News

Flathy

Wir waren 22 Monate unterwegs und sind nun wieder zu Hause in der Schweiz!

Auf der legendären Ruta 40 nach Nordargentinien

04.06.2015 – 20.06.2015: Coihueco – Paso Maule o Pehuenche (Chile/Argentinien) – Canyon de Atuel – San Rafael – Mendoza – NP El Leoncito – Valle Encantado – Chilecito – Mina La Mejicana – San Fernando – Valle Calchaquies – Salta

Seit nun gut zwei Wochen sind wir wieder unterwegs und sind schon fast am nördlichen Ende von Argentinien angelangt. Die letzten zwei Wochen waren geprägt von unterschiedlichstem Wetter, bitterkalten Nächten, faszinierenden Landschaften, schnurgeraden Strassen und von alten Goldminen.

Doch fangen wir doch bei den letzten Tagen auf Las Brisas an. Die letzte Woche auf Las Brisas ging sehr schnell vorbei und wir nutzen die Zeit um das deformierte Trittbrett zu reparieren, den Bus wieder zu beladen und natürlich auch um noch ein bisschen Zeit mit unseren Gastgebern und den Hunden zu verbringen. Nach dem Malheur mit unserem Trittbrett hat sich der Chefmechaniker alle Mühe gegeben und er konnte das Lenkgetriebe glücklicherweise revidieren und somit fahren wir wieder ohne grosses Spiel in der Lenkung. Jetzt hoffen wir, dass es möglichst lange ohne Probleme funktionieren wird.

Das Ganze hat aber auch mehr als eine Woche gedauert und immer wenn wir wieder nachgefragt haben bekamen wir das berühmt-berüchtigte Wort „Mañana“ zu hören. Aber an dies haben wir uns schon ein bisschen gewöhnt, gleichwohl bringt es einem in gewissen Situationen noch aus der Fassung...

Am Donnerstag 04. Juni war es Zeit endgültig die Leinen zu lösen und loszuziehen. Der Abschied fiel nicht leicht, nur die andauernden Regenschauer machten es uns einfacher das Triebwerk anzuwerfen und durchzustarten. Am selben Tag fuhren wir begleitet von Regenschauern in Richtung des Grenzpasses Maule o Pehuenche. Kurz vor dem Pass verbrachten wir die Nacht in einer abgelegenen Kiesgrube neben der Strasse. Am kommenden Morgen weckte uns der Regen, der aufs Dach trommelte und das Wetter für diesen Tag ankündigte. Leider war es nicht nur draussen nass, sondern auch in unserem Gasschrank. Es stellt sich heraus, dass der Druckausgleichsbehälter der Wasserversorgung ein Leck hatte. Die ganze Schrankwand war mit Wasser getränkt, da hätten wir uns nicht für unseren ersten Reisetag gewünscht. Aber was bleibt anders übrig als nach vorne zu schauen, auf Sonnenschein zu warten und das Leck zu reparieren. Das Leck konnten wir schnell mit Zweikomponentenkleber abdichten, doch auf die Sonne hätten wir noch lange warten können, deshalb fuhren wir weiter in Richtung Grenze. Mit jedem Höhenmeter den wir anstiegen wurde aus dem Regen allmählich Schneeregen und die Temperatur pendelte sich um den Nullpunkt ein. Die Zollabfertigung auf 2600 m.ü.M. ging schnell über die Bühne. Ein netter Zollbeamter meinte, dass wir heute noch Glück hätten, denn sie erwarteten in den kommenden Tagen bis zu zwei Meter Schnee. Also ging es für uns im Schneegestöber weiter über den Pass und wir waren froh, als wir am Abend spät wieder im Tiefland ankamen und uns über den Sternenklaren Himmel freuen konnten.

