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Flathy

Wir waren 22 Monate unterwegs und sind nun wieder zu Hause in der Schweiz!

Mittelamerika Pur - durch Nicaragua, Honduras und Guatemala

11.03.2016 – 25.03.2016: Finca Cañas Castilla – Peñas Blancas (Costa Rica/Nicaragua) – Granada – Laguna de Apoyo – Esteli – Las Manos (Nicaragua/Honduras) – Tegucigalpa – Lago de Yojoa – San Pedro Sula – Copan Ruinas – El Florido (Honduras/Guatemala) – Antigua de Guatemala – Lago Atitlan – La Mesilla (Guatemala/Mexico) [Route]

In den letzten zwei Wochen sind wir durch Nicaragua, Honduras und weiter nach Guatemala gefahren. Wir erlebten ermüdende Grenzübergänge, schlechte Strassen, bittere Armut. Aber gleichzeitig begleitete uns wunderschöne Natur und in Guatemala bekamen wir Einblicke in die faszinierende Kultur der Maya-Nachfahren. Lest selbst in den folgenden Zeilen, was wir alles erlebt haben und wie es uns im Herzen von Mittelamerika ergangen ist.

Nach den erholsamen Tagen auf der Finca Canas Castilla bei Agi und Guido machten wir uns auf den Weg nach Nicaragua. Nach gut einer Stunde Fahrzeit erreichten wir den Grenzposten Peñas Blancas. Sogar für die Ausreise aus Costa Rica brauchten wir wieder Kopien und mussten sogar noch eine Ausreisegebühr von 7 US$ bezahlen. Noch mehr Dollar wurden wir bei der Einreise nach Nicaragua los. Sogar der Einreisestempel im Pass muss mit 12 US$ „gekauft“ werden! Überall an der Grenzstation hingen irgendwelche „Grenzhelfer“ herum und warteten nur auf Touristen, die das komplizierte Prozedere nicht kennen. Ein sympathischer Junge sprach uns an und wir erledigten mit seiner Hilfe die nächsten Schritte. Wir sind von einem Schalter zum anderen gerannt und die Bürokratie schien kein Ende zu nehmen! Bald hatten wir alle Gebühren bezahlt, den Campingbus mit einem Antiparasitenmittel eingesprüht und alle Papiere gestempelt. Nach gut zwei Stunden konnten wir endlich weiterfahren. 

Schon kurz nach der Grenze bemerkten wir, dass wir wirklich nicht mehr in Costa Rica waren. Nein, wir befanden uns nun in Nicaragua, einem der ärmsten lateinamerikanischen Länder. Die wenigen Asphaltstrassen waren praktisch leer. Privatautos sah man fast keine, einige Lastwagen waren unterwegs und sonst begegneten wir nur Esels-karren. Entlang dem riesigen Nicaraguasee fuhren wir in Richtung Laguna de Apoyo, ein Lagune in einem Vulkankrater. Die Kulisse des riesigen Sees mit den Vulkaninseln Conception und Madera begleiteten uns einen Grossteil unserer Fahrt. In den kolonialen Städtchen Granada machten wir Halt um unsere Vorräte aufzustocken. An der Kasse bemerkten wir schnell, dass Nicaragua ganz ein anderes Preisniveau hat als Costa Rica. So machte es wieder Spass einzukaufen. Auf eine Stadtbesichtigung verzichteten wir weil das Thermometer 38°C anzeigte und man sich fast nicht an der Sonne aufhalten konnte. Als wir die Stadt verlassen wollten, wurden wir auf einmal vom Gegenverkehr angehupt und es wurde wild gestikuliert. Erst freuten wir uns über die grosse Aufmerksamkeit und grüssten zurück, bis wir nach ein paar Blocks bemerkten, dass wir in einer Einbahnstrasse in die entgegengesetzte Richtung fuhren. Bald waren wir wieder regelkonform unterwegs und über Nebenstrassen erreichten wir den Kraterrand der Laguna de Apoyo. Wunderschön glitzerte das glasklare Wasser im Krater. Wir fanden beim Hostel Paradiso einen angenehmen Stellplatz im Schatten und schon bald badeten wir in diesem schönen Kratersee. Die nächsten Tag verbrachten wir mit baden, Kajak fahren und faulenzen. Bereits am ersten Tag lernten wir ein holländisches Pärchen kennen, welches mit einem alten Chevy Van von Kandada nach Süden unterwegs ist. Noch am gleichen Tag gesellte sich ein deutsch/österreichisches Pärchen zu uns. Stefan und Melanie sind mit einem alten Mercedes 190 und einem Zeltklappanhänger auf der Panamericana unterwegs. Der Mercedes der Beiden ist sehr speziell, da seit Beginn der Reise immer wieder Leute auf dem Lack unterschrieben haben. Das Auto ist schon ein richtiges Kunstwerk auf Rädern. Wir verbrachten unterhaltsame Abende zusammen und einmal stand sogar ein Kinobesuch in Managua auf dem Programm. Die Rückfahrt an die Lagune gestaltete sich auch amüsant, da sich in der Nacht noch weniger Leute an die Verkehrsregeln halten als Tagsüber. Bei roten Ampeln bremsten die Leute bestenfalls kurz ab um dann einfach durch zu fahren. Einerseits aus Bequemlichkeit und andererseits aus Angst vor Überfällen. Wir wollten nicht unangenehm auffallen und machen es wie die Einheimischen.

