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Flathy

Wir waren 22 Monate unterwegs und sind nun wieder zu Hause in der Schweiz!

Brasilien - Von Wasserfällen, viel Regen aber auch von Sonne, Strand und Kitesurfen

28.09.2015 – 19.10.2015: Buraco das Araras – Puerto Iguazu - Foz do Iguazu – Ciudad del Este – Florianopolis - Isla Santa Catarina – Sao Paulo – Fortaleza – Cumbuco [Route]

Wasser, Wasser und nochmal Wasser! Dies begleitete uns in den vergangenen und bewegten Wochen im grössten Land Südamerikas. Bereits auf der Überlandfahrt nach Puerto Iguazu setzten heftige Regenfälle ein und schon bald schalteten wir die kühlenden Ventilatoren ab und wechselten zur wärmenden Heizung. Bei strömendem Regen überquerten wir mit den zwei Schwyzern die Grenze nach Argentinien, da wir uns mit Pascal und Annina auf dem Camping Costa Ramon in Puerto Iguazu verabredet hatten. Denn wir wollten die Iguazu Wasserfälle zuerst von der argentinischen Seite bestaunen und danach von der Brasilianischen. 

Durch den regen Touristenverkehr ist dieser Grenzübergang super ausgerüstet und wir konnten die Grenzformalitäten auf der argentinischen Seite sogar aus dem Auto aus erledigen. Auch unseren Bus mussten wir nicht einmal temporär einführen, da wir uns nur ein paar Tage in Puerto Iguazu aufhalten wollten. So rollen wir schon bald entspannt durch das sehr touristische Puerto Iguazu und kommen aufgeregt auf dem Camping Costa Ramon an, wo unsere Freunde schon ungeduldig warteten! Es war ein super schönes wiedersehen nach fast zehn Monaten und dies noch auf einem anderen Kontinenten. Nun war der Regen Nebensache, denn nun gab es viel zu hören und zu erzählen und natürlich das schöne Monster in Form eines Mercedes 310 4x4 zu bestaunen. Pascal und Annina haben das ehemalige Feuerwehrfahrzeug mit viel Herzblut zu einem schönen und praktischen Expeditionsmobil umgebaut, mit welchem sie nun Südamerika erkunden werden.

Wir genossen seit langem wieder mal einen warmen Tee anstelle eines kühlen Biers und der Nachmittag war schnell vorüber. Am Abend kochten wir nun sogar zu sechst, die Küche ähnelte schon bald einer Lagerküche, doch die Campingtöpfe wurden bei solchen Portionen zu klein.

Am darauffolgenden Morgen besuchten wir die riesigen Wasserfälle auf der argentinischen Seite. Als erstes ging es gerade zum Punta del Diablo, dem Teufelsschlund. Dort stürzen riesige Wassermassen über 90 Meter in die Tiefe. Doch schon bald wimmelte es auf der Plattform von Touristen und Hobbyfotografen. So zogen wir es vor einige kleinere Wasserfälle, über die schön angelegten Wege, zu bestaunen. Nach über vier Stunden und einigen Kilometern hatten wir genug Wasser gesehen und wir gönnten uns einen kleinen überteuerten Imbiss in Gesellschaft der äusserst aufdringlichen Nasenbären.

Am kommenden Tag überquerten wir abermals die Grenze und reisten ohne Probleme in Brasilien ein. Für die nächsten Tage quartierten wir uns auf dem unter Overlandern bekannten Camping Paudimar in Foz do Iguazu ein. Trotz des Regens genossen wir das Bad im grossen Pool und am nächsten Morgen das schöne Frühstücksbuffet. In Brasilien lebt es sich einfach ausgezeichnet!

 

So gestärkt machten wir uns zu sechst auf um der Wasserfälle von der brasilianischen Seite zu besichtigen. Von der brasilianischen Seite hat man einen schönen Überblick über die Wasserfälle, doch das hautnahe Erlebnis der argentinischen Seite war nicht zu toppen.

Weiter wollten wir die Handels- und Schmuggelstadt Ciudad del Este besuchen. Von Foz do Iguazu aus ging es zu Fuss über die Freundschaftsbrücke nach Paraguay. Da wir nur einen Tagesbesuch machen wollten, reisten wir ohne Grenzkontrolle und Einreisestempel ein. Schon von weitem konnten wir die riesigen Werbetafeln für die Zollfreiwaren sehen. In Ciudad del Este angekommen wurden wir innert kurzer Zeit schon von diversen Verkäufern umschwärmt, welche uns harmlose Elektroware, Elektroschocker oder auch verbotene Substanzen verkaufen wollten. Wir bestaunten das rege treiben in den Strassen und noch mehr beeindruckte uns die Angebotsvielfalt. Mit dem nötigen Kleingeld gibt es hier alles zu kaufen, egal ob legal oder illegal. Wir besuchten noch einige Elektronikgeschäfte und kauften einige kleinere Dinge wie USB-Sticks, doch die meisten Elektronikartikel kosten auch ohne Zollgebühren etwa gleich viel oder sogar mehr als in der Schweiz. Wir waren froh diese komische Stadt wieder verlassen zu können und so machten wir uns wieder auf den Rückweg nach Brasilien und waren froh, als wir ohne Kontrolle einreisen konnten. 