Die kommenden zwei Tage verbrachten wir im Canyon de Atuel, einer 20 km langen Schlucht mit bizarren und vielfarbiger Felsen. Je nach Sonneneinfall kann man verschiedenste Figuren und Gestalten in den Gesteinsformationen erkennen. Da wir momentan im Argentinischen Winter reisen, hat es kaum Touristen unterwegs und wir haben die Landschaften fast für uns alleine. Seid wir auf der Argentinischen Seite der Anden reisen, haben wir super Winterwetter. Am Tag steigt das Thermometer auf etwa 18-20 °C und der Himmel ist praktisch immer Wolkenlos. Doch die Nächte sind je nach Höhe in der wir uns bewegen bitterkalt, von angenehmen 2°C bis zu bissigen -10 °C. Die Nordwestlichen Regionen bekommen praktisch keinen Niederschlag, alles Wasser beziehen sie aus dem Schmelzwasser der Anden. 

Dieses trockene und sonnige Wetter macht auch unser nächstes Ziel zu einer der besten Weinbauregionen Argentiniens. Wir sprechen von der Provinz Mendoza, dem Land der Sonne und des guten Weins. Nach einem kurzen Stadtspaziergang erkundigten wir uns nach einer Bodega (Weingut), welches wir besichtigen können. In einem kleinen Weingutsführer wurden wir fündig und entschieden uns für ein kleines Bio- Weingut im Süden der Stadt. Wir erhielten von Miguel aus Peru, einem Wein-interessierten Mann in unserem Alter eine ausführliche Führung über das Weingut und durch die Weinkeller des Familienbetriebes. Die Reben werden noch wie vor 100 Jahren gepflegt und geschnitten und es wird nichts gespritzt. Schädlinge werden durch andere Pflanzen von den Reben ferngehalten und zur Gärung wird keine Hefe beigegeben. Der weisse Film auf der Traubenhaut wirkt bei der Gärung wie Hefe. Nach dem wir uns überzeugt haben, dass hier noch Wein wie vor über 100 Jahren gemacht wird, ging es für uns zur Degustation über. Wir konnten diverse Weine degustieren und haben auch viel vom Weinprofi Miguel gelernt. Um paar Weinflaschen, Traubensäfte, Olivenöl und Honig reicher, ging es für uns zur nächsten grösseren Tankstelle, wo wir eine ruhige Nacht neben den LKW Fahrern verbrachten.

Ausgeruht ging es für uns weiter über eine wunderschöne kurvige Passstrasse entlang der Anden nach Uspallata und von dort weiter in den entlegenen Nationalpark El Leoncito. Zu unserer Linken erhob sich mächtig der Aconcagua (6962 m), der höchste Gipfel Argentiniens, der höchste der Anden, der höchste Amerikas, der höchste der südlichen Hemisphäre und der höchste ausserhalb von Asien. Ab hier Nordwärts säumen viele Sechstausender unsere Strecke und einige Grenzpässe liegen auf knapp 5000 m. Doch für uns ging es erstmals nur auf knapp über 2000 m.ü.M. in den Nationalpark El Leoncito. Der Park ist bekannt für sein trockenes Klima und daher liegen auch zwei Sternwarten im Park. Wir verbrachten die Tage mit kleinen Wanderungen durch den Park und besuchten eine Nachtführung in einer Sternwarte. Verschiedene Galaxien konnten wir durch das Teleskop sehen, sowie auch die Planeten Venus, Jupiter und Saturn und natürlich sehr eindrücklich die Milchstrasse mit dem „Cruz del Sur“. Nach diesen interessanten Tagen im Nationalpark ging es für uns wieder auf die Ruta 40. Nach einem anstrengenden Fahrtag verbrachten wir eine Nacht im abgelegenen Valle Encantado, dieses entzückt mit seine bizarren Felsformationen welche bei Sonneneinstrahlung rot leuchten. Bevor wir in das entzückende Tal einbogen besichtigten wir eine stillgelegte Goldmine am Strassenrand. Es handelte sich um ein kleines verlassenes Minendorf mit Ruinen aus dem 17. Jahrhundert. Fasziniert schlenderten wir durch die verlassenen Ruinen bis zum Mineneingang. Überall fanden wir Gesteinsproben von Probebohrungen, dies deutet wahrscheinlich darauf hin, dass bis vor einigen Jahren hier noch Gold abgebaut wurde. Von der alten Goldminen Siedlung wollten wir direkt nach Chilecito, doch leider haben wir ein hinweis auf eine gesperrte Strasse übersehen und sind mehr als 100 km bis zur Baustelle gefahren. Leider ging es nicht mehr weiter und so mussten wir einen Umweg von fast 400 km in auf uns nehmen.

