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Flathy

Wir waren 22 Monate unterwegs und sind nun wieder zu Hause in der Schweiz!

Vom Norden Chiles über den Altiplano ins farbige und faszinierende Bolivien

16.07.2015 – 30.07.2015: Arica – Putre – Paso Chungara (Chile/Bolivien) – Oruro – Uyuni – Salar de Uyuni – Coquesa – Tahua – Hotel Luna Salada – Salinas – Huari – Challapata – La Paz [Route]

Wir sind im farbigen Südamerika angekommen, nämlich in Bolivien! Kaum hatte wir die Grenze am Paso Chungara überquert befanden wir uns in einer anderen Welt. Es gibt nur noch wenig Privatverkehr auf der Strasse, die Frauen Tragen alle die wunderschönen farbigen gewobenen Tücher, die meisten Häuser sind noch aus Stroh-Lehm Ziegeln gebaut und schon an der Grenze wurden wir mit Papierlastiger Bürokratie konfrontiert und überall wird man ein paar Bolivianos los.

Doch fangen wir bei den letzten Tagen in Chile an. Die gute Infrastruktur in Arica nutzen wir um den Unterboden des Buses waschen zu lassen, einen Ölwechsel machen zu lassen und mal wieder auswärts zu essen. Beim Ölwechsel mussten wir feststellen, dass wir irgendwo Öl verlieren, denn die Ölwanne war mit einer schwarzen Ölschicht bedeckt. Wir vermuteten, dass sich die Schrauben der Ölwanne durch die Wellblechpisten ein bisschen gelockert haben. Also hat sich Flavio unter den Bus geworfen und alle Schrauben der Ölwanne nachgezogen. Bei einer Schraube hat er es so gut gemeint, dass er gerade den Kopf abgedreht hatte. Sche****!!! Ohne die Ölwanne zu demontieren konnten wir die Schraube nicht ausbohren. Also haben wir eine Mercedes Kaufmann Vertretung aufgesucht, doch diese hatten Angst irgend etwas am Motor zu machen, da es dann nicht mehr der Garantie entspricht! Was für ein Witz!

Bei einem Hinterhofmechaniker stiessen wir auf offene Ohren, doch er meinte wir sollen am darauffolgenden Tag kommen, dann hätte er Zeit. Als wir zur abgemachten Zeit bei der Werkstatt eintrafen, war natürlich noch niemand vor Ort. Nach gut einer Halben Stunde trafen die Mechaniker ein. Als erstes wollten sie uns irgendwelche verbotene Substanzen verkaufen und uns wider um ein paar Stunden vertrösten. Diese Werkstattphilosophie gefiel uns nicht und wir machten uns auf den Weg nach Bolivien. Eine Schraube mehr oder weniger an der Ölwanne macht nicht viel aus und wir fanden heraus, dass wir nicht an der Ölwannendichtung Öl verlieren, sondern am Radialwellendichtring der Kurbelwelle.

Vollgepackt mit Lebensmitteln ging es für uns in Richtung des Grenzpasses Chungara. Auf etwa 120 Kilometer sind mehr als 4000 Höhenmeter zu machen. Vor der Grenze übernachteten wir an einer einsamen Minenstrasse um uns wieder ein bisschen an die Höhe anzugewöhnen. Am nächsten Tag passierten wir den Lago Chungara, der Höchstgelegene See der Welt auf über 4600 m.ü.M.

Bei eisigem Wind war die Ausreise aus Chile schnell erledigt. Bei der Grenzstation zu Bolivien stauten sich dutzende Lastwagen, doch wir als Privatverkehr konnten bis zur Grenzstation fahren und dann begann die Abfertigung. Die Pässe waren schnell abgestempelt, ein andere Zollbeamter konfiszierte einige unserer Früchte und dann mussten wir um das Fahrzeug temporär zu importieren einige Papiere ausfüllen und abstempeln lassen. Eine Registrierungsnummer musste man 200 Meter weiter in einem stickigen Büro holen, dann paar Bolivianos bezahlen und wieder zurück zur Grenzstation. Ein richtiger Papierkrieg und jeder muss noch seinen schönen Stempel darauf machen. Bienvenidos en Bolivia! 