Tags darauf besuchten wir bei strahlendem Sonnenschein mit Pirmin und Michael den Parque das Aves, einen grossen Vogelpark wo man diverse Papageienarten, Tukane und andere Vögel aus der Nähe beobachten konnte. Es war interessant Vogelarten, welche wir im Pantanal gesehen hatten, aus der Nähe zu beobachten. Das Highlight war eine Boa Constrictor, welche man sogar berühren konnte. Was für ein schönes Erlebnis! 

An einem weiteren regnerischen Tag ging es ein weiteres Mal nach Ciudad del Este und von dort per Bus zum Itaipu Staudamm. Wir machten eine Besichtigungstour dieses eindrücklichen Bauwerks, welches ein Partnerprojekt von Paraguay und Brasilien ist. Bis zum Bau des Drei-Schluchten Damms in China war Itaipu das grösste Wasserkraftwerk der Welt. Riesige Wasserrohre mit 10 Meter Durchmesser versorgen die 20 Turbinen. Leider konnten wir nur eine Panoramatour machen und somit konnten wir das Innenleben des Kraftwerks nicht besichtigen. Andere Besichtigungstouren wären buchbar, doch meist gibt es einen Wartezeit von einer Woche und auf unsere E-Mail hatte man gar nicht reagiert.

Vor unserer Weiterreise an die brasilianische Küste genossen wir den letzten Abend mit Pirmin und Michael, da die zwei noch einige Tage bleiben wollten. Der Abschied fiel uns nicht leicht, da wir nun gleichwohl schon drei sehr erlebnisreiche Reisewochen zusammen verbracht hatten. Muchas Gracias, Chicos, es war eine tolle Zeit!!! Doch irgendwo mussten sich die Wege wieder trennen und so setzte sich der Bus Konvoi in Bewegung. Auf gut ausgebauten Mautstrassen ging es in Richtung Florianapolis. Unzählige Mautstellen stellten sich uns in den Weg und wie immer in Brasilien bezahlten wir wegen unserer Zwillingsbereifung den doppelten Tarif! Dies liess nicht gerade Freude aufkommen und wir überlegten uns das linke Rad abzuschrauben. ;-)

Nach gut 600 gefahrenen Kilometern machten wir halt an einer gut ausgebauten Tankstelle und verbrachten die Nacht neben den Lkws. Solche Tageskilometerzahlen konnten und mussten wir noch in keinem Land auf unserer Reise fahren. Brasilien ist einfach ein Land der Superlative. Der ganze Süden des Landes ist sehr Modern und das Reisen keine grosse Herausforderung, die Städte wirken Modern und aufgeräumt aber die Distanzen sind einfach riesig. Uns kommt es hier manchmal eher wie in Südeuropa vor und nicht wie in Südamerika. Doch dies hängt stark mit den bekannten Klischees von Südamerika zusammen und diese treffen eben nicht in jeder Region zu.

Im Nebel und von Regenschauern begleitet legten wir am kommenden Morgen die letzten 350 Kilometer bis zur Halbinsel Santa Catarina zurück. Schnell fanden wir einen Camping in Meeresnähe und hofften auf Wind für die kommenden Tage. Doch wir wurden enttäuscht. Wie die Windprognose vorausgesagt hatte gab es Wind doch dieser wurde von Regenschauern begleitet. Bei diesem Wetter war es wieder mal Zeit für ein feines Raclette, welches nach einem Bad in den grossen Wellen des Atlantiks noch besser schmeckte. Die Halbinsel Santa Catarina ist bei Wellenreitern wegen ihren grossen und gleichmässigen Wellen sehr beliebt und die Lagune in Mitten der Insel wäre zum Kitesurfen super geeignet. Doch mit Regen und unbeständigem Wind kamen nicht gerade Hochgefühle auf.