Nach einem weiteren Fahrtag erreichten wir Chilecito eine kleine Stadt in der Provinz Catamarca. Heute ist Chilecito wichtig wegen des Wein-, Oliven- und Nussanbaus. Im 19. Jahrhundert war Chilecito die Goldstadt Argentiniens. Aus dieser Zeit im 19. Jahrhundert stammt eine grosse Sehenswürdigkeit, die Drahtseilbahn zu den Minen von La Mejicana, welche auf 4400 m.ü.M. liegen. Die Drahtseilbahn, 1903 eröffnet, verbindet Chilecito mit den Minen im Famatina Gebirge und wurde von einem internationalen Konsortium gebaut. Beteiligt waren Gesellschaften aus den USA, Grossbritannien, Italien und Deutschland. Das Gold konnte in der grossen Höhe nicht ausgeschmolzen werden, da weder Holz noch genügend Wasser vorhanden war. Die Drahtseilbahn ist 34 km lang und überwindet einen Höhenunterschied von 3300 m.ü.M. Heute fährt die Bahn leider nicht mehr, doch es gibt noch einiges von diesem überaus interessanten Bauwerk zu sehen. Wir verbrachten eine Nacht an der zweiten Bahnstation, welche mit einer grossen Dampfmaschine zum Antrieb der Bahn ausgestattet ist. Im Sommer wäre es auch möglich auf den alten Maultierpfaden bis zu den Minen zu wandern, dies ist leider im Winter nicht möglich, da vielerorts Schnee liegt. Diese Drahtseilbahn beeindruckte uns sehr, denn in den vorhandenen Bauwerken und mit den alten Maschinen konnte man fast in diese Zeit zurückreisen. Solche Meisterwerke der Technik werden aber nur gebaut, wenn es um Ausbeutung eines Edelmetalls geht.

Nach dieser interessanten technischen Zeitreise ging es weiter Nordwärts bis in das Weinanbaugebiet Cafayate. Auf der Strecke besichtigten wir die Ruinen einer Festung der Quilmes Indianer aus dem 11. Jahrhundert. Teils sind noch Meterdicke Mauern vorhanden und man kann sich die Indianerfestung gut vorstellen. In dieser Festung trotzten die Quilmes Indianer über 35 Jahre lang den spanischen Eroberern bis sie schliesslich 1665 besiegt wurden.

In Cafayate zweigten wir ab in das Valle Calchaquies. Vorbei an schneebedeckten Bergen und baufälligen kolonialen Bauten ging es durch das karge Tal entlang der Ruta 40. Im Tal spriessen entlang der Strasse vielerorts die grossen Kandelaber-Kakteen (Trichocereus pasacana) aus dem trockenen Boden. Einige dieser Riesen sind bis zu etwa acht Meter hoch. Die Menschen im Tal leben alle sehr einfach in kleinen Häusern aus Lehmziegeln und die meisten kochen noch auf offenem Feuer in der Küche. In diesen kleinen Dörfern scheint die Zeit stillgestanden zu sein und wir haben oft das Gefühl, dass hier zwei komplett unterschiedliche Welten aufeinander treffen. In der Gegend rund um Salta hatten wir Mühe gute und gemütliche Übernachtungsplätze zu finden. Doch mit offenen Augen und einigen Zusatzkilometern fanden wir gute bis sogar idyllische Stellplätze in vertrockneten Flussläufen oder auf Ausstellplätzen neben der Strasse. In einem besonders schönen Tal kurz vor dem Paso de Fauna blieben wir wieder mal zwei Nächte und genossen den fahr freien Tag. Es bliebt wieder mal viel Zeit um die Umgebung zu erkunden, Zopf zu backen und ein bisschen zu lesen. In diesem Tal auf knapp 3000 m.ü.M. Hatten wir auch sehr kalte Nächte und es bildeten sich sogar im Innern des Fahrzeugs Eiskristalle. Noch solch kalten Nächten dauert es am Morgen lange, bis in unserem rollendem Zuhause wieder eine angenehme Temperatur herrscht.