Auch die schönsten Tage gehen einmal zu ende und so zogen wir nach vier genialen Badetagen weiter. Die Hauptstadt Managua haben wir so gut es ging umfahren. Doch gleichwohl mussten wir einige Rotlichter passieren und schon stürzten sich Scheibenputzer auf uns. Dies war eigentlich für uns nichts Neues, wir haben überall in Südamerika erlebt, dass arme Menschen uns die Scheibe gegen ein Trinkgeld reinigen. Doch hier in Nicaragua sind dies nicht Jugendliche oder ältere Menschen, nein es sind Kinder! Kurz bevor die Ampel auf grün wechselte, kamen die flinken Scheibenputzer ans Seitenfenster und forderten „Un Dollar“! Einen Dollar, in einem Land wo der Durchschnittliche Stundenlohn etwa 1 US$ beträgt. Wir gaben ihnen ein bisschen Kleingeld und einige Bonbons. Dies sind Situationen, welche wir oft auf der Strasse erleben. Genau so häufig sind auch jonglierende Strassenkünstler, die sich an den Ampeln ein bisschen Kleingeld verdienen. Normalerweise geben wir immer eine kleine Spende, den schliesslich muss jeder sein Brot selber verdienen.

Nach der Streiffung von Managua erreichen wir am Nachmittag die Tabakstadt Esteli. In Esteli wollten wir eine Tabakfabrik besichtigen, doch wir fanden keine, welche mit uns eine Führung machen wollte. Also begnügen wir uns damit, die grossen Tabakfelder und Trocknungshäuser aus dem Autofenster zu beobachten. Nach einer ruhigen Nacht auf dem Parkplatz eines kleinen Hotels fuhren wir weiter bis an den Grenzposten „Los Manos“. Schon einige hundert Meter vor der Grenze säumten Lastwagenkolonnen unseren Weg. Die Lastwagenfahrer warten auf die Grenzabfertigung und mussten ihre Fahrzeuge irgendwo abstellen. Wir fuhren einfach daran vorbei, bis wir die Grenzstation erreichten.

