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Flathy

Wir waren 22 Monate unterwegs und sind nun wieder zu Hause in der Schweiz!

Paraguays wilder Chaco und die Weiterreise nach Peru

16.11.2015 – 10.12.2015: Asuncion – Altos – Colonia Neuland – Estancia Loninga – Mariscal Estigarribia – Rosaleda – Filadelfia – Asuncion – Jose Falcon (Paraguay/Argentinien) – Paso de Jama (Argentinien/Chile) – Calama – Arica – Paso Concordia (Chile/Peru) – Tacna - Arequipa [Route]

Flaschenbaum im Chaco
Flaschenbaum im Chaco

Die Tage bei René und Marion vergehen wie im Fluge. Ab und zu schauen wir in der Werkstatt in Asuncion vorbei und machen uns ein Bild von den Arbeiten am Getriebe. Nachdem auch das letzte Kugellager als Ersatzteil gefunden wird, kann endlich das ganze Getriebe wieder zusammengebaut werden. Butterweich lassen sich nun wieder die Gänge einlegen und bald schon fahren wir wieder nach Nudelhausen. Schliesslich hat Nathalie am 12. November Geburtstag und den wollen wir feiern. Wie es der Zufall will, hat René für diesen Abend einige Freunde zu einem Grillfest eingeladen. Schon bald Schmücken wir den Festplatz mit der Grillstelle, während Nathys Geburtstagskuchen im Ofen backt. 

Wir verbringen einen gemütlichen Abend mit feinem Essen vom Grill. Es wird ein gelungener Geburtstag und Nathy kann alle 28. Kerzen auf einmal auspusten. Wer aus der Schweiz kann sonst im November bei über 30°C Geburtstag feiern und im Pool baden! Am Wochenende ist es dann so weit, nach knapp sieben Wochen müssen wir von Pascal und Annina Abschied nehmen, denn von jetzt an geht es für die Beiden Richtung Süden. Amigos, Danke für die schönen Zeit!

Wir bleiben vorläufig noch in Paraguay, da wir auf Ersatzteile aus Deutschland warten. Die Wartezeit wollen wir Nutzen um den paraguayischen Chaco zu erkunden. Ein sehr trockenes und spärlich besiedeltes Gebiet, welches erst im 20. Jahrhundert von Mennoniten und anderen Pionieren besiedelt und bebaut wurde. Von diesen Einwanderern stammen auch die vielen Deutschstämmigen Namen wie Neu-Halbstadt, Filadelfia, Neuland. Heute leben die Bewohner des Chacos meist von der Viehzucht und Landwirtschaft. Bei sengender Hitze fahren wir auf der Ruta 2 Richtung Nordosten. Zunächst ist die Landschaft noch sehr grün und sumpfig, die Strasse ist von Palmenwälder gesäumt und das Vieh kaut saftiges Gras. Je weiter wir in den Chaco vordringen so ändert sich dies stetig, der Boden wird sandiger und trockener und die Asphaltstrasse immer schlechter. Nach 500 Kilometer kommen wir in Neuland an. Nun geht es über Erdstrassen bis zur 70 Kilometer entfernten Estancia Loninga. Die Estancia Loninga wird von dem Schweizer Paar, Barbara und Hansueli geführt. Sie verfügen über 500 Hektaren Land und darauf grasen 350 Rinder. Die tägliche Arbeit mit den Rindern wird hoch zu Ross ausgeführt und zu diesem Zweck weiden 14 Pferde auf dem Grundstück. Weiter bevölkern Schweine und Hühner den Hof.

Herzlich werden wir bei den zwei Grossgrundbesitzern aufgenommen und schon bald reiten wir über die Felder um die Rinder zu kontrollieren. Die folgsamen Pferde bringen uns ganz nah an die verschiedenen Rinderherden und auch die Wasserversorgung des Grundstücks lernen wir kennen. Denn ohne Wasser geht auch hier gar nichts und Regen fällt meist nur in den Wintermonaten, die restlichen 8 Monate ist es häufig sehr trocken und heiss. Für das Brauchwasser im Haus wird Regenwasser in unterirdischen gemauerten Zisternen gesammelt. Für die Rinder gibt es auf dem Grundstück einen unterirdischen Brunnen, welcher aus knapp 300 Meter, Wasser an die Oberfläche fördert.

Netterweise können wir im Gästezimmer mit Klimaanlage schlafen, denn bei über 30°C in der Nacht wäre es im Campingbus auch nicht sehr angenehm. Bei diesem heissen Wetter machen die beiden jeden Mittag Siesta und auch wir legen uns nach dem Essen kurz aufs Ohr, da die Temperaturen einfach mörderisch sind. Am zweiten Abend erleben wir ein gewaltiges Gewitter und alle freuen sich über den ersten Regen. Hansueli holt schon bei den ersten Regentropfen und Donnerschlägen eine Flasche Whisky und sogleich stossen wir auf den Regen an. Denn, im extrem trockenen Chaco gilt: Regenwetter ist gutes Wetter! 

Nach lehr- und erlebnisreichen Tagen auf der Estancia fahren wir unser nächstes Ziel, Rosaleda, an. Die Schweizer Auswandererkolonie Rosaleda liegt nochmal zwei Autostunden weiter im Chaco. Über Schlaglochasphalt fahren wir bis Mariscal Estigarribia und von dort geht es nochmals über 30 Kilometer üble Piste bis in das Schweizer Dorf im Chaco. Rosaleda leidet dieses Jahr unter der extremen Trockenheit, doch Regen ist noch keiner in Sicht. Seit einem Jahr verfügt Rosaleda Anbindung an das staatliche Stromnetz, doch noch viele, der heute nur noch 20 Bewohner, versorgen ihr Haus mit der eigenen Solaranlagen. Auf Empfehlung von Hansueli besuchen wir das ursprünglich aus dem Emmental stammende Schweizer Ehepaar, Ruth und Beat. Sie empfangen uns herzlich auf ihrem Grundstück. Bei über 40°C und stahlblauem Himmel nehmen wir den kalten Tereré, mit Eis getrunkener Mate-Tee, gerne entgegen. Die zwei, heute 70 Jährigen, sind vor 17 Jahren ausgewandert und haben sich ein Grundstück in der Gemeinschaft Rosaleda gekauft. Der gelernte Maurer Beat hat mit den Indianischen Landsleuten ein schönes Wohnhaus mit drei Zisternen für die Wasserversorgung gebaut. Wir können auf ihrem Grundstück Campen und an ihrem Alltag teilhaben. Wir geniessen die Gastfreundschaft und freuen uns an den vielen Ziegen, Esel und Hühnern.

Von den Beiden erfahren wir viel über die Geschichte von Rosaleda.

"In den Anfangszeiten, da wohnten etwa 80 Personen in Rosaleda, es gab eine eigene Schule mit einem Schweizer Lehrer", erzählt uns Beat am Abend am Lagerfeuer. Wir hören viele interessante Geschichten aus den Pionier Jahren. Lebhaft können wir uns diese lebendige Kolonie vorstellen und bedauern das rapide schrumpfen der Bewohner. "Das heisse und menschenfeindliche Klima im Chaco, ist nicht Jedermanns Sache und wenn einer mit sich selber nicht im Reinen ist, hält er es hier nicht lange aus", erzählt Beat weiter. Der Grundgedanke der Kolonie, möglichst als Selbstversorger zu leben und die Möglichkeit, eigene Fähigkeiten weiter zu entwickeln und Projekte zu verwirklichen, gefällt uns gut. Aber in dieser Trockenheit und Hitze zu leben wäre sicherlich nichts für uns. In den kommenden Tagen näht Nathalie ein paar Hosen unter Anleitung von Ruth und Flavio kann seinen ersten Ziegenkäse selber herstellen. Denn Ruth und Beat verarbeiten die Ziegenmilch zu leckerem Quark und Käse. Wir geniessen die abwechslungsreichen Tagen bei unseren Gastgebern. Flavio macht sich in der Küche zu schaffen und zaubert jeden Mittag ein leckeres Mittagessen auf den Tisch. Darüber freut sich Ruth natürlich besonders, da sie die Zeit nun mal anders nutzen kann. Sogar den Pizzaofen, welcher mit Holz befeuert wird, heizen wir ein und machen Holzofenpizza. Jeden Abend freuen wir uns wenn sich die Sonne tiefer über den Horizont senkt, dies bedeutet nämlich, dass die Temperaturen einigermassen  angenehmer werden. Zum Abschluss des Tages genehmigen wir uns mit den Beiden jeweils ein Whisky-Cola mit viel Eis! Was für eine Wohltat nach einem glühend heissen Tag! Nach knapp einer Woche heisst es für uns wieder aufzubrechen, denn bald sollten unsere Ersatzteile ankommen und eingebaut werden.

Am letzten Tag packen wir ihrem Esel Klappstühle und Getränke auf den Rücken und machen mit den Ziegen einen Morgenspaziergang zu einer saftigeren Wiese. Die Ziegen hüpfen und fressen und freuen sich über das saftige Gras und wir vier trinken Tereré. Nach einer wunderschönen und lehrreichen Woche verabschieden wir uns von den herzlichen Gastgebern und fahren unter der brennenden Sonne in Richtung Asuncion.

Herzlichen dank an die zwei aufgestellten Emmentaler!

Nach dieser Einsamkeit kommt uns die Stadt richtig fremd und hektisch vor und wir staunen über die Vielseitigkeit Paraguays. Obwohl Paraguay nicht viele touristische Highlights hat, ist es für uns ein wirklich interessantes und abwechslungsreiches Reiseland. Dazu tragen natürlich auch die sehr fröhlichen und aufgeschlossenen Landsleute bei. Die Zeit in Paraguay neigt sich für uns dem Ende zu, denn unsere Ersatzteile sind mittlerweile angekommen. Nun heisst es für uns wieder einmal nach Asuncion in die Mercedes Werkstatt zu fahren und dort zu Übernachten. Wir verbringen wieder zwei Tage in Asuncion und leider sind am Freitag die Arbeiten noch nicht abgeschlossen, so dass wir am Montag nochmals in die Werkstatt fahren müssen. Dies heisst für uns wieder über zwei Stunden fahrt im Morgenverkehr nach Asuncion! Wir lieben es! Endlich sind alle Ersatzteile eingebaut und sogar noch die hinteren Blattfedern neu gebogen, so ausgestattet fahren wir nochmals zu René und Marion um uns richtig von ihen zu verabschieden. Wir geniessen noch einige schöne und warme Tage in Nudelhausen und lassen uns nochmals von Marions vorzüglicher Küche verwöhnen. Doch schneller als uns lieb ist, heisst es wieder Abschied zu nehmen. Bei strömendem Regen verabschieden wir uns von René und Marion und verlassen diesen schönen Fleck Erde in Richtung Argentinien. Ein grosses Dankeschön an unsere unvergesslichen Gastgeber, es war eine geniale Zeit!