Nach den erholsamen Tagen ging es über den Paso de Fauna auf 3457 m.ü.M. Über unzählige Serpentinen schlängelt sich die Schotterpiste hinunter in die Talsenke nach Salta. Das Landschaftsbild änderte sich mit jedem Höhenmeter den wir verloren von trocken und karg zu grün und üppiger Vegetation. In Salta angekommen füllten wir unsere Vorräte auf und quartierten uns auf dem einzigen Camping in der Stadt ein. Der Camping hat nicht gerade zum verweilen eingeladen. Viele komische Leute die rumhängen oder sogar hier leben, wir wissen es nicht, aber die Atmosphäre passt uns gar nicht. Doch für zwei Nächte geht dies in Ordnung, da wir sowieso nur zum schlafen auf dem Areal sind und die super heissen Duschen ausnützen :-). Wir besichtigten die Stadt mit ihren kolonialen Bauten und nutzen die Infrastruktur um unsere Wäsche waschen zu lassen und ein bisschen US$ in argentinische Pesos zu wechseln. Nach diesen Stadttagen sind wir ein bisschen müde und freuen uns wieder in Menschenleere Gegenden zu fahren.

In den nächsten Tagen geht es für uns weiter in die nördlichste Provinz Argentiniens nämlich nach Jujuy. Nachdem wir das Nordende von Argentinien erkundet haben möchten wir über den Paso de Jama nach Chile einreisen um den Norden von Chile kennen zu lernen. Dies ist vorerst mal die weitere Planung. Die Routenplanung fällt uns immer schwer, da es so viel zu sehen gibt und man einfach nicht alles sehen kann, denn die Distanzen sind einfach gewaltig. In den letzten zwei Wochen sind wir knapp 3000 km gefahren und dies nicht einmal bewusst, aber die Distanzen von Ort zu Ort betragen manchmal fast 500 km. Seid Ushuaia sind wir die meiste Zeit auf der Ruta Nacional 40 gefahren, der längsten Strasse der Welt. Die „Cuarenta“ ist das westliche Rückgrat Argentiniens und erstreckt sich über 5000 km (dies einspricht einer Strecke von Portugal bis zum Ural) von Patagonien nach Nordargentinien. Die 5000 km teilen sich in etwa 2700 km Asphalt und 2300 km Schotter, Sand und Geröll. Doch die Tendenz geht zur Asphaltirrung der gesamten Route. Aber die Ruta 40 ist so oder so noch ein Erlebnis, wunderschöne Strecken, beeindruckende Landschaften, Menschenleere Gebiete, verlassene Siedlungen und eine Prise Abenteuer.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Antoinette (Montag, 22 Juni 2015 17:25)

    Hoi zäme, auch uns hat der Morden von Argentinien ausnehmend gut gefallen, wir hielten uns 12 Tage dort auf und genossen die Zeit sehr. Häbeds guet, ich freu mich über eure Berichte! Grüessli Antoinette

  • #2

    hermann u margrith (Dienstag, 23 Juni 2015 12:00)

    hei dir zwöi liebe
    ha grad öie pricht gläse u die schöne fotis agluet.
    danke!!! mir wünsche euch aues gueti uf euer witere grosse reis.
    lieebi grüess
    hermann margrith u nina