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Flathy

Wir waren 22 Monate unterwegs und sind nun wieder zu Hause in der Schweiz!

Von der Carretera Austral auf die Ruta 40

05.02.2015 – 22.02.2015: Cochrane – Puerto Tranquilo - Valle Exploradores -Villa Cerro Castillo – Coyhaique – Rio Aisén – Thermas El Amarillo – Chaitén – Futalefu (Chile/Argentinien) – Esquel – NP Los Alerces – El Bolson

Die letzten Tage sind geprägt von staubigen und holprigen Pisten, rauchenden Vulkanen und glasklaren Flüssen...

Von dem verschlafenen Städtchen Cochrane ganz im Süden der Carretera Austral machten wir uns auf den Weg in Richtung Norden alles der Carretera Austral entlang. An diesem Tag erreichten wir den Lago General Carrera, einer der grössten Seen Südamerikas. Quer durch den General Carrera See läuft ein mächtiger Marmorrücken der bei Puerto Tranquilo durchdas Klima, die Wellenbewegung und die im Gestein enthaltenen Säuren über die Jahrtausende hinweg zu Höhlen mit einem ganz besonderen Muster geformt wurden. Die surrealen Strukturen sind die Hauptattraktion in der gesamten Region und tragen Namen wie "die Marmorkapellen“ und "die Marmorkathedrale“. Im kleinen Ort Puerto Tranquillo buchten wir eine Bootstour zu diesen bekannten Marmorhöhlen. Wunderschön ist es diese Felsformationen im glasklaren und türkisblauen Wasser zu betrachten. Ausser vielen Backpackers und einer kleinen Tankstelle hat Puerto Tranquilo nicht viel zu bieten.

Uns zog es weiter und wir wollten das erst kürzlich komplett erschlossene Valle Exploradores entdecken. Durch das sehr enge Tal und seine Seitentäler ziehen sich viele Flüsse welche dann weiter westwärts in den Pazifik münden. Die Strasse führt 80 Kilometer ins Tal hinein und endet bei einer Hängebrücke welche noch im Bau ist, somit ist der weg bis zur Bahia Exploradores noch nicht für Fahrzeuge offen. Neben einer kleinen Wanderung zum Glaciar Grosse genossen wir die Ruhe und das kalte Wasser. An super schönen Plätzen kann man in diesem Tal direkt am Wasser campieren. Da wir kein Fisch angebissen hatte gab es als alternative wieder mal ein richtig gutes Raclette zubereitet auf unserem kleinen Kerzenofen. Raclette lassen wir uns auch auf solch einer Reise nicht nehmen und das Menü gehört sicher einmal pro Woche auf den Speiseplan.

Im Valle Exploradores machte auch Bernd mit seinem Mercedes 508D halt. Wir haben seinen Bus schon Tage zuvor in Cochrane gesehen, doch wussten nicht wer sein Besitzer ist. Nach einem kurzen Gespräch gingen wir wieder getrennter Wege, doch, was wir nicht wussten, wir sollten uns zufälligerweise noch einige Male treffen.

Nach zwei schönen Tagen ging es wieder zurück auf die Carretera Austral und weiter entlang dem türkisfarbenen Lago General Carrera. Kurz vor dem kleinen Dörfchen Villa Cerro Castillo trafen wir Bernd wieder und campierten zusammen am Dorfrand. Es wurde ein lustiger Abend mit vielen Geschichten und einigen Gläsern chilenischem Wein. Er und sein Mercedes Bus haben auch eine interessante Geschichte und schon sehr viel erlebt. Nachdem er mit diesem Bus auf dem Landweg nach Indien gereist ist hat er ihn vor 11 Jahren nach Südamerika verschifft und seit dem ist er kreuz und quer mehrere Monate pro Jahr auf diesem Kontinent unterwegs. Es gibt also noch viel zu entdecken...