Bestückt mit den neuen Ersatzteilen wollen wir in Argentinien einreisen. Doch schon bei der Ausreise aus Paraguay gibt es Probleme, auf unserem Fahrzeugdokument ist ein anderer Grenzort vermerkt und der Grenzbeamter bei der Einreise hat uns auch das falsche Doppel gegeben. Dies ist eigentlich nicht unser Problem, doch schnell wittert der Grenzbeamter Geld und so wird aus keinem Problem, auf einmal ein grosses Problem. Es wird uns angedroht, dass wir alles wieder zurück fahren müssen und am vorgegebenen, 600 Kilometer entfernten, Grenzübergang ausreisen müssen. Aber man könne das Problem vielleicht auch anders lösen... Nach langem hin und her und schlussendlich um 20 $ ärmer verlassen wir genervt Paraguay. Diesen Unmut spüren die argentinischen Zöllner und so werden alle Papiere bis ins kleinste Detail geprüft und schlussendlich wird unser Fahrzeug noch geröntgt. Wir verlassen schnellstmöglich die Grenzstation und durchqueren in zwei Tagen ganz Nordargentinien von Ost nach West. Nach einem weiteren Fahrtag überqueren wir auf über 4000 m.ü.M die Grenze nach Chile. Für die Fahrt über den knapp 5000 m.ü.M. hohen Grenzpass brauchen wir einen ganzen Tag und wieder sind wir begeistert von der eindrücklichen Natur. Ganz klein kommen wir uns als Menschen in dieser imposanten Gebirgswelt vor. Nach vier langen Fahrtagen erreichen wir den nördlichsten Zipfel Chiles, nämlich die Stadt Arica. Wir übernachten auf einem Camping in der nähe des Meers, doch vom Meer ist nichts zu hören, denn ausgerechnet an diesem Tag feiert eine Gruppe Chilenen einen Geburtstag. Nicht, dass wir was dagegen hätten, doch Reggaeton in voller Lautstärke und dies bis zum Morgengrauen, lassen nicht gerade viel Schlaf zu. In der nähe hören wir die Musik von Motorradmotoren und schon bald stehen wir an der Rennstrecke und beobachten wie die schnellen Rennmotorräder über den Asphalt flitzen. Bevor wir weiterziehen nützen wir die gute Infrastruktur Chiles um noch einige Einkäufe zu machen, einen Steinschlag in der Frontscheibe zu reparieren und den Pazifik zu bestaunen. Die Grenze zu Peru am Paso Concordia ist schnell überquert und schon fahren wir weiter durch wüstenhafte Landschaften in Richtung Arequipa.

Die weisse Stadt wartet mit vielen schönen und guterhaltenen Gebäuden und Kirchen auf. Wir flanieren durch die Gassen und geniessen das Leben in der schönen Stadt. Auf Schritt und Tritt treffen wir Weihnachtsdekorationen an, doch Weihnachtsstimmung kommt bei diesen Sommerlichen Temperaturen nicht wirklich auf. Abends besuchen wir das Frauenkloster „Santa Catalina“ aus dem 16. Jahrhundert, welches in ein Museum umgewandelt wurde. Beim Rundgang durch die grosse Klosterstadt mit ihren meterdicken Mauern, fühlten wir uns wie in der Zeit zurückversetzt. Wir Campen in Arequipa im Innenhof des Hotels Las Mercedes und nutzen die Zeit um Wäsche zu waschen, Reisebericht zu schreiben und um uns von den vielen Fahrtagen zu erholen. Im Innenhof übernachten auch noch andere Reisende, unter anderem treffen wir das pensionierte Schweizer Ehepaar Leo und Lisbeth. Sie sind nun gut zwei Jahre in Südamerika unterwegs und nun auf dem Weg nach Nudelhausen ;-)!

In den nächsten Tagen werden wir entlang der Peruanischen Küste mit einigen Zwischenhalten nach Lima fahren. Auch hoffen wir noch auf ein paar windige Tage um ein bisschen im Pazifik zu Kiten. Wir wünschen allen eine erholsame Adventszeit.

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Kommentare: 3
  • #1

    Liechti Hermann (Dienstag, 15 Dezember 2015 12:02)

    Halo dir zwei Lieben !
    Ha wider echli i euem Bricht gschnouset u die schöne Fotis agluegt. Isch scho wunderbar was Dir so aues gseht u erläbet. -
    Mir Wünsche Euch de ganz schöni Festtage u natürli gueti Witerreis.
    Ou no liebe Dank für FOTICHARTE !!
    Mit liebe Grüess
    Margrith, Nina u Grv.Hermann

  • #2

    Margret und Heinz (Samstag, 26 Dezember 2015 16:05)

    Schöne Festtage Wünschen Margret und Heinz.

  • #3

    Bernard(o) (Montag, 01 Februar 2016 20:47)

    Hola amigos,
    Vorläufig bin ich immer noch zu spät mit meinem Kommentar, aber bald habe ich alle Berichte gelesen. Ich kann so gut nachfühlen wie es ab und zu zugeht bei den Grenzübergängen. Aber Ihr macht es so gut, dass auch diese Begegnungen bald schöne Erinnerungen werden.
    Con mis mejores saludos.