Die Ausreise aus Nicaragua war schnell erledigt und schon konnten wir mit dem Prozedere für die Einreise nach Honduras beginnen. Die gelangweilten Grenzbeamten schienen froh ein bisschen Arbeit zu haben und bald war der Pass schon gestempelt. Für die temporäre Einfuhr des Fahrzeugs mussten wir happige 36 US$ bezahlen. Dieser Betrag mussten wir bei einer kleinen Bank direkt neben der Grenzstation einzahlen und dann mit den Quittungen noch den endgültigen Stempel abholen. Wir müssen uns manchmal wirklich zusammenreissen, um bei dieser umständlichen Bürokratie nicht einfach los zulachen oder losweinen. Langsam sind wir uns diese ineffiziente Bürokratie gewohnt und sehen das Ganze eher als eine Art Spiel an. Das Spiel könnte heissen „Money and Stamps“! Nach einer guten Stunde wurde endlich die Grenzkette gesenkt und wir konnten nach Honduras einreisen. Eigentlich wollten wir in der Nähe der Hauptstadt Tegucigalpa übernachten. Wir erreichten die ersten „Barrios“ der Hauptstadt um die Mittagszeit, doch uns sagte die gesamte Umgebung nicht zu. Denn Tegucigalpa ist ein urban gewordener Albtraum, an den Stadträndern wuchern die Wellblechsiedlungen weit die Hügel hinauf und wer kann umgibt sich mit einer hohen Mauer und doppeltem Stacheldraht. Was wir von der Strasse aus sahen, veranlasste uns noch einmal das Gaspedal durchzutreten und weiter nach Norden zu fahren.

Wegen vielen Baustellen auf der „Carretera Interamericana“, wie die Panamericana hier genannt wird, kamen wir nicht so schnell vorwärts, so dass wir erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit am grössten See, dem Lago de Yojoa, unser Nachtlager bei einer kleinem B&B, mit eigener Brauerei, aufschlugen.

Den Abend verbrachten wir, mit einem Pärchen aus Kalifornien, bei ein paar Biere. Anderntags fuhren wir San Pedro Sula weiter bis zu den Mayaruinen in Copan. Da wir kurz nach dem Mittag ankamen, besuchten wir die eindrücklichen Ruinen am späteren Nachmittag bei wunderbarem Sonnenlicht. Wir bestaunten die imposanten Bauwerke, die angeblich im ersten Jahrhundert gebaut wurden, und stiegen in der Ruinenstadt viele Treppen hoch und runter. Die Mayastadt ist mitten im Urwald gelegen und viele Baumriesen wachsen mitten in den Ruinen. Copan ist auch bekannt für die roten Aras (Papageien), welche hier vor Jägern geschützt werden. Abends konnten wir diese wunderschönen Papageien bei der Fütterung beobachten. 

Da wir an den Ruinen und bei der nächsten Tankstelle nicht übernachten konnten, empfahl uns der Tankwart eine Familie mit einem grossen Innenhof. Da dieser Platz auch bei I-Overlander aufgeführt ist, kam die Señora schon angesprungen als wir durch das Tor fuhren. Uns gefiel der vermüllte Platz nicht und als sie noch einen überrissenen „Gringopreis“ forderte, wäre es an der Zeit gewesen zu gehen, doch da es schon dunkel wurde, blieben wir für eine Nacht. Der ganze Platz war vermüllt, die Toiletten in miserablem Zustand und ein verschimmeltes Laken bildete den Duschvorhang bei der Freiluft-Dusche. Wir bekamen wiedereinmal einen sehr tiefen Einblick in das Leben der Landsleute. Aber die Mentalität können wir auch nach über einem Jahr in lateinamerikanischen Ländern noch immer nicht verstehen. Es wird nichts aufgeräumt oder repariert, vieles ist kurz vor dem Zerfall aber man sitzt lieber herum oder liegt mit guter Laune in der Hängematte. Kurz vor der Abfahrt bezahlten wir zähneknirschend fast 12 US$ für die Übernachtung. Dies klingt für euch Leser nicht nach viel, doch wenn man bedenkt, dass Honduras zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas gehört und viele in Armut leben. So schauten wir den Betrag als Entwicklungshilfe an...