Bei einem Morgenessen entstand die Idee dem kalten Wetter zu entfliehen und für einige Tage in den windgesegneten Norden von Brasilien zu reisen. Alle hatten genug von Regen und Kälte und wollten Kitesurfen und so fand die Idee schnell fruchtbaren Boden. Schon am Nachmittag wurden im Internet Flüge nach Fortaleza gesucht und auch die Fahrt an den Flughafen zeigte schnell, dass es in den kommenden Tagen erschwingliche Flüge in den Norden gab. Kurz darauf waren die Flüge und eine Unterkunft für zwei Wochen gebucht, auch ein sicherer Platz für die Fahrzeuge war gefunden und so stand dem Kitetrip nichts mehr im Weg. Die Vorfreude auf warmes Wetter und guten Wind war riesig. Nun hiess es noch aus dem Kitesurf Material ein Gepäckstück zu schnüren, welches die Gewichtsbeschränkung nicht überstieg. Mit Militär- und Gartenplanen war schnell ein Kitesack gebastelt und das restliche Gepäck fand in einem Rucksack Platz. Bei voraussichtlichen 30°C Lufttemperatur und 26°C Wassertemperatur mussten nicht viele Kleider ins Gepäck. Bei den Vorbereitungen parkte auf einmal der Landy von Michael und Pirmin neben uns. Die zwei Jungs hatten auch die Route an die Küste gewählt und wollten dann weiter Richtung Uruguay. Wir freuten uns auf das Wiedersehen und genossen einen weiteren Abend zu sechst.

Am nächsten Morgen holte uns der Wecker um 04.30 aus dem Schlaf und einige Stunden später sassen wir schon im Flugzeug nach Fortaleza. Mit einem kurzen Zwischenstopp in Sao Paulo landeten wir nach gut sechs Stunden Reisezeit in Fortaleza. Die 2.5 Millionen Metropole verliessen wir mit einem Taxi in nördlicher Richtung und kamen nach knapp einer Stunde Fahrzeit in Cumbuco bei unserem Strandhaus an. Schon der erste Ausblick über den eigenen Pool und den türkisfarbenen und windgepeitschten Atlantik begeisterten uns. Unser, über AirBnB, gemietetes Strandhaus befand sich an wunderschöner Lage und direkt vor dem Haus konnten wir unsere Kites starten und auf dem offenen Meer kitesurfen. Einfach traumhaft! Für die kommenden Tage mieteten wir uns ein kleines Auto um ein bisschen mobiler zu sein. So konnten wir auch einige Lagunen in der Umgebung ansteuern, welche mit Flachwasser super fürs Kiten geeignet sind. Jeden Tag setzte am Morgen konstanter Wind ein und stellte erst am Abend wieder ab. Ein Traum für Windbegeisterte! Wir verbrachten wunderschöne zwei Wochen im Norden von Brasilien und genossen den Urlaub vom Reisen. Die Tage waren geprägt von Kiten, Essen, Schlafen und wieder Kiten,....! Nathy hat sich leider schon nach ein paar Tagen beim Kiten am Fuss einen Schnittverletzung an einer Koralle zugezogen und konnte die kommenden Tage nur noch zusehen. Also waren nur noch Pascal und Flavio auf dem Wasser und genossen die Vielseitigkeit dieses grossartigen Kitesurfgebietes. Sogar einen über 5 km langen Downwinder entlang der Atlantikküste haben wir gemacht. Ein super Erlebnis mit dem Kite solche Distanzen zurückzulegen. Die Abende verbrachten wir bis auf einige Restaurantbesuche in unserem schönen Strandhaus und genossen am liebsten Filet oder Roastbeef vom Grill, welches Pascal mit viel Elan vorzüglich zubereitete.

Wie fast alle Südamerikaner lieben auch die Brasilianer super laute Musik. Am Wochenende dröhnte aus den Nachbarhäusern laute Latino Rhythmen und ganze Grossfamilien bevölkerten die weiten Sandstrände. Quads, Motorräder und Buggys machten den Strand unsicher und überall war etwas los. Wir bestaunten das farbige und ungezwungene Leben und bewundern die Brasilianer für ihre Freiheiten. Alles was Spass und Freude macht ist hier noch erlaubt und keiner schränkt den Anderen ein. Die Lebensfreude überwiegt! Daher schätzten wir sehr, dass wir den faszinierenden hohen Norden von Brasilien kennen lernen durften und es bleibt hoffentlich nicht bei diesem einen Mal. Denn für uns ist der Norden Brasiliens eine der schönsten und klimatisch angenehmsten Regionen, die wir bis jetzt auf unserer Reise besuchen durften und in unseren Augen viel mehr südamerikanisches Flair als Brasiliens Süden aufweist. Ein Ort auf dieser Welt, der wirklich zum Verweilen einlädt. Nach zwei Wochen geht es für uns wieder zurück in den Süden Brasiliens und dann werden wir mit Pascal und Annina weiter in Richtung Paraguay ziehen. Dort werden sich voraussichtlich unsere Wege trennen, denn die Beiden werden nach Patagonien ziehen und uns zieht es weiter in Richtung Norden. News von Paraguay gibt es im nächsten Blogeintrag.

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Kommentare: 1
  • #1

    bernard(o) (Sonntag, 31 Januar 2016 21:40)

    Super, Super und faszinierend! Ich habe zufällig einen Artikel in der BZ gesehen und jetzt lese ich eure Berichte. Weil ich 1972 mit Rucksack in Südamerika war kann ich mir alles so gut vorstellen.