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Flathy

Wir waren 22 Monate unterwegs und sind nun wieder zu Hause in der Schweiz!

Ecuador - von kurvigen Strassen, vom Inca-Trail und vom Regenwald

28.12.2015 – 14.01.2015: Vilcabamba – Loja – Cuenca – NP Cajas – Alausi – Camino del Inka – Guamote – Salinas – NP Chimborazo – Ambato – Baños – Tena – Puerto Barantilla – Runa Huasi – Tena –Baños – Quito [Route]

Ecuador eine Perle von einem Land! Wunderschöne Landschaften, sehr kurvige und schöne Asphaltstrassen, atemberaubende Berge, Vulkane und saftig grüne Regenwälder. Dies haben wir in den letzten Wochen erfahren und mit eigenen Augen gesehen. Wir sind begeistert!

Das Aussteigerdorf Vilcabamba verliessen wir in nördlicher Richtung um schon bald in die Stadt Loja einzufahren. 

Im gut bestückten Supermarkt „Supermaxi“ gibt es alles was das Herz begehrt, doch leider finden wir keinen 110V/220V Spannungswandler.  Denn seit wir in Ecuador Reisen wird nicht nur in Dollar und Gallonen gerechnet, nein, es gibt an der Steckdose auch nur noch 110V Spannung und damit funktioniert unser Batterieladegerät nicht richtig. Aber gleichwohl sind die Distanzen in Kilometer und nicht in Meilen angegeben. Ein richtiger Mix zwischen US-Amerikanischen und Europäischen Massangaben. Nach kurzer Suche wurden wir fündig und können uns einen Spannungswandler kaufen, so dass wir nun unsere Geräte wieder mit 220V betrieben können.

Mit Regentropfen auf der Scheibe verliessen wir Loja um über eine sehr kurvige Strasse bis nach Cuenca zu gelangen. Das ganze Andenhochland in Ecuador ist sehr hügelig und gebirgig, es gibt praktisch keine flache oder gerade Strassenabschnitte. So quälten wir unseren Bus, schwarz rauchend, die Steigungen hoch. Manchmal ging es mit unserem grossen Gewicht, in der grossen Höhe, nur noch im ersten Gang weiter. Diese Erscheinungen kommen alle von der sehr schlechten Dieselqualität, welche in Ecuador verkauft wird. Wir haben einen um etwa 30% höheren Verbrauch als Normal und gefühlt auch etwa 30% weniger Leistung.

Doch auch so erreichten wir nach einer langsamen Fahrt die Stadt Cuenca. Mit der App I-Overlander fanden wir schnell einen guten Schlafplatz ein bisschen ausserhalb der Stadt. Wir durften auf einem grossen Reiterhof übernachten und bewunderten die schönen Pferde. Schon bald wurden wir auf einen schönen VW Bus aufmerksam und es stellte sich heraus, dass unsere Nachbarn, Chris und Sandra aus Kanada nach Süden unterwegs sind. Wir verbrachten mit dem jungen Pärchen zwei gemütliche Abende und besuchten auch die Stadt Cuenca. Chris und Sandra hatten Probleme mit dem Zylinderkopf ihres VW-Busses, welcher schon Jahrgang 1976 hat. Doch da Chris gelernter Automechaniker ist, demontierte er auf dem Kiesplatz den halben Motor um das Problem zu finden. Es zeigte sich schnell, das es die Ersatzteile in Ecuador nicht gibt und so mussten die beiden auf eine Lieferung aus Kanada warten.

Die Stadt konnte uns nicht so richtig in ihren Bann ziehen, so dass wir nach zwei Tagen in Richtung Cajas Nationalpark aufbrachen. Auf 4000 m.ü.M. Angekommen, wurden wir in Wolken und Regen gehüllt, so das wir noch am selben Tag bis in das Städtchen Alausi weiterfuhren. Das kleine Städtchen liegt eingebettet inmitten grosser grüner Hügel. Bei einem Bed and Breakfast konnten wir im Innenhof Übernachten. Wir machten einen Ausflug nach Guamote, ein kleines Bergdorf, welches immer Donnerstags seinen grossen Markttag hat. In Guamote scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, die Bewohner der umliegenden Dörfer kommen Donnerstags mit schwer bepackten Lamas und Eseln auf den farbenfrohen Markt. Die Bewohner kommen alle mit ihren unterschiedlichen Trachten und als Tourist fällt man richtig auf, denn der Markt ist anscheinend nicht häufig von Touristen besucht. Für uns war es unmöglich uns unauffällig zu bewegen oder gar zu fotografieren, denn die Blicke hafteten richtig auf uns. Die Leute sind eigentlich sehr interessiert aber auch sehr zurückhaltend und scheu, so kamen wir nicht mit vielen ins Gespräch. 

Nach paar Stunden im Mittelpunkt waren wir froh, als wir im Bus nach Alausi sassen. Silvester feierten wir mit einem deutschen Pärchen in Alausi. Im ganzen Städtchen wurden Lebensgrosse Figuren mit Kleidern in Szene gestellt und politisch brisante Themen aufgegriffen. Auf der Plaza gab es eine grosse Bühne und wie fast immer zählte die Lautstärke und nicht die Qualität der Musik. Um Mitternacht wurde mitten in den Leuten ein grosses Feuerwerk gezündet und die Pappefiguren wurden überall auf der Strasse angezündet und verbrannt. Wir genossen die ausgelassene Stimmung und fielen am Neujahrstag todmüde ins Bett.

Die ersten Tage im Jahr wollten wir in den Bergen auf dem Inka-Trail verbringen. Dabei handelt es sich um ein Teilstück eines sehr alten Inka Weges welcher Quito mit Cusco verbunden hat. Der Weg führt durch typische Hochanden Landschaften auf über 4000 m.ü.M. Um ins Ausgangsdorf Achupallas zu gelangen machten wir uns am 1. Januar auf die Suche nach einem Pick-Up Taxi, doch wir fanden keinen der uns nach der Neujahrsfeier fahren wollte. Schliesslich fanden wir einen nicht betrunkenen Lastwagenfahrer, welcher bereit war uns nach Achupallas zu fahren. In dem auf 3300 m.ü.M. gelegenen Dorf herrschte noch am Neujahrstag am Abend ausgelassene Stimmung und betrunkene lagen in den Strassen. Wir waren froh, als Doña Ines uns das Tor zu ihrer Unterkunft aufmachte und wir ein Zimmer für die Nacht beziehen konnten. Beim Nachtessen erzählte Doña Ines uns von vergangenen Tagen und von Leuten, welche zwei weitere Tagesritte von dort leben. Was für ein hartes Leben dies sein muss!

Am kommenden Morgen verabschiedeten wir uns und machten uns mit den schweren Rucksäcken auf den Weg. Da dieser Inka-Trail anscheinend wenig begangen wird, wurden wir überall mit Handschlag begrüsst und die Leute waren sehr neugierig was wir da vor hätten. Doch schon bald liessen wir die letzten Hütten hinter uns und der Weg stieg immer steiler an. Schon bald machten uns die dünne Luft und die schweren Rucksäcke zu schaffen und wir mussten immer wieder Pausen einlegen. Todmüde kamen wir am Nachmittag bei einer Lagune an und konnten unser Zelt an einem windgeschützten Ort auf über 4200 m.ü.M. aufstellen. In der Nacht fielen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt und es setzte auch noch Regen ein. Immer wieder sahen wir in der Ferne Blitze von Gewittern und hofften, dass diese Gewitter nicht bis zu uns kommt. Wir konnten wegen der Höhe lange nicht einschlafen, doch bis zu den ersten Sonnenstrahlen konnten wir gleichwohl noch paar Stunden schlafen. Am Morgen war alles gefroren inklusive unseres Zelts. Mit kalten Knochen stiegen wir noch bis knapp 4500 m.ü.M. auf und dann ging es erstmals wieder in ein Tal hinunter. Die Wolken wurden immer dichter und der nächste Anstieg setzte uns wieder zu. Am Nachmittag hatten wir den nächsten Schlafplatz erreicht, doch da wir keine Lust auf eine zweite Nacht auf 4000 m.ü.M. hatten und unsere Muskeln schmerzten, wanderten wir weiter bis wir eine Rangerstation des Nationalparks Sangay erreichten. Wie es sich herausstellte, hatten die Ranger gerade Schichtwechsel und zwei fuhren mit dem Pick-Up ins Tal und wir konnten gerade mitfahren. So konnten wir einer weiteren kalten Nacht entgehen und schliefen bald todmüde in unserem Bus ein. 

Für nächste mal würden wir ein einfacheres Trekking in nicht so grosser Höhe wählen, denn mit den grossen Rucksäcken kamen wir an unsere Grenzen. Tags darauf ging es für uns weiter am 6300 m.ü.M. hohen Chimborazo vorbei nach Salinas. Ein kleines Bergdorf, in dem ein Schweizer eine Käserei eingerichtet hatte und dort wird noch heute nach Schweizer Rezeptur Käse hergestellt. Nach einer schönen Fahrt erreichten wir die Käserei und besuchten den Käseladen. Natürlich kauften wir Tilsiter und Gruyere, unseren Lieblingskäse. Wir durften die Nacht auf dem Käserei Gelände verbringen und schon am Morgen um 6 Uhr ging es mit den Milchanlieferungen los. Aber nicht wie wir das heute von den Grosskäsereien kennen, nein, eher so wie es im Emmental vor etwa 100 Jahren gewesen sein muss. An unserem Bus zogen Bauern, Lamas und Esel mit schweren Milchkannen beladen vorbei. Bei der Annahmestelle wurde jede einzelne Milchkanne gewogen und dann in einen Auffangbehälter geleert. Die Bauern wurden pro Liter bezahlt und konnten ihr Geld im Käserei Laden abholen. Wir kamen uns wie auf einer Zeitreise in die Vergangenheit vor und genossen diese Idylle, welche wir heute in unserer Leistungsgesellschaft manchmal vermissen.

Baños, unser nächstes Ziel erreichten wir nach gut fünf stündiger Fahrt. Die Strasse schlängelte sich in immer grüner werdende Täler hinunter und bald hatten wir den, am Fusse des Vulkans Tungurahua, gelegenen Wallfahrtsort erreicht. Baños ist für Eucadorianer wie auch Touristen ein beliebter Urlaubsort. Es sind in erster Linie das angenehme Klima, die warmen Thermalquellen und die schöne Lage der Stadt, die Baños so beliebt machen. Wir geniessen die aufgeräumte Stadt und besichtigen den gerühmten Zoo. Endlich sahen wir einmal einen Kondor von ganz nahe, die immense Grösse diese Vogels beeindruckt uns immer noch. Der Zoo hatte sonst nicht viel zu bieten, bis auf viele Vögel in viel zu kleinen Käfigen.

Um wirklich wieder mal Tiere zu sehen nutzen wir Baños als Tor nach Amazonien und reisten per Bus ins Oriente. Oriente wird die Regenwaldregion Ecuadors genannt. Wir haben von dem Projekt „Selva Viva“ (Lebendiger Regenwald) gehört und wollten dieses Regenwaldschutzgebiet bereisen. Nach gut 6 Stunden Busfahrt kamen wir in Puerto Barantilla an und von dort ging es in der schwülen Hitze per Kanu zu unsere Unterkunft „Runa Huasi“. Wie sich herausstellte waren wir die einzigen Gäste, in der von den Kichwa Gemeinde (Indianergemeinde) geführten Lodge. So genossen wir die vollste Aufmerksamkeit von unserem 24 Jährigen Guide namens Felix. Wir konnten unser Programm selber zusammenstellen und machten einige interessante Ausflüge mit unserem Guide. Unter anderem besuchten wir die Tierauffangstation „AmaZoonico“, welche sich verletzten oder auf dem Schwarzmarkt konfiszierten Tieren widmet. Es gibt fast alle im Regenwald heimischen Tiere wie Ozelot, Nasenbär, Klammeraffe, Anaconda, Pekari, Tukan und Ara zu sehen. Wir genossen die Führung durch diesen Zoo im Regenwald. Doch anscheinend können etwa nur 5% der Tiere wieder ausgewildert werden und viele sind verdammt um bis zu ihrem Tod in den Käfigen zu leben. Weiter führte uns unser Guide in die Kunst des Goldwaschens und des Fischens ein. Nathy versuchte ihr Glück beim Goldwaschen und brachte paar Milligramm zum Vorschein, doch leider wird dies nicht reichen um unsere Reise zu finanzieren. Also versuchte Flavio mit dem Wurfnetz einen Fisch für das Abendessen zu fangen, doch auch dies trug keine Früchte.

Am letzten Tag machten wir noch einen Besuch bei einer Kichwa Familie und konnten das Leben im Regenwald hautnah erleben. Es war wunderbar zu sehen, wie naturnah die Menschen noch heute Leben und wie viel sie noch über Heilpflanzen wissen. Sogar der 24 Jährige Felix verfügt noch über ein grosses Wissen bezüglich Pflanzen und Kräutern., doch wie viel davon noch an die nächste Generation gehen wird ist ungewiss. Was natürlich nicht fehlen durfte, war Blasrohrschiessen. Wir konnten mit einem typischen Jagdblasrohr üben. Natürlich schossen wir ohne die vergifteten Pfeile auf eine Uhu Zielscheibe. Abends wurde für uns immer gekocht und wir genossen das leckere Essen, welches meist aus Reis, Kochbanane und Fleisch bestand. Todmüde fielen wir Abends ins Bett und Morgens wurden wir von vorbeiziehenden Affen geweckt. Was für ein schönes Erwachen. Durch die Wände aus Moskitonetz konnten wir vom Bett aus die Affen mit unseren Blicken in den Baumwipfeln verfolgen.

