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Flathy

Wir waren 22 Monate unterwegs und sind nun wieder zu Hause in der Schweiz!

Tropische Hitze - Vom Altiplano ins bolivianische Tiefland und weiter ins Pantanal

20.08.2015 – 12.09.2015: La Paz – Cochabamba – Sucre (Sprachschule) – Aiquile – Samaipata – Santa Cruz – San Javier – Concepcion – San Igancio de Velasco – San Jose de Chiquitos – Santa Cruz – Aguas Calientes [Route]

Im Hotel Oberland füllten wir noch unsere Wasserreserven auf und machten uns auf den Weg nach Cochabamba. Wir rechneten damit Cochabamba noch am gleichen Tag zu erreichen, doch schon nach den ersten zwei Fahrstunden bemerkten wir, dass zwischen La Paz und Cochabamba noch einige Gebirgszüge liegen. Auf den sehr kurvigen Strassen kamen wir nur langsam vorwärts, dadurch konnten wir die spektakulären Aussichten noch besser geniessen. An den Steigungen leisteten wir uns mit den Lastwagen einige rennen. Bald wurde es schon dunkel und von weitem konnten wir die Lichter der Stadt schon sehen. Aber es kostete uns noch über eine Stunde um unseren in Ioverlander gefunden Schlafplatz zu finden. Am nächsten Morgen machten wir uns auf um das Zentrum von Cochabamba zu erkunden. Cochabamba liegt im geografischen Zentrum von Bolivien und ist bekannt als Agrarstadt.

Es gibt unzählige Märkte, auf denen vorwiegend Früchte, Gemüse, Samen, Gewürze und Fleisch gekauft werden kann. Wir genossen es entlang der farbigen und sehr lebendigen Marktstände zu schlendern. Schnell füllten sich unsere Taschen mit diversen Früchten und Gemüse. Bei den Früchten gibt es im Tiefland eine grossartige Auswahl. Von diversen Sorten Äpfel und Birnen geht es über Ananas und Mango zu exotischeren Früchten wie Maracuja, Chirimoya und Guave. Das schönste ist natürlich, dass die Kilopreise all dieser Früchte für unser Portemonnaie gut erschwinglich sind und wir richtig zuschlagen können. Wie auf jedem Markt in Bolivien gibt es auch hier überall Cocablätter zu kaufen. Denn in Bolivien ist das Kauen der Blätter eine Jahrhundert alte Tradition und der Konsum und Anbau legal. Überall auf der Strasse sieht man vor allem Bauarbeiter, Lastwagenfahrer, Busfahrer mit ihrem grünen Säckchen und der ausgewölbten Wange, voller Coca, herumlaufen. Cocakauen wirkt schmerzstillend und stimulierend, mildert das Kälteempfinden und macht Hunger und Durst vergessen. Auch als Tee werden die Blätter häufig zubereitet und halfen auch uns in andinen Höhenlagen die Symptome der Höhenkrankheit zu lindern. Jährlich werden etwa 300`000 Tonnen Cocablätter geerntet. Es wird davon ausgegangen, dass in Bolivien jährlich etwas 45`000 Tonnen Kokablätter auf traditionelle weise (kauen) konsumiert werden, 100 Tonnen gehen in die Pharmaindustrie und etwas 1000 Tonnen kauft das Cola-Getränkeunternehmen. Der Grossteil der Ernte wird aber in Dschungellabors zu Kokainbase verarbeitet und weiter nach Kolumbien transportiert wo die Weiterverarbeitung zu reinem Kokainpulver stattfindet und von dort wandert das weisse Gold in die westlichen Wirtschaftsländer. Solange in westlichen Ländern diese Droge konsumiert wird, werden auch die Campesinos (Bauern) nichts anderes als Coca anpflanzen, denn ein Sack Cocablätter bringt ihnen ein mehrfaches des Erlöses anderer Produkte wie zum Beispiel Palmherzen, Bananen oder Kaffee. Nach diesem kleinen Exkurs wieder zurück nach Cochabamba.