Uns zog es schnell einmal weiter nach Coyhaique um uns ein bisschen unserem fahrbaren Häuschen zu widmen. Wir wollten die Endköpfe des Lenkgestänges und der Spurstange ersetzten, da dort die Manschetten der Kugelgelenke defekt sind. Nach kurzer Suche haben wir die chilenische Mercedes Vertretung gefunden und eine nette Dame sucht für uns die Teile im SAP Datenverwaltungssystem heraus. Leider sind nicht alle Teile bei Mercedes Chile zu bekommen, da das Fahrzeug schon 25 Jahre auf dem Buckel hat und in Südamerika nie verkauft wurde. Somit klapperten wir einige Ersatzteilshops ab, doch nach einer mühseligen zeitraubenden Suche quer durch die Stadt bleibt uns nichts anderes übrig als die Teile anderweitig zu beschaffen. Auch haben wir versucht die Teile über Flavios Patin, welche in Chile lebt zu bekommen. Nachdem auch sie noch einen ganzen Tag für uns in ihrer Umgebung umhergefahren ist, hat sich gezeigt, dass es möglich wäre die Ersatzteile über Mercedes Chile in Deutschland zu bestellen, doch schon die Teile wären um die 1000 $. Daher haben wir nun über gute Freunde (Danke nochmals an Marion und Mario!!!)in Deutschland die Teile selber bestellt und lassen uns diese zu Flavios Patin per DHL senden...kompliziert, aber was wollen wir sonst. Der Bus muss schliesslich noch mindestens bis Alaska halten!

Auch in Coyhaique trafen wir wieder Bernd, auch er musste einiges am Fahrzeug in Ordnung bringen und so verbrachten wir gemütliche Abende nach anstrengenden Stadttagen.

Nach insgesamt fünf Tagen in Coyhaique zog es uns weiter. Über die teils sehr schlechte und schmale Carretera Austral ging es weiter bis an den Rio Aisén. Die Strasse schlängelt sich über kleine Pässe und zieht sich kleinen Schluchten entlang durch wunderschöne Vegetation. Neben der Strasse wachsen überall Nalcas (Riesenrhabarber,Blätter mit bis zu 2 Meter Durchmesser), Riesenfarne und wunderschöne Blumen.

Am Rio Aisén verbrachten wir zwei gemütliche Nächte direkt am Wasser. Wie sich am zweiten Morgen herausstelle, wurde aber die Steine des Flusses für Bauarbeiten genutzt und so fuhren mehrere LKWs und Bagger auf und gaben dem Fluss innert Minuten einen neuen Lauf. Für uns war es somit mit der Ruhe vorbei und es zog uns weiter in Richtung Chaitén. Da auf diesem Streckenabschnitt die Carretera Austral eine einzige grosse Baustelle ist, welche sich über fast 200 Kilometer erstreckt, kamen wir nicht so gut voran wie wir wollten. Überall waren grosse Baumaschinen am Werk und Sprengungen wurden vorbereitet. Spät abends kamen wir in El Amarillo an und verbrachten die Nacht auf dem Parkplatz eines Thermalbads. Somit hatten wir die schöne Aussicht am Nächsten morgen warm zu Baden. Gerade bei Badöffnung gingen wir in das Thermalbad und genossen das sehr heisse Wasser. Doch der Genuss war nur von kurzer Dauer, da schon kurze Zeit später viele Grossfamilien das Bad bevölkerten und die meisten sogar ohne zu Duschen ins Wasser sprangen. Somit zogen wir es vor im naheliegenden kalten Fluss ein Bad zu nehmen.

Am Nachmittag besuchten wir Chaitén. Dieses kleine Städtchen wurde 2008 von einer Asche-Schlammlawine, welche vom Vulkanausbruch des gleichnamigen Vulkan ausging, zerstört. Noch heute zeugen einige zerstörte Häuser und Ascheberge von den verehrenden Folgen.

Der Vulkan Chaitén ist noch heute aktiv und raucht vor sich hin, häufig bildet sich eine Rauch und Dampfwolke welche kilometerweit zu sehen ist. Wir unternahmen eine Wanderung welche uns über einen anstrengenden Weg über alte Aschefelder und durch toten Wald sehr nahe an den Vulkankrater brachte. Sehr eindrücklich die ganze zerstörte Landschaft zu sehen und noch eindrücklicher war, zu sehen, wie schnell die Natur wieder alles einnimmt und überall schon wieder grüne Pflanzen zu sehen sind.

Nach Chaitén ging es weiter ostwärts in Richtung Futalefu und zur argentinischen Grenze. Auf der Schotterpiste zur Grenze hin hatte uns ein vollgepackter Kleinwagen überholt und diesen sahen wir leider kurze zeit später in einer kurve auf dem Fahrzeugdach liegend und die Familie konnte glücklicherweise

durch die Fenster aussteigen. Alle waren durcheinander und geschockt. Wir halfen kleinere Wunden zu desinfizieren und das Fahrzeug aufzustellen, doch keine Scheibe war heil geblieben und Öl und Benzin waren ausgelaufen. Aber der Vater wollte keine Polizei und auch keine Ambulanz...

Nach dieser unschönen Begegnung waren wir froh wieder unterwegs zu sein und verbrachten einen gemütlichen Nachmittag und eine ruhige Nacht am Rio Futalefu. Der Fluss ist Weltbekannt für sein super Wildwasser, daher zieht er Wildwasserfahrer aus aller Welt an. Das Grenzprozedere war schnell erledigt und wir fuhren weiter nach Esquel um unsere Gasflaschen aufzufüllen, doch dies hat dort nicht geklappt. Also gang es weiter in den Nationalpark Los Alerces. Der Park ist nach den Alerce Bäumen benannt, welche in seinem Westteil wachsen. Es handelt sich um Bäume welche sehr alt werden und welche nur in bestimmten Zonen in Patagonien vorkommen. Die ältesten Bäume sind nur mit einer Bootstour zu erreichen, da sie sehr abgelegen im Urwald wachsen. Auf der Bootstour waren wir die einzigen Ausländer und genossen es nur mit spanisch sprechenden unterwegs zu sein. Die Guides waren alle sehr redselig und konnten sich selber fast nicht genug hören mit Erzählungen zu den Wäldern und Gletschern. Der älteste Baum ist um die 2600 Jahre alt und hat einen Durchmesser von 2.8 Meter. Schon sehr eindrücklich was diese Riesenbäume schon alles erlebt haben in ihrem langen Leben. In unzugänglicheren Regionen gibt es anscheinend Bäume die über 5000 Jahre alt sind. Auf der ganzen Bootstour konnte man einen Nebel am Himmel sehen und auch ein leicht rauchiger Geschmack lag in der Luft. Das alles kommt von einem Waldbrand welcher im Norden ausserhalb des Nationalparks wütet. Waldbrände sind hier in Patagonien ein grosser Problem. Vielerorts ist es nun verboten Feuer zu machen um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Doch jeden Sommer gibt es hier unten über hundert Waldbrände, viele sicherlich von Menschen herbeigeführt.

Begleitet von den Rauchschwaden fuhren wir nach El Bolson. Der kleine Ort war ein bekanntes Aussteigerzentrum in den 60er Jahren. Viele Aussteiger und Intellektuelle aus Buenos Aires und dem ganzen Land haben sich hier niedergelassen und in Kommunen meist als Selbstversorger gelebt. Noch heute spürt man den diesen speziellen Geist.Es gibt viele Bio Läden, einen schönen Kunst- und Handwerkmarkt mit Musik und gutem Essen und natürlich viele interessante Leute. Wir schlenderten über den Markt und verbrachten den ganzen Nachmittag auf dem schönen Markt und dem gemütlichen Dorfplatz. Seit zwei Tage wohnen wir seit langem wieder auf einem kleinen Campingplatz mit hauseigener Brauerei.

In den nächsten Tagen geht es weiter nach San Carlos de Bariloche und wir hoffen auf guten Wind, denn Bariloche ist bekannt fürs Kitesurfen...Vamos a ver!

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Kommentare: 3
  • #1

    Mariane Dapoto (Montag, 23 Februar 2015 21:20)

    unglaublich viel erlebt! Danke für das teilen

  • #2

    Brigitte (Freitag, 27 Februar 2015 19:34)

    Herzlichen Dank für Euren wunderschönen Reisebericht, diesmal durch Chile. Gerne lese und reise ich etwas mit. Das "Blümli" am Rand ist wahrscheinlich eine wilde Fuchsie, welche im Emmental oft bei Bauernhöfen als mehrjährigen Sommerflor in Töpfen kultiviert werden. Ganz liebi Grüessli und Muntschis Mamita

  • #3

    Christa und Martin (Sonntag, 08 März 2015 02:27)

    Hallo ihr zwei. Wir hoffen, ihr seid gut unterwegs. In der Nacht nach unserem Treffen hat der Vulkan Villarrica die ersten Feuerwerke in den Himmel geschossen. Konntet ihr das Spektakel auch sehen? Wir haben uns nicht getraut bei euch klopfen zu kommen