherung ohne Probleme abschliessen konnten. Im Versicherungsbüro lernten wir Lorant, Laetita und Naia kennen. Diese französische Familie lebt seit vier Jahren in Französisch Guyana und ist seit knapp einem Jahr in ihrem Renault Master in ganz Südamerika unterwegs. Wir verstanden uns von Beginn an gut und verabredeten uns an der Plaza um dort zu Übernachten. Am Nachmittag machten wir einen Ausflug mit dem Boot zu den schwimmenden Schilfinseln der Uro-Nachfahren. Die Uros lebten auf schwimmenden Inseln ganz aus Schilf, die über ein Ankerseil an ihrem Platz gehalten werden. Heute sind diese Schwimmenden Inseln eher ein Touristenziel und gleichen einem grossen Freiluftmuseum mit echten Menschen. Aber wir genossen die Bootsfahrt und die Besichtigung gleichwohl und kauften den aufdringlichen Kunsthandwerkverkäuferinnen auch einige Artikel ab. Am Abend trafen wir uns mit der französischen Familie an der Plaza und genossen einen gemütlichen Abend mit gehaltvollen Gesprächen.

Nun stand die sagenumwobene Stadt Cusco auf unserem Programm. Nach zwei Fahrtagen durch überaus interessante Landschaften erreichten wir Cusco und bezogen unser Quartier auf dem Camping "Quinta Lala" ein bisschen oberhalb von Cusco. Wir verbrachten drei Tage in dieser schönen, abwechslungsreichen aber auch sehr touristischen Stadt. Wie fast immer suchten wir auch das Autoviertel auf, diesmal nicht um uns nach Ersatzteilen umzusehen, sondern um ein Dreher mit der Herstellung eines Drehteils für unser Dachfenster zu beauftragen. Denn der starke Wind hat uns wieder mal das Dachfenster aus der Verankerung gerissen. Nach dreimaligem nachfragen und den Termin um paar Stunden verschieben, waren unsere Teile endlich Fertig und unsere Geduld aufgebraucht. Die Teile waren schnell verbaut und jetzt funktioniert das Dachfenster wieder einwandfrei. Mit Tickets für Machu Picchu und für andere Ruinen im Valle Sagardo,  ging es für uns als nächstes in das heilige Tal der Inkas, wo wir diverse alte Inkaruinen besichtigten. Uns beeindrucken die uralten Bauwerke aus den riesigen millimetergenau verarbeiteten Steine, die aufwändige Trassenbauweise am Hang und die in Stein gehauenen Brunnen sehr. Weiter besuchten wir die Salineras de Maras, welche in einem Seitental von Urubamba liegen. Dort stapeln sich tausende von gleissend weissen Becken am Berghang. In den Becken wird das stark salzhaltige Thermalwasser aufgefangen und durch die Sonne verdunstet das Wasser und reines Salz bleibt zurück, dies dauert pro Becken etwa einen Monat. Der ganze Arbeitsprozess wird von Familien von Hand ausgeführt, die Frauen und Kinder bauen das Salz ab und die Männer balancieren die schweren Säcke entlang der Salzterrassen den Hang hoch. Praktisch das ganze Dorf Maras lebt von der Salzgewinnung und mehr und mehr sicherlich auch von den Touristen, welche sich die diversen Inkaruinen und die Salineras ansehen.

Normalerweise wird Machu Picchu von Touristen mit dem Zug von Cusco aus besucht. Wir wollten uns die überteuerte Zugfahrt sparen und reisten daher weiter durch das Valle Sagrado bis nach Santa Maria um durch den „Hintereingang“ nach Machu Picchu zu gelangen. Doch um Santa Maria (1250 m.ü.M.) zu erreichen mussten wir zuerst den Pass Abra Malaga 4350 m.ü.M. befahren. Bei Schneeregen schraubten wir uns die engen Serpentinen hoch bis wir schliesslich entspannt in das grün-tropische Urubamba Tal fuhren. Wahnsinnig welche Klimazonen wir auf etwa 150 Kilometer durchfahren haben. Von Santa Maria ging es nun über eine abenteuerlich in den Hang gebaute Strasse nach Santa Theresa. Unterwegs mussten wir mehrere Flüsse durchqueren und kamen erst bei Dunkelheit in Santa Theresa an, wo wir an der Plaza de Armas übernachteten. Am nächsten Morgen ging es über eine 12 Kilometer lange, sehr üble, Piste zu einem Wasserkraftwerk, dort endet die Strasse und wir konnten unser rollendes Haus für ein Trinkgeld bei einem netten Señor parkieren. Dort angelangt sattelten wir unsere Rucksäcke und wanderten zwei Stunden, entlang der Bahngeleise, durch wunderschönen Bergregenwald dem Fluss entlang nach Aguas Calientes (auch Machu Picchu Pueblo genannt). Einst wahrscheinlich ein verschlafenes Dörfchen entlang der Bahngeleise, ist es heute ein völlig überteuerter Touristenort, denn alle die nach Machu Picchu wollen, landen zwangsläufig in Aguas Calientes. Auswärts Essen ist schon eine Herausforderung, da man überall von irgendwelchen Schleppern in ein Restaurant gezogen wird. Wir schafften es gleichwohl einigermassen Preisgünstig über die runden zu kommen doch genehmigten uns gleichwohl noch einen Pisco Sour, das peruanische Nationalgetränk. Dann ging es für uns früh zu Bett, da wir auch früh aus den Federn wollten um Machu Picchu über etwas 1750 Treppenstufen zu erklimmen. Also weckte uns seit langem wieder einmal ein Wecker und dies um vier Uhr Morgens. Schlaftrunken gab es auf dem Zimmer ein paar Brote und einen Schokodrink und dann machten wir uns auf den Weg nach Machu Picchu, denn wir wollten zum Sonnenaufgang bei den Ruinen sein, bevor alle Touristen den Ort stürmen. Doch schon an der Brücke um den Fluss zu überqueren bildete sich eine Schlange von Leuten die das gleiche wie wir vor hatten. Es wurde kurz das Eintrittsticket und der Pass kontrolliert und dann konnten wir mit dem Treppensteigen beginnen. Nach gut einer Stunde und ein paar Schweisstropfen ärmer kamen wir am Haupteingang an und mussten feststellen, dass die ersten Busse schon eingetroffen waren und sich sicherlich schon 200 Personen am Eingang befanden. Dies schmälerte den Reiz des frühen Aufstehens und des Hinaufwanderns. Doch da waren wir und stellten uns artig in die Schlange und schon bald wurden wir eingelassen und konnten einen ersten Blick auf die imposante Ruinenanlage werfen. Wir stiegen schnell noch paar Treppenstufen hinauf um bei Sonnenaufgang einen schönen Überblick über diesen schönen Ort zu haben. 

Machu Picchu bei Sonnenaufgang - Mystisch!
Machu Picchu bei Sonnenaufgang - Mystisch!

Wunderschön sehen die eindrücklichen und gut erhaltenen Ruinen mit den ersten Sonnenstrahlen aus. Wir genossen diesen Moment und beobachten von weit oben wie immer mehr Menschen wie Ameisen in die spektakulär gelegenen Ruinen strömen. Pro Tag ist die Besucherzahl auf 2500 Personen beschränkt, doch dies erscheint uns noch zu viel. Wir durchwandern die Ruinen und bestaunen die sauber verarbeiteten Steinblöcke, die Brunnen und die Festungsmauern. Doch nach gut zwei Stunden wurde uns die Anlage zu voll und wir machten uns auf den weg zurück nach Santa Theresa, wo wir nach gut drei stündiger Wanderung ankamen. Kurz ausserhalb von Santa Theresa liegt das malerisch gelegene Thermalbad, wo wir uns ein gemütliches Bad und ein Bier gönnten. Doch das Bier konnten wir vor lauter Sandfliegen nicht richtig geniessen, so flüchteten wir in den Bus. Nach diesem langen Tag fielen wir schon früh todmüde ins Bett.

Am nächsten Morgen hiess es wieder den Motor starten und in Richtung Bolivien aufzubrechen, denn wir haben diesen Abstecher nach Cusco und Machu Picchu nur gemacht, da bis etwa ende September die Trockenzeit im Hochland herrscht. Aber wir hatten schon jetzt einige Regentag in Cusco und hatten wahnsinnig Glück, dass wir auf Machu Picchu einen wunderschönen Tag ohne Nebel und Regen erwischt haben. So ging es wieder über den Pass Abra Malaga und nach gut sechs Stunden fahrt und 200 zurückgelegten Kilometern kauften wir auf dem Markt in Cusco noch einige Lebensmittel ein und verbrachten eine ruhige Nacht an einem Flussbett. Am darauffolgenden Tag ging es über Puno bis fast an die bolivianische Grenze. Die Fahrtage in Peru gestalteten sich einerseits interessant aber auch mühsam. Die Städte und Dörfer sind immer sehr abwechslungsreich und das Leben findet an und auf der Strasse Stadt. Entlang der Fernstrassen grasen oft Rinder und Schafe, Schweine wühlen im Dreck und Hunde durchsuchen den Abfall. An Flüssen werden Wäsche und Autos gewaschen und gleichzeitig wird auch gebadet. Das Mühsame in ganz Südamerika und vor allem in Peru sind die „ Rompe Muelle“, die Erhöhungen auf der Fahrbahn um die Leute zu langsamer Fahrt zu zwingen. Diese Stossdämpferbrecher gibt es vor und nach jedem Dorf, vor Kurven und teilweise vor Brücken. Über diverse dieser Stossdämpferbrecher ging es am nächsten Morgen bis zur bolivianischen Grenze bei Desagaudero. Irgendwie sind wir im Grenzort mitten durch den Markt gefahren und konnten das rege Treiben auf der Grenzbrücke beobachten. Kurz nach der Grenze konnten wir uns wieder in das Grossstadtgetümmel von El Alto und La Paz stürzen. Nach einer chaotischen Fahrt durch El Alto landeten wir schliesslich wieder sicher im Innenhof des Hotel Oberland und genossen eine heisse Dusche.

In den nächsten Tagen geht es in den Osten von Bolivien. Über Cochabamba wollen wir weiter nach Sucre um dort noch ein bisschen unser Spanisch zu verbessern und danach fahren wir über Santa Cruz ins brasilianische Pantanal.

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Kommentare: 1
  • #1

    Katharina & Markus (Freitag, 21 August 2015 07:46)

    Hallo ihr Abenteurer,

    ist ja irre, was ihr erlebt. Schade, dass ihr den Regenwald nicht mehr geniessen konntet, wegen der Krankheit. Aber ich bin froh, dass es euch wieder gut geht :).

    Bei den Bachdurchfahrten wäre ich sicher total nervös geworden ^^. Und Machu Piccu ist ja ein Traum! Also diese Erfahrungen und Erinnerungen bleiben euch für auf jeden Fall für immer - sooo schön.

    Passt weiterhin gut auf euch auf ♥.

    Müntschis aus Wien,

    Katharina & Markus