Was wir in der kurzen Zeit von Honduras gesehen haben und wie die Honduraner auf uns reagiert haben, hat uns nicht besonders gefallen. Bei der vorherrschenden Armut spüren wir wie Verzweiflung in der Luft liegt in diesem von Korruption und Drogenhandel zerrütteten Land. Fast jeder zweite der acht Millionen Honduraner lebt von weniger als 1.25 Dollar am Tag und dazu kommt noch, dass Honduras laut einer traurigen Statistik, mit 100 Morden pro 100`000 Einwohner, als eines der gefährlichsten Länder der Welt gilt. Von Letzterem bemerkten wir glücklicherweise nichts und wir fühlten uns auch nicht unsicher. Aber die grossen Sicherheitsvorkehrungen lassen so einiges erahnen. Banken, Supermärkte, Tankstellen sind immer von ein bis zwei schwer bewaffneten Sicherheitsleuten bewacht und dies rund um die Uhr. Dazu kommt, dass sogar einige Lastwagenfahrer einen mit einer Schrotflinte bewaffneten Beifahrer haben, der beim ein- und ausladen wache steht. Die Honduraner sind diese Waffenpräsenz anscheinend gewöhnt, aber für unseren Geschmack sind dies einfach zu viele Waffen in der Öffentlichkeit.

Nach diesem kurzen Exkurs wieder zurück auf die Strasse, genauer gesagt an die guatemaltekische Grenze. Von unserem Schlafplatz war es nicht mehr weit bis zum kleinen Grenzposten „El Florido“. Schon Kilometer vorher reihen sich wieder die Lastwagen am Strassenrand. Da wir schon um Sieben am Morgen an der Grenze standen, war die Ausreise in rekordverdächtigen 15 Minuten erledigt. Den Einreisestempel bekamen wir von einem sehr gut gelaunten Beamten auch innert kurzer Zeit, nur am Schalter für die Fahrzeug Einfuhr bildete sich eine lange Schlange. Nach über zwei Stunden Wartezeit, erstellte die nette Señorita das benötigte Formular für die temporäre Fahrzeug Einfuhr. Aber bevor wir das Formular kriegten, stand wieder die Bezahlung einer Einreisegebühr bei der nahegelegenen Bank an. Mit den Bankbelegen im Sack bekamen wir endlich das Formular und die Grenzschranke öffnete sich für uns.

Schon wieder ein neues Land und eine andere Bevölkerung und für uns war es ein spezieller Grenzübertritt, denn wir befanden uns nun im geografischen Mittelpunkt des amerikanischen Doppelkontinents. Wie auch Honduras gehört Guatemala zu den sehr armen Ländern in Lateinamerika. Wie in vielen lateinamerikanischen Ländern, herrschte auch in Guatemala Jahrzehnte lang ein rechtsgerichtetes Regime unterstützt von den USA (aus Angst vor dem Kommunismus). Die USA unterstütze in vielen lateinamerikanischen Ländern rechtsgerichtete Regime um die freie Marktwirtschaft zu verbreiten und die Länder damit auszubeuten. Unter General Rios Montt kam es zu über 15`000 politisch interessierten Morden und zu tausenden wurden vor allem die indigene Bevölkerung hingerichtet. Diese Schreckensjahre nahmen erst 1996 ein Ende, denn damals wurde von allen Parteien ein Friedensvertrag unterzeichnet und einen neue Regierung gestellt. Leider wuchert die Korruption weiter und die reichen werden immer reicher und die armen immer ärmer. Dies beobachten und hören wir in diesen Ländern tagtäglich. Die lateinamerikanischen Länder waren nicht immer so arm und unsicher, nein, sie wurden durch fremd Eingriffe, so geformt wie sie heute sind! Wer mehr zu diesem bedrückenden Thema lesen will, dem empfehlen wir das Buch „Die Schock Strategie – Der Aufstieg des Katastrophen Kapitalismus“. In unseren Köpfen schwirren manchmal diese bedrückenden Gedanken herum, doch sie helfen uns, Lateinamerika besser zu verstehen. Aber jetzt wieder zurück zu unseren Erlebnissen in Guatemala.