Als Tagesabschluss besuchten wir noch die über 40 Meter hohe Christusfigur „Cristobal de la Concordia“ auf dem Cerro de San Pedro. Die Christusfigur ist die grösste in ganz Südamerika, sogar grösser als die Figur auf dem Corcovado in Rio de Janeiro. Die Betonfigur ist begehbar, doch leider nur an Wochenenden geöffnet, so konnten wir leider nicht hochsteigen. Mit müden Beinen ging es zurück in den Innenhof des Hostal "Los Lilas". 

Schon am kommenden Morgen hiess es wieder das Triebwerk anzuwerfen und Kurs auf Sucre zu nehmen, da wir in der Hauptstadt einen Spanischkurs besuchen wollten. Zuerst ging es über eine gut asphaltierte Strasse bis zu einer Mautstation, die Strasse wurde immer enger und schraubte sich in die Berge. Schon bald wurde aus dem schönen Asphalt übles Kopfsteinpflaster. Das Gerüttel zog sich über 100 Kilometer dahin und für diese Strecke brauchten wir mehr als fünf Stunden. Mit jeder Stunde verschlechterte sich die Laune und unser Fahrzeug tat uns leid. Dem Kopfsteinpflaster ziehen wir jede Schotterpiste vor. Aber gleichwohl war es sehr eindrücklich zu sehen, dass sich solche, von den Spaniern gebauten Strassen, durch ganz Bolivien ziehen und noch heute genutzt werden. Die meisten wurden nun schon asphaltiert und auch bei dieser Strasse sind schon Bauarbeiten im Gange. Also werden auch die letzten Kopfsteinpflaster Strassen bald verschwunden sein. Nach etlichen Kurven kamen wir durchgeschüttelt und Müde in Sucre an. Sucre ist die verfassungsmässige Hauptstadt Boliviens, doch La Paz hat nach und nach bezüglich Grösse und Lage schon lange den Rang abgelaufen. Nur der oberste Gerichtshof ist noch in der kolonialen Stadt. Doch in der Dämmerung interessierte uns dies wenig und wir suchten einen Schlafplatz. Wir hatten bei Ioverlander einen Schlafplatz im Innenhof bei einem Älteren Ehepaar gefunden. Leider öffnete uns niemand die Tür und so machten wir uns müde und hungrig auf die Suche nach einer anderen sicheren Schlafoption. In einem 24h Parking willigte man ein, dass wir die Nacht dort verbringen können. Doch als wir unseren Bus holen wollten sind die Besitzer wieder zu Hause und wir konnten in den schönen Innenhof fahren und uns einen bequemen Platz suchen. Schliesslich wollten wir hier etwa zwei Wochen bleiben, da sollte es schon ein bisschen gemütlich sein. Tags darauf machten wir uns auf die Suche nach einer Sprachschule, welche uns gefällt und Privatlektionen anbietet. Das Angebot an Sprachschulen ist in Sucre gross und so wurden wir schnell fündig. Also konnte es am Montag Morgen losgehen. Wir verbrachten einen ruhigen Sonntag, überprüften einige Schrauben am Bus und entspannten uns von den Fahrtagen. Die kommenden Tage waren geprägt von je 4 Stunden Privatlektionen in den Morgenstunden. Seit langem wieder holte uns meist der Wecker aus dem Schlaf. Dann hiess es kurz Morgenessen und schon bald ging es zu Fuss mitten durch den Morgenverkehr zu unserer Spanischschule im Herzen der wunderschönen weissen Hauptstadt. Nathy genoss den Privatunterricht mit ihrer Lehrerin Maria und konnte viel vom gehörten und gesprochenen nun mit der vermittelten Grammatik verknüpfen. Auch Flavio konnte seinen Rucksack mit viel hilfreichem füllen und natürlich freuen wir uns über den günstigen Pries von 6 US$ pro Privatlektion. Wir lernten in diesen knapp zwei Wochen, durch die vielen Gespräche mit dem Lehrern und anderen Leuten, sehr viel über die Kultur und Lebensweise in Bolivien. Es war für uns wahnsinnig bereichernd das Land Bolivien noch auf diese Weise besser kennen zu Lernen. Nach der Schule ginge es für uns meist zum Almuerzo (Mittagessen). Meist assen wir wie die meisten Einheimischen ein Mittagsmenü in einem kleinen Restaurant, welches uns umgerechnet nicht mal 3 US$ kostet und mit drei Gängen auftrumpft. Der Nachmittag nutzten wir um das gelernte zu festigen, um eine kleine Siesta zu machen oder um durch die schönen Gassen zu flanieren. Fast täglich gingen wir auch auf dem nahegelegenen Markt um frische Früchte und Gemüse zu kaufen. Nicht entgehen liessen wir uns die leckeren, frisch zubereiteten Fruchtsäfte aus allerlei Früchten. In den zwei Wochen probierten wir jede nur erdenkliche Kombination aus. 

Natürlich genossen wir auch die Zeit mit unseren Overlander Nachbarn. Denn einige Tage nach uns kamen Kassandra und Jeff mit ihrem Ford F250 in Sucre an. Jeff ist vor 18 Monaten in San Francisco gestartet und seit gut vier Monaten reist Kassandra, seine Freundin aus Ecuador mit ihm mit. Mit an Board ist auch der grosse Hund Barley, welcher sogar ein eigenes Bett in der Wohnkabine hat. Wir verstanden uns von der ersten Begegnung an sehr gut und da Jeff auch ein grosser Motorrad und Fahrzeug Fan ist, genossen wir einige Benzingespräche bei einem guten Bier. Bei der Kontrolle unserer Fahrwerkteile bemerkte Flavio, dass bei der vorderen linken Blattfederaufhängung eine M12 Schraube durch die vielen Bewegungen über die Jahre praktisch durchgescheuert war. Die Schraube einfach herauszuziehen hat nicht funktioniert, da sich die Teile mit der Zeit ineinander verschweisst hatten. Der Versuch die Schraube auszubohren hat auch nicht funktioniert und so mussten wir wohl oder übel die ganze Blattfederpaket ausbauen und wir hatten mit vielen sehr verbockten Schraubverbindungen zu kämpfen. So dass sich die ganze Übung über zwei Tage hinzog. Wenn uns irgendein Werkzeug fehlte, hatte sicherlich Jeff das richtige und dazu sicherlich noch mit Akku betriebene Werkzeug - richtig US amerikanisch!

Nach dem das ganze Paket endlich ausgebaut war packten wir es auf die Schultern und verfrachteten es in ein Taxi, welches uns in die Autoersatzteilstrasse brachte. Dort angekommen machten wir uns auf die Suche nach einer Werkstatt, welche uns den verschweissten Bolzen herauspressen oder ausbohren konnte. Bald war eine Hinterhofwerkstadt gefunden und diese machten sich mit der Standbohrmaschine daran, die Schraube auszubohren. Leider war das Resultat nach einer weiteren halben Stunde bohren nicht wirklich befriedigend und das Loch war eher oval als rund. Erster versuch also fehlgeschlagen! Nun hiess es jemanden finden, der uns eine neue Gummibuchse und eine neue Stahlbuchse herstellte. Ein netter Herr beantwortete unsere Frage mit „No hay problema“ und vertröstete uns auf den Nachmittag. Dadurch hatten wir genug Zeit uns die anderen Ersatzteilläden anzusehen und ein typisches Fleisch-Reis-Mais Mittagessen zu gönnen. Zurück in der Werkstatt freuten wir uns schon um bald schon das Blattfederpaket wieder einzubauen, doch diese Vorfreude wurde schnell zunichte gemacht. Die Arbeit war wiedermal miserabel ausgeführt worden und die Stahlbuchse stimmte wohl im Durchmesser, doch aber nicht in der Länge. Wir hörten immer wieder „Señor, no se preocupe no hay problema“, was so viel heisst wie „Machen sie sich keine Sorgen es gibt keine Probleme“. Für uns waren die Teile ganz und gar nicht in Ordnung, denn wir wollen schliesslich noch einige Tausend Kilometer zurücklegen und nicht wegen einen schludrig gefertigten Teilen liegenbleiben. Nach langer Diskussion willigte der geduldige Herr immer noch nicht ein das Teil noch einmal neu mit den richtigen Abmassen zu fertigen und sagte wir sollen das Drehteil selber herstellen. Also blieb uns nichts anderes übrig als das Teil bei einer Dreherei herstellen zu lassen. Diesmal standen wir daneben und ein paar Minuten später machten wir uns mit der neuen Stahlbuchse im Sack auf den Weg zu unserem netten Herrn. Nach einigem hin und her baute er uns die neue Buchse in die Blattfeder und zufrieden machten wir uns auf den Weg zum Bus um das ganze wieder einzubauen. Kurz bevor es dunkel wurde war der Spuk vorbei und die Achse stützte sich wieder auf die Blattfedern ab.

Am Selben Abend füllte sich der Stellplatz noch mit einem schönen Toyota Land Cruiser mit einem Paar aus der Schweiz an Board. Brigitte und Daniel sind in gut 6 Wochen von Buenos Aires über Brasilien durchs Pantanal nach Bolivien gereist. Wir genossen den Austausch mit dem netten Schweizer Pärchen und natürlich gibt es immer viele Reise und Fahrzeugthemen zu besprechen. Am zweitletzten Abend gingen wir zusammen in ein Italienisches Restaurant, welches von einem ausgewanderten Italiener geführt wird. Die ganze Restaurant ist nicht angeschrieben und es gibt nur Mahlzeiten auf Reservation. Wir klopften, auf gut Glück,  an die Tür und siehe da, wir hatten wirklich Glück und nach kurzer Zeit kriegten wir einen Tisch in dem kleinen Restaurant. Schon bald genossen wir herrliche Spagetti a la Italia mit diversen Saucen. Natürlich durfte das Tyramisu zum Dessert nicht fehlen und als die meisten Gäste gegangen waren gesellte sich der Chef auch noch zu uns und spätabends nach einigen interessanten Gesprächen über Land und Leute verliessen wir das Restaurant mit vollen Bäuchen.

Nach zwei bereichernden Wochen in Sucre ging es für uns wieder auf die Strasse mit dem Ziel Santa Cruz, die schnellst wachsende Stadt Südamerikas. Über viele Kilometer kurvige Strasse ging es in Richtung Santa Cruz. Nach einem langen und sehr staubigen Fahrtag übernachteten wir an der Plaza in einem kleinen Dörfchen Pulquina, da wir im dunkeln nicht fahren wollen. An der Plaza genossen wir ein Bier und beobachteten das ruhige und gemächliche Dorfleben. Am Abend gesellten sich einige Jugendliche auf die Plaza und testeten ihre Soundanlage im Auto. Flavio war kurz ausgestiegen um ein bisschen frische Luft zu schnappen und schon bald kamen wir ins Gespräch und die Teenager waren sehr interessiert am Gringo und dessen Auto. Schon bald bildete sich ein Kreis von fast 20 Jugendlichen und der Mutigste stellte Fragen und die anderen lauschten den Antworten. Natürlich wie immer wollten sie schon bald wissen was so ein Auto kostet und was denn bei uns ein KTM Motorrad kostet. Denn seit die Dakar Rallye ihre Route durch Bolivien gelegt hat, haben praktisch all die Jungen einen Traum: Eine KTM Enduro! Nach dem schönen Gespräch gingen wir schlafen, so dass wir früh in der kühlen Morgenluft weiterfahren konnten. Die kurvige Strasse schlängelte sich bis nach Samaipata, einem kleinen Dörfchen, und von dort ging es weiter hinab ins Tiefland bis nach Santa Cruz. Auf der abwechslungsreichen Strecke passierten wir mehrere Mautstationen und die dazugehörigen Polizeistationen. Im Altiplano hatten wir meist keine Probleme mit der Polizei, doch da nun das Klima heisser wird, wird auch die Polizei wahrscheinlich müder und korrupter. Jedes mal wurden unsere Papiere ganz genau unter die Lupe genommen und irgend etwas das nicht stimmt kann immer gefunden werden. Uns ist es jetzt schon zwei mal passiert, das ein Polizeibeamter die Papiere einfach so lange bei sich behält, bis wir eine kleine „Colaboracion“ bezahlt haben. Eigentlich haben wir uns vorgenommen nichts an Korrupte Polizisten zu bezahlen, doch am Schluss sitzen sie am längeren Hebel und wir wollten schliesslich weiterfahren und in dieser Hitze nicht lange diskutieren. Also schnell wanderten zwei, drei Bolivianos über den Tisch und schon ging es weiter. Dieses Geschwür der Korruption macht nicht nur uns das Leben schwer, auch die Einheimischen müssen immer bezahlen und die Münzen wandern rege über den Tisch. Die Vegetation wurde immer üppiger und die Luft feuchter. Kurz vor Santa Cruz liessen wir all den Dreck und Staub herunter waschen, dabei bemerkten wir, dass hinten einer der Zwillingsreifen einen Platten hatte. Dank der Zwillingsreifen können wir auch noch mit einem intakten Reifen pro Seite fahren. So suchten wir die nächste Reifenwerkstatt „Gomeria“ am Strassenrand auf. Ein kleiner Junge war gerade mit dem Mittagessen beschäftigt, doch als wir in Fragten ob er Reifen repariere antwortete er mit einem knappen „Si“ und schon stand er mit dem Wagenheber bei unserem Bus. Das Rad war schnell abmontiert und ein Nagel als Ursache für den Luftverlust gefunden. Beim genaueren hinsehen fanden wir an einer anderen Stelle auch noch einen Nagel. Der Reifen wird von innen kurz angeschliffen und dann wird ein Batch darauf geklebt, wie beim Veloflicken. Während der Arbeit erzählte uns der Junge, dass er ein Waisenkind sei und erst 13 Jahre alt sei. Bald war der Reifen wieder prall gefüllt und montiert, der Junge bekam ein gutes Trinkgeld und ein paar neue Flip-Flops, da seine Arbeitsschuhe (Flip-Flops) schon sehr verschlissen waren. Mit einem Lächeln im Gesicht verabschiedete er uns. Wir landeten schliesslich im Innenhof des Piloten Clubs in der nähe des Flughafen. So hatten wir einen guten Ausgangspunkt gefunden um die Stadt zu besichtigen. Schon beim hineinfahren hatten wir gemerkt, dass Santa Cruz nichts mit den anderen bolivianischen Städten gemeinsam hat. Es wirkt modern, es gibt viele hohe Gebäude und auf den Strassen verkehren grosse und teure Geländewagen. Santa Cruz führte einst ein unbedeutendes Dasein im fernen Osten des Landes, dann mutierte sie zur reichsten und dynamischsten Stadt Boliviens, dank der riesigen Öl- und Gasvorkommen der Region. Wir erkundeten die aufgeräumte Stadt in einem Tag ausgiebig. Es gibt viele Geschäfte, Supermärkte und sogar einen Kinokomplex. Aber Flair hat die Stadt keines, keine kolonialen Gebäude, wenige Strassenverkäufer und kein buntes treiben. Santa Cruz wirkt eher wie eine gesichtslose amerikanische Stadt. Wir nutzten aber die gute Infrastruktur und genossen wieder mal einen Kinoabend bevor wir uns am nächsten Tag auf die Missionsroute machten. Dies ist eine Rundfahrt über einige im 17. Jahrhundert gegründeten Jesuitenmissionen. Die Missionsdörfer sind bekannt für ihre mit Holzschnitzereien verzierten Kirchen. Als wir endlich aus Santa Cruz raus waren, zogen an unserem Fenster riesige Ackerbaufelder, Viehzuchten und Getreidelager vorbei. Bald änderte die Umgebung, die Asphaltstrasse wurde zu einer Schlaglochpiste und schon erreichten wir Concepcion. Auf der wunderschönen grünen Plaza machten wir halt und besichtigten die eindrückliche sehr alte Holzkirche aus der 17. Jahrhundert. Die Nacht verbrachten wir an einem nahe gelegenen See wo wir uns in der Hitze auch ein Bad gönnen konnten, doch dies sorgte bei schwülen 38°C nicht für wirkliche Abkühlung und auch in der Nacht fallen die Temperaturen nicht unter 27°C. Dies ist für uns nicht gerade das ideale Reisewetter und schon gar nicht Campingwetter. So standen wir am nächsten Tag um 5 Uhr auf um die ersten Stunden in der kühleren Morgenluft zu fahren. Denn auf den sehr staubigen Pisten öffnen wir nie die Fenster, da wir sonst den ganzen Bus voller Staub haben. Wir besichtigten noch zwei weitere alte Holzkirchen, doch die meiste Zeit verbrachten wir auf den schlechten Pisten. Entlang der Strasse sorgten viele Papageie, Tukane, Schmetterlinge und Fischreiher für Abwechslung.

Am Nachmittag wollten wir noch die letzten 200 Kilometer üble Piste nach San Jose fahren, doch auf einmal sahen wir weissen Rauch und ein Öliger Geruch stieg uns in die Nase. Beim Nachschauen zeigte sich, dass die vorderen Stossdämpfer Öl verloren haben. Wahrscheinlich sind waren sie am Ende der Lebenszeit angelangt und die hohen Temperaturen und das heftige Gerüttel hat ihnen noch den Rest gegeben. So entschieden wir uns, dass wir nicht wie geplant ins Pantanal zu fahren, sondern wieder über 300 Kilometer zurück nach Santa Cruz um neue Stossdämpfer zu besorgen. Endlich in Santa Cruz angekommen steuerten wir eine Garage an, welche uns Jeff empfohlen hatte. Die netten Herren schauten unser Problem an uns bald darauf kamen sie mit Stossdämpfer von einem Jeep Wrangler. Leider passten diese nicht in unseren Mercedes. Mit einem dem alten Stossdämpfer im Gepäck ging es mit dem Taxi auf in die Autoersatzteilstrasse. Für japanische und amerikanische Autos gibt es hier fast alles. Unsere Stossdämpfer haben wir leider nicht gefunden, doch in einem US-Car Shop fanden wir gebrauchte Stossdämpfer von einem Grand Cherokee, welche praktisch die gleichen Abmasse und die gleichen Befestigungspunkte haben. Nach erfolgreicher Suche konnten wir wieder zur Garage zurückkehren und durften die Nacht im Innenhof verbringen und am Morgen hat uns der nette Mechaniker die Stossdämpfer gerade noch montiert. Wir verabschiedeten uns von den netten Herren und mit Vollgas und satter Bodenhaftung ging es ins 500 Kilometer entfernte Aguas Calientes wo wir uns mit den zwei Schwyzern Pirmin und Michael verabredet hatten. Da wir erst bei Dunkelheit den Ort erreichten, quartierten wir uns auf dem ausgemachten Camping ein, weil wir die Schilder nicht so genau gelesen hatten. Alle Camping liegen an einem warmen Fluss. Denn Aguas Calientes ist bekannt für seinen klaren und 35°C warmen Fluss, welcher aber bei dem tropischen Klima gar nicht so anmachend wirkt und nicht wirkliche Abkühlung bringt.

Unser Camping war überfüllt mit grossen Mennonitenfamilien, welche alle in ihren klassischen Kleidern herumspazierten und sogar in diesen badeten. Die Provinz Santa Cruz ist eine Mennonitenhochburg, hier fanden die Mennoniten aus Nordamerika und Europa was sie suchten, günstiges fruchtbares Land und einen Staat der sich nicht in ihre Angelegenheiten mischt. Heute leben im östlichen Bolivien etwa 25`000 Mennoniten, sie leben praktisch autark und lehnen jeden Fortschritt ab und betreiben Ackerbau wie vor 150 Jahren. Wir fühlten uns nicht sehr wohl inmitten all dieser speziellen Leute und waren froh als Pirmin und Michael plötzlich auftauchten und uns auf einen kleinen Camping Flussabwärts lotsten, wo wir das ganze Areal für uns alleine hatten. Wir verbrachten einen gemütlichen Tag in der tropischen Hitze zusammen und es gab vieles zu hören und zu erzählen. 

Bei diesem tropischen Klima gibt es überall Tiere zu sehen, auch auf dem Camping besuchte uns ein schöner grosser Ara, viele Kröten hüpfen in der Nacht durchs Gras und natürlich unzählige Moskitos machen uns das Leben schwer. In den nächsten Tagen fahren wir über Puerto Suarez nach Brasilien und besuchen dort das artenreiche Pantanal. Wir freuen uns auf die vielen Tiere, die wir hoffentlich sehen werden.

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Kommentare: 1
  • #1

    Heinz Dürig (Donnerstag, 17 September 2015 11:10)

    Super Bericht. Gruss Margret und Heinz