Nach erlebnisreichen Tagen ging es per Kanu und Bus wieder zurück in die Zivilisation und für uns nach Baños, wo unser Campingbus auf uns wartete. Zurück in Baños bezogen wir wieder unseren Bus und verbrachten noch eine letzte Nacht in Baños bevor wir uns auf den Weg in Richtung Quito machten. Schon 100 Kilometer vor Quito wurde aus der sehr gut ausgebauten Strasse eine dreispurige Autobahn. Wir sind beeindruckt wie gut das Strassennetz in Ecuador ausgebaut ist, überall gibt es besten Asphalt, grosse Kreisel und neue Markierungen. In den letzten 10 Jahren wurde sehr viel Geld aus dem Erdölgeschäft in bessere Infrastruktur und Bildung in ganz Ecuador investiert und dies trägt nun Früchte. Es entsteht ein Bewusstsein für die Natur, es gibt viel weniger Müll neben der Strasse als in anderen südamerikanischen Ländern und die Leute sind stolz auf ihr Land. Gleichwohl ging noch nicht viel von der indianischen Tradition verloren und gerade dieser Mix macht dieses Land für uns so unheimlich spannend und attraktiv.

Also fuhren wir auf diesen neuen Strassen entlang der Vulkane, wie es aber das Wetter wollte, konnten wir keinen der hohen Vulkane sehen, da die Gipfel von Wolken umhüllt waren. Leider blieb uns der Blick zum Vulkan Cotopaxi verwehrt. Nachmittags kamen wir in der Hauptstadt, welche auf knapp 3000 m.ü.M. liegt, an. Erstaunlicherweise kamen wir im Grossstadtjungel gut voran und erreichten schon bald den Parque Carolina im Zentrum der Neustadt. Dieser grosse Parkt, dient den Quiteños als Sportpark und wir konnten auf einem Parkplatz direkt neben der Polizeistation übernachten. In unmittelbarer nähe gibt es Shopping-Malls, Kinos und viele Reisebüros. So machten wir uns auf die Suche nach zwei Reisebüros unserer Wahl um uns über Galapagos Last-Minute Angebote zu erkundigen. Stunden später hatten wir drei Angebote im Sack, doch von einem Schnäppchen konnte gleichwohl nicht gesprochen werden. Eine Nacht haben wir über die saftigen Preise geschlafen und am nächsten Morgen haben wir, beim von zwei Schweizerinnen geführten, Reisebüro „Cometa Travel“ eine 8-tägige Galapagoskreuzfahrt gebucht. Netterweise erhielten wir einen grosszügigen Last-Minute Preis für eine Kreuzfahrt mit der Yacht Angelito vom 17. - 24. Januar. Nun geht unser Traum eines Besuches dieses einzigartigen Naturparadies in Erfüllung! So hiess es für uns, dass wir noch einige Tage in der Umgebung Quito zu Verfügung haben. Da sich die Sonne nur selten zeigte und es sogar ab und zu regnete machten wir einen Tagesausflug zu den Thermen de Papallacta. Diese Naturthermen sind in einem schönen grünen Tal eingebettet und warten mit verschieden warmen bis heissen Becken auf. Wir genossen die heissen Bäder und die Abkühlung im danebenliegenden Bergbach. Dieser Thermenbesuch war einer der schönsten, den wir bis jetzt in Südamerika gemacht haben und die Anlage war sehr sauber und gepflegt. Auf dem Thermenparkplatz kamen wir wegen seiner schönen KTM 990 Adventure mit Luis ins Gespräch. Der gebürtige Ecuadorianer lebt auf Galapagos und reist schon seit mehr als einem Jahr mit seiner KTM in Südamerika umher. Hier in Ecuador beneiden wir Luis um seine schöne KTM und wünschten uns auch manchmal auf zwei Rädern um die Ecken zu flitzen. Doch beim schlafen möchten wir nicht mit ihm tauschen, da lieben wir unser schönes zu Hause. Entspannt kamen wir am Abend wieder im Parque Carolina in Quito an und verbrachten eine ruhige Nacht im Park. In den kommen Tagen werden wir noch die Altstadt von Quito erkunden und noch das Denkmal „Mitad del Mundo“ auf dem Äquator besuchen. Denn schon bald werden wir von der Südhalbkugel auf die Nordhalbkugel unseres Planten wechseln. Wir freuen uns sehr auf unsere Galapagos Reise und was wir dort erleben werden könnt ihr im nächsten Reisebericht lesen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Panamericana flathy (Mittwoch, 13 Januar 2016 21:53)

    Hallo zäme
    Das ist ein schöner Reisebericht über Ecuador! Sehr spannend, was ihr alles erlebt.
    Dieses Land begeistert uns nur vom Lesen!!!
    Wir wünschen euch eine schöne Weiterreise und alles Gute
    Annemarie und Armando



  • #2

    Rosalie Mathys (Donnerstag, 14 Januar 2016 08:10)

    Hallo ihr beiden! Lese mit intresse eure reiseberichte.....wunderschön auch die bilder