Bereits auf der Fahrt nach Antigua Guatemala sahen wir viele guatemaltekische Frauen, die sehr traditionell mit farbigen Tüchern gekleidet waren. Wir fühlten uns fast wieder nach Bolivien versetzt. Aber Tradition und Moderne liegen hier viel näher beieinander, denn neben einen farbenfrohen traditionellen Markt sahen wir am Strassenrand die Werbeschriften von Fastfoodketten wie Mc Donalds oder Taco Bells. Die US-amerikanisierung lässt sich leider auch hier nicht aufhalten. Obwohl wir bei den Guatemalteken und eigentlich in ganz Mittelamerika eine eher antiamerikanische Haltung bemerkten, spielt dies natürlich bei der Oberschicht keine Rolle mehr und man will modern sein und dementsprechend auch „modern“ essen und leben.

Die Landschaften änderten schon kurz nach der Grenze und die Strassen wurden kurviger, da Guatemala über ein gebirgiges Hochland verfügt. Wir kamen gut voran, doch als wir uns Guatemala-Stadt näherten, begann der Verkehr zu stocken. Um den Stadtmoloch auf der Panamericana zu durchqueren, brauchten wir über drei Stunden. Der Verkehr schien vielerorts kurz vor dem Zusammenbruch und die rücksichtslose Fahrweise der Guatemalteken macht das ganze noch schlimmer. Als wir endlich das Chaos aus Blech und Abgasen hinter uns lassen konnten, war es noch ein Katzensprung bis in die Stadt Antigua-Guatemala. Antigua, wie die ehemalige Hauptstadt, kurz genannt wird, liegt im Panchoytal am Fusse des Vulkans Agua. Antigua war ehemals die Hauptstadt des Generalkapitanates Guatemala, das die fünf Provinzen Costa Rica, Nicaragua, El Salvador, Honduras und Guatemala umfasste, und über 200 Jahre (bis 1773) wirtschaftliches, geistiges und kulturelles Zentrum des Subekontinents war. Heute ist Antigua ein lebendiges Kulturdenkmal und konnte viel von der Atmosphäre aus dieser Zeit erhalten. Die Stadt verfügte über 50 Kirchen und Kapellen, doch seit dem verheerenden Erbeben liegen die meisten als Ruinen verstreut über die ganze Stadt verteilt. Wir genossen es durch die schönen Gassen zu schlendern und wieder mal in ein Café einzukehren. Die Stadt hat Ambiente und zog uns sogleich in ihren Bann. Neben Sucre in Bolivien, ist dies wahrscheinlich die schönste Stadt, die wir auf unserer Reise besucht haben. Natürlich darf in einer solchen grossartigen Stadt ein schöner Markt nicht fehlen. Neben dem allgemeinen Markt gibt es sogar einen grossen Kunsthandwerkermarkt, wo viele schöne Stoffwaren, Lederwaren und Jadesteine hauptsächlich für die Touristen verkauft werden. Die schönen Produkte faszinierten uns und Flavio konnte sich seinen Bubentraum einer schönen Machete (Buschmesser) erfüllen.

Normalerweise ist es in Städten gar nicht einfach einen Schlafplatz zu finden, doch in Antigua ist bekannt, dass man auf dem Gelände der Polizei campieren darf. So verbrachten wir drei ruhige Nächte, mitten in der Stadt, nur wenige Blocks vom Markt und der „Plaza Central“ entfernt. Die Polizisten waren immer für einen „Schwatz“ zu haben und freuten sich, dass wir Spanisch sprechen konnten. Ach auf dem Markt kamen wir beim handeln und feilschen mit einigen Einheimischen in Kontakt und genossen es ein bisschen mehr über Guatemala und deren Leben zu erfahren. Auf dem Markt hörten wir immer wieder andere Sprachen und nicht Spanisch. Heute werden 21 Mayasprachen in Guatemala gesprochen und je nach Region wird eine komplett andere Sprache mit eigener Grammatik gesprochen. Indigene verschiedener Stämme können sich auch nur über die offizielle Landesprache Spanisch verständigen. Doch ein Teil der Sprachen ist heute vom Aussterben bedroht und ein Hauptgrund dafür ist die Diskriminierung der Maya innerhalb der guatemaltekischen Gesellschaft. Um den Kindern zu ersparen, dass sie überall anhand der Sprache als „Mayas“ erkannt werden, vermitteln viele Eltern ihren Kindern nur noch Spanisch. Dadurch wird in den nächsten Jahren bedauerlicherweise viel Kultur verloren gehen.

Von Antigua fuhren wir über kurvige Strassen westwärts in Richtung des Atitlan-Sees. Bei einer der vielen Polizeikontrollen mussten wir schliesslich halten und unsere Papiere zeigen. Die jungen Polizisten konnten keine Unstimmigkeiten finden und so wollten sie uns schliesslich anhängen, dass wir keine Sicherheitsgurte getragen hätten. Nach langer Diskussion und ein bisschen einem schärferen Ton konnten wir schliesslich weiterfahren. Nachdem wir die Panamericana verlassen hatten, schlängelte sich die Schlagloch übersäte Strasse den Abhang hinunter. Schon bald boten sich uns beeindruckende Ausblicke auf die drei Vulkane, die den See umgeben. Nach einer verrückten Schlagloch-Slalomfahrt kamen wir endlich auf dem Grundstück von Pierre an. Wir bekamen den Platz von anderen Reisenden empfohlen und fühlten uns von Anfang an sehr wohl. Wir campierten auf einem super schönen Platz mit Ausblick auf den Vulkan San Pedro. 

Einmalige Aussicht auf die Vulkane Toliman, Atitlan und San Pedro
Einmalige Aussicht auf die Vulkane Toliman, Atitlan und San Pedro

Pierre ist gebürtiger Franzose, doch lebt schon seit 26 Jahren in Guatemala und hat ein grosses Grundstück direkt an Atitlan-See. Er vermietet vor allem Apartments an Rentner und Aussteiger aus den USA und Kanada und freut sich auch immer wenn Overlander für ein paar Nächte vorbei kommen. Schon als wir auf das Grundstück fuhren, entdeckten wir einen neuen 4x4 Sprinter mit Zürcher Nummernschild. Das Pärchen, Jan und Marita, kommt aus dem Zürcher Oberland und reist seit gut einem Jahr von Norden nach Süden. Bereits bei der Ankunft wurden wir gerade zum „Zmittag“ eingeladen. Wir genossen es uns wieder mit Schweizern plaudern und natürlich auch Reisetipps auszutauschen. Die Tage am Atitlan-See vergingen wie im Flug. Wir unternahmen einige schöne Wanderungen am um den See, gingen zum Brunch nach San Pedro auf der anderen Seeseite, pflegten unseren Bus und genossen das gemütlich Zusammensitzen mit den anderen Leuten auf dem Grundstück. Jeden Abend gab es einen kleinen Apero, wo man sich mit den anderen Bewohnern zu einem Drink traf. Es gab einen richtig schönen Austausch und wir genossen die gemütlichen Gespräche.

Aus zwei Nächten wurden schlussendlich deren sechs! Dies spricht für diesen wunderschönen Platz! Aber einmal muss es weitergehen und so brachen wir ausgeruht frühmorgens auf um bis an die mexikanische Grenze zu fahren. Der Bus kletterte flink die steilen Spitzkehren hinauf, doch auf einmal ging auch im 1. Gang nichts mehr. Der Motor hatte für diese verrückte Steigungen und das grosse Gewicht einfach nicht genug Kraft. Es ging nicht mehr vorwärts und nur noch mit rutschenden Reifen rückwärts. Schon ein komisches Gefühlt wenn fast vier Tonnen schieben und die Vorderreifen fast nicht mehr greifen. Leider haben wir kein Untersetzungsgetriebe, somit blieb nichts anders übrig als abzuspecken.

Dieselkanister, Wasserkanister und anderes schweres Zeug an den Strassenrand und nochmals versuchen. Leider klappte es auch so nicht. Demotiviert und deprimiert setzten wir uns an den Strassenrand und warteten auf vorbeikommende Fahrzeuge. Viele kleine Personenwagen fuhren vorbei, bis endlich eine Gruppe Jungs mit einem Pick-up halt machte und uns ihre Hilfe anbot. Bald hatten wir fast unseren ganzen Haushalt auf ihren Pick-up umgeladen und dann ging es ein bisschen besser vorwärts, doch leider nicht bis oben. Nach gut drei Stunden mit mehreren Anläufen und mit fast verbrannter Kupplung schafften wir es auf ein weniger steiles Strassenstück. Hurra!!!

Leider war die steile Strasse noch nicht zu Ende und mit bis zum zerreissen gespannten Nerven fuhren wir im 1. Gang Vollgas weiter. Leider verliess uns das Glück nochmal und es ging nichts mehr...Mit kochendem Kühlwasser und keinem Vortrieb stiegen wir fluchend aus! Also warfen wir einige schwere Sachen an den Strassenrand um nach einer Abkühlpause wieder probieren. Diesmal schafften wir es und fuhren gerade weiter bis wir am höchsten Punkt ankamen. Im nächsten Dorf überredeten wir einen Tuk-Tuk Fahrer, dass er mit uns die zurückgelassenen Sachen holen kommt. Eine Stunde später waren wir wieder abfahrbereit und bald bogen wir wieder auf die Panamerican ein. So ohnmächtig hatten wir uns während der ganzen Reise noch nie gefühlt und wir hoffen, dass dies das erste und auch das letzte Mal war. Am selben Tag fuhren wir noch über eine Schlagloch-übersäte Strasse bis fast an die Grenze von Mexico. Beim Hotel Valle Occidental duften wir für eine Nacht auf dem Parkplatz übernachten und fielen todmüde ins Bett und träumten von unseren Erlebnissen in Mittelamerika. Bis jetzt gefällt uns Mittelamerika sehr gut, doch irgendwie macht uns die Armut hier mehr zu schaffen und wir fühlen uns manchmal ein bisschen weniger sicher als in Südamerika. Costa Rica, Nicaragua und Guatemala sind bis jetzt unsere Favoritenländer in Mittelamerika.

In den nächsten 10 Tagen werden wir den Süden von Mexico bereisen und in der zweiten Aprilwoche fliegen wir nach Buenos Aires um an einer Hochzeit eines befreundeten Paares teilzunehmen "Luke und Cata ya venimos!!!"! Daher sind wir jetzt ein bisschen schneller gereist. Nächstes mal melden wir uns aus Mexico...Hasta Luego!

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Kommentare: 3
  • #1

    Jan & Marita (Sonntag, 27 März 2016 18:59)

    Hallo Ihr Zwei Weltenbummler
    Uns hat es mächtig Spass gemacht Euch beide am Lago de Atitlán kennen zu lernen. Gerne würden wir Euch zwei wieder Mal zum Zmittag einladen.
    Ihr scheint ja wirklich einen üblen Aufstieg gehabt zu haben. Hoffentlich kommen wir da besser wieder raus...
    Weiterhin gute Fahrt und viel Spass in Mexiko

  • #2

    Flathy (Dienstag, 29 März 2016 16:22)

    Danke für den Eintrag! War super euch zu treffen und vom Norden zu hören! Auf der Reise werden wir uns nicht mehr sehen, doch euch alles Gute und pannenfreie Fahrt! Bis irgendwann in der Schweiz! Flavio&Nathy

  • #3

    Bernardo (Dienstag, 29 März 2016 21:08)

    Hola Amigos,
    Fantástico, muy, muy interesante vuestro reportaje, pequeña lástima que vosotros no han visitado Tikal en Guatemala. Pero hay tantas cosas a ver que vosotros deben tomar prioridades. Si tienen tiempo Palenque (Estado de Chiapa) y Monte Albán (cerca de Oaxaca) serían sitios antiguos muy interesantes en el sur de México.
    Ich hätte Lust Euch noch einige Orte in Mexico zu empfehlen aber möchte Euch nicht zu fest belästigen. Ich wünsche Euch weiterhin viel Glück und viel Vergnügen in Buenos Aires.