Als wir dann endlich weiterfahren konnten, mussten wir schon das erste mal Strassenmaut bezahlen. Denn in Bolivien sind alles Strassen, ob Asphaltiert oder üble Schotterpiste, Mautpflichtig. Bei der ersten Tankstelle machten wir halt, um unsere Dieselvorräte aufzufüllen. In Bolivien ist der Treibstoff staatlich Subventioniert und so bezahlen die Bolivianer „nur“ 3.7 Bolivianos (ca. 50 Rappen) pro Liter Diesel und für die Ausländer gibt es einen Spezialpreis von 8.8 Bolivianos (ca. 1.25 CHF). Also kostet in Bolivien der Diesel für uns mehr als in Chile oder Argentinien. Aber wie fast alles in Bolivien ist auch dieser Preis je nach Tankstelle verhandelbar. Ohne Quittung bekamen wir meist einen Preis von 6 Bolivianos (ca. 85 Rappen) und einmal konnten wir schon zum nationalen Preis Tanken. So war es auch bei unserem ersten Tankstopp und wir konnten unseren Tank und unsere Zusatzkanister günstiger befüllen. Mit einem Grinsen im Gesicht und gefüllten Tanks ging es Richtung Oruro. Im sehr dreckigen aber lebhaften Oruro machten wir Halt und bezogen am Bankomat Bolivianos, so dass wir für die nächsten Wochen ausgesorgt haben. Die Städte und Dörfer auf dem Altiplano sehen praktisch alle gar nicht einladend aus. Meist zieht sich eine holperige Verkehrsverbindung hindurch, die nicht asphaltierten Strassenränder dienen als Park- und Wendeplätze für Lastwagen und Autos, überall liegt Müll rum und es gibt unzählige Strassenverkäuferinnen die von Süssgetränken über Esswaren zu Cocablätter einfach alles verkaufen. Die Häuser sind heute meist aus roten Backsteinen gefertigt und sehen aus wie bei uns Häuser im Rohbau. Alles zusammen nicht wirklich einladen, doch eine grosse Faszination wirkt diese fremde Welt gleichwohl auf uns aus. Auf den Strassen sieht man vor allem die Frauen mit ihren traditionellen Kleidern und natürlich die wunderschönen, gewobenen Tücher, welche als Tragtuch für Kinder und als Rucksack verwendet werden macht das Ganze so farbig. Von Oruro wollten wir eigentlich in die Minenstadt Potosi weiterreisen, doch an den Mautstellen, wurde uns gesagt, dass es zwischen Oruro und Potosi Strassenblockaden gäbe. So sahen wir uns gezwungen, zuerst Uyuni zu bereisen und zu einem späteren Zeitpunkt nach Potosi zu fahren. Strassenblockaden kommen, im politisch instabilen Bolivien, immer wieder vor. Die vergessene Landbevölkerung macht so auf ihre Anliegen aufmerksam. Diese Blockaden können von einigen Stunden bis zu Wochen dauern. Die Strassen nach Potosi sind nun schon seit gut 15 Tagen blockiert.

So fahren wir von Oruro weiter nach Challapata und von dort weiter auf der Piste nach Uyuni. Zwischen Challapata und Uyuni wird momentan gerade an der Asphaltirrung der Piste gearbeitet. So mussten wir über viele Umleitungen und sehr schlechte Pisten nach Süden reisen. Da wir auf den Holperpisten langsam voran kommen, verbrachten wir unterwegs drei Nächte im nirgendwo auf dem Altiplano. Eine Nacht verbrachten wir an einem schönen aber eiskalten Fluss in der nähe einer neuen Brücke. Zweimal bekamen wir Besuch von neugierigen Bauern. Wir kamen ins Gespräch und redeten über Gott und die Welt und nach einiger Zeit kam die Frage, wie viel denn unser Auto koste. Diese Frage haben wir auf unserer Reise schon oft gestellt bekommen und die Fragenden sind meist ernsthaft interessiert an unserem alten Mercedes Bus. Wir nennen ihnen meistens einen plausiblen Preis und fügen hinzu, dass dies unser rollendes Haus ist und somit unverkäuflich ist. Das Fahrzeug könnte man hier in Südamerika klar teurer verkaufen als in Europa. Gebrauchtfahrzeugpreise sind hier in Bolivien sowie auch in Chile wahnsinnig hoch und der Zustand meist sehr schlecht.

Als das Fahrzeugthema abgeschlossen war, erzählte uns der eine Lamabauer, dass in der nächsten Nacht die Brücke über den Fluss gesperrt wird und auch an dieser Strasse von den Bauern eine Blockade errichtet wird, gleichzeitig lud er uns in sein Haus ein und meinte wir dürfen bei ihm übernachten und solange bleiben bis die Strasse wieder offen ist. Doch da wir nicht festhängen wollten, entschieden wir uns für eine sofortige Weiterfahrt. Über bereits aufgeschüttete Geröllhaufen konnten wir die Brücke glücklicherweise noch passieren und dann ging es in schnellem Tempo in Richtung Salar de Uyuni.

Im kleinen Ort Uyuni machten wir Halt und schlenderten durch die Strassen und über den Markt. In den unzähligen kleinen Tante-Emma Läden machten wir unsere Einkäufe beobachteten das rege treiben auf dem Markt. Früchte und Gemüse sind hier unglaublich günstig, wir kaufen häufig exotische Früchte für Rappenbeträge und auch kleine Restaurants und Garküchen servieren Menüs für umgerechnet 1-2 CHF. Nach einem ausgedehnten Stadtspaziergang besichtigten wir den Cementerio de Trenes, den Lokomotivfriedhof, dort rosten unzählige alte Dampflokomotiven vor sich hin und erinnern an die grossen Zeiten der Silberminen von Oruro und Potosi. Wir bestaunten und kletterten in den faszinierenden Schrotthaufen herum und schossen viele Fotos.

Nach einer angenehmen Nacht vor der Kaserne in Uyuni machten wir uns auf in Richtung Salzsee. Die Riesige Salzpfanne (Salar de Uyuni) ist etwa 160 Kilometer lang und 135 Kilometer breit, die Salzkruste differiert zwischen 2 bis 7 Meter. Der Salar entstand durch das riesengrosse Anden-Binnenmeer Lago Michins. Vor Jahrmillionen trocknete der Ursee aus und es blieben abflusslose Altiplano-Seen und -Salare zurück. Da wir glücklicherweise in der Trockenzeit reisen, ist der Salar komplett Wasserfrei, dies ändert sich in der Regenzeit von Dezember – Mai. In dieser Periode wird der Salar regelrecht überflutet und steht unter Wasser. Vom Salzarbeiterdörfchen Colchani gibt es einen Damm auf den Salar, da die Uferzonen meist wässrig und sumpfig sind. Auf einmal fuhren wir nur noch auf der glatten Salzoberfläche. Die Fahrgeschwindigkeit wird relativ, da es wenig Referenzpunkte gibt. Am Anfang fuhren wir ein bisschen verhalten bis zum riesigen Dakar Denkmal ganz aus Salz. Von dort ging es in flottem Tempo zur Isla Incahuasi. Die Insel besteht aus versteinerten Korallen und wird von unzähligen Kakteen besiedelt. Doch an der Insel machen auch diverse Touranbieter mit ihren Toyota Land Cruiser Halt, so zog es uns weiter und mit Vollgas ging es dem farbenprächtigen Vulkan Tunupa entgegen. Das Fahren auf dem Salzsee war ein Genuss, welcher aber von den unregelmässig auftretenden Ojos (Wasserlöcher) ein bisschen geschmälert wird. Diese Ojos entstehen durch Wasser und Gase die durch die Salzfläche brechen. Die Nacht verbrachten wir im malerischen Ort Coquesa am Fusse des Vulkans Tunupa. Am kommenden Morgen machten wir uns zu Fuss auf, um die Höhle der Mumien zu besichtigen. Durch die trockene und Salzhaltige Luft wurden die Leichen dieser Andenbewohner, welche vor 800 Jahren gestorben sind, regelrecht konserviert. Eine sehr spezielle Atmosphäre herrschte in diesem uralten Grab.

Danach entschieden wir uns noch ein bisschen weiter zum Vulkan aufzusteigen. Doch der Anstieg war sehr steil und beschwerlich. Bei knapp 5000 m.ü.M. machten wir uns auf den Rückweg. Am selben Abend ging es mit weichen Knien wieder zurück auf den Salzsee. Mitten auf dem Salzsee bekamen wir Besuch von zwei Sattelschlepper, welche in 24 Stunden dies Strassenblockaden umfahren hatten und uns nun um einen Schlauch bitteten, da sie Diesel vom Einen in den Anderen Lastwagen umfüllen mussten. Da konnten wir ihnen natürlich behilflich sein und sie hatten ein riesen Freude. Danach verbrachten wir eine mystische Nacht ganz allein auf der riesigen Salzfläche. Fürs Wochenende hatten wir uns im Salzhotel Luna Salada ein Zimmer reserviert. Wir genossen den Komfort und das hervorragende Essen in dem Gebäude ganz aus Salz. Sogar das Bett und die Böden sind aus Salz gefertigt. Wunderschön!

Erholt und frisch gestärkt ging es wieder auf die Strasse. Nachdem die Tanks gefüllt waren ging es nach Uyuni zurück und wir erkundigten uns bei diversen Lastwagen- und Busfahrern nach dem Weg nach La Paz, da wir wegen den diversen Strassenblockaden nicht die normalen Strassen benutzen konnten. Nachdem wir einige Wegbeschreibungen aus den Gesprächen zu Papier gebracht haben machten wir uns auf den Weg und dieser führte uns wieder auf den Salzsee. Denn auch einige Linienbusse fahren ihre alternativ Route über den Salzsee. Da die Orientierung auf der Salzfläche nicht ganz einfach ist, fuhren wir nach Referenzpunkten und natürlich gab das Navigationsgerät die Richtung grob vor. Unsere Richtung hat gestimmt, wir kamen am Nordrand des Sees an, doch dann fanden wir keinen Damm um ans Ufer zu fahren. Wir fuhren direkt in ein Salzabbaugebiet hinein und dort war der Untergrund richtig Feucht und unser rollendes Haus kam nur noch mit Schwierigkeiten vorwärts. Nach bangen Minuten waren wir wieder auf festem Salz und wir fuhren wieder nach Süden und beschlossen nach dieser drei Stündigen Irrfahrt die uns bekannte Ausfahrt in Coquesa anzupeilen. Mit gespannten Nerven ging es mit Vollgas in Richtung Coquesa. Kurz davor entdeckten wir einen Damm und konnten den Salzsee endlich verlassen. Von dort schlängelte sich unsere abenteuerliche Piste entlang des Vulkan Tunupas in Richtung Salinas. Einige Tiefsandfelder meisterte unser Bus nur noch im ersten Gang und dies mit grossen Schwierigkeiten. Diese Strasse entpuppte sich mehr und mehr als Material zermürbende 4x4 Strecke. Dementsprechend geschafft waren wir, als wir bei Sonnenuntergang auf einem Ackerfeld unser Nachtlager aufgeschlagen haben. Die Hoffnung auf eine bessere Strasse schwindet nach den ersten Kilometern am nächsten Tag dahin. Da eine neue Asphaltstrasse zwischen Salinas und Huari in Bau ist, schlängelt sich auf über 200 Kilometern eine Umleitungsstrecke entlang der Baustelle. Einige Stellen waren super zu befahren und einige Steigungen und Sandfelder waren Katastrophal. Nach mehreren anstrengenden Kilometern erreichten wir endlich wieder eine offizielle Asphaltstrasse und wir genossen das gemütliche dahingleiten. Nach einer ruhigen Nacht in einem kleinen Dorf, fuhren wir über eine gut ausgebaute Asphaltstrasse in Richtung La Paz. Bei einer der vielen Polizeikontrollen wollte uns ein mürrischer Polizist ein bisschen schikanieren. Zuerst wollte er natürlich die üblichen Papiere sehen, dann Pannendreieck, Feuerlöscher und erste Hilfe Kasten (alles Vorschrift in Bolivien). Wahrscheinlich enttäuscht, dass wir alles erforderliche dabei hatten, schmiss er die Dinge wieder in unseren Fahrerraum. Dann wollte er noch unseren Ersatzkanister mit Diesel konfiszieren. Als wir anboten den Diesel in unseren Tank zu füllen, war auch diese Schikane wieder vergessen und wir konnten endlich weiterfahren. Schon viele Kilometer vor La Paz sahen wir den schneebedeckten Gipfel des Illimani mit seinen 6439 m.ü.M. Je näher wir der Stadt kamen wurde das Andenhochland dichter besiedelt bis wir schliesslich durch das chaotische aber durchaus interessante El Alto, dem Vorort von La Paz, fuhren. Mit stockendem Verkehr und vielem Gehupe ging es gemächlich vorwärts. Von einem Aussichtspunkt genossen wir den durchaus beeindruckenden Blick auf La Paz. Wir waren aber heilfroh, als wir endlich im Innenhof des Hotel Oberland ankamen. Das Hotel ist ein bekannter Treffpunkt unter den Overlander und so waren wir auch nicht die Einzigen, die hier ihr Nachtlager aufschlagen. Es hat Fahrzeuge aus Frankreich, Belgien, Deutschland und den USA. Das Hotel wird von Walter, einem Schweizer, und seiner bolivianischen Frau geführt und daher gibt es im angeschlossenen Restaurant auch typische Schweizer Gerichte, wie Raclette und Fondue. Dies liessen wir uns natürlich nicht entgehen und schlugen natürlich zu.

Am kommenden Tag ging es mit einem Minibus in die Stadt. Diese Sammeltaxis in Form von Toyota Hiace verkehren in der ganzen Stadt auf verschiedene Strecken. Sie kosten nur ein paar Münzen und so nützen wir, wie die Einheimischen, dieses praktische Fortbewegungsmittel. Es gibt keine Haltestellen und man kann überall zu- und aussteigen. Im Zentrum stiegen wir aus und erkundeten die umliegenden Gassen mit ihren interessanten Märkten. Es gibt Früchte, Gemüse und Fleisch Märkte, aber auch einen Mercado Negro (Diebesgut) und einen Hexenmarkt. Auf dem Hexenmarkt gibt es allerlei Pülverchen und Kräuter zu kaufen und überall auch getrocknete Lamababies und Lamaembryos. Diese werden beim Hausbau in jeder Ecke eingemauert um böse Geister abzuhalten. Auf dem Textilmarkt deckten wir uns mit den typischen farbigen Tüchern ein, wir konnten uns fast nicht satt sehen an den wunderschönen Farbkombinationen. Überall gibt es schönes Handwerk zu sehr günstigen Preisen zu kaufen, doch in unser zuhause passt nicht noch mehr hinein. So zieht es uns weiter auf die Plaza Murillo, dem Sitz der Regierung. Die ganze Plaza ist aber grossräumig mit Stacheldraht abgesperrt und mehrere hundert Polizisten sind mit Panzerfahrzeugen vor Ort. Wegen den Strassenblockaden und den Unruhen im Süden des Landes wird befürchtet, dass Demonstranten zum Regierungssitz vordringen können. Doch wir als harmlose Touristen konnten die Abschrankungen passieren und genossen es die unzähligen, zutraulichen Tauben auf dem Platz zu beobachten.

Nun ging es zu Fuss zur Gondelbahnstation. Genau ihr habt richtig gelesen, La Paz hat momentan drei Gondelbahnlinien, welche verschiedene Stadtteile sowie auch El Alto miteinander verbinden. Da die Stadt in einen Talkessel gebaut ist, war es nicht möglich die engen Strassen auszubauen und somit hat sich die Regierung entschlossen, ein riesiges Gondelbahnprojekt mit der Firma Doppelmayr zu realisieren. Momentan sind drei Gondelbahnlinien in Betrieb und 6 weitere werden bis 2019 realisiert. Mit der Gondel schwebten wir über die unzähligen Backsteinbauten und genossen es diese imposante Stadt von oben zu betrachten. Das traditionelle und moderne verschmilzt in dieser Stadt zu einer sehr interessanten Mischung. In El Alto angekommen machten wir uns zu Fuss auf den weg zur nächsten Gondelbahnstation, doch es stellte sich heraus, dass die Station nicht in Gehdistanz liegt und somit stoppten wir einen Minibus. Die Fahrt verlief wie häufig sehr ruhig, bis auf das gehupe des Fahrers. Doch dann stiegen auf einmal zwei komische Typen zu, der einte konnte fast nicht mehr auf den Beinen stehen und der andere war auch nicht ganz nüchtern. Nicht, dass dies schlimm wäre, doch dann fingen sie an uns anzusprechen und auf einmal sahen wir, dass der eine Typ mit einer Pistole herumfuchtelte. Flavio registrierte, dass der Verschluss offen war und also keine Patrone eingelegt war. Doch dies wirkte nicht beruhigend und wir machten, dass wir schnell aus dem Bus kamen. Wir waren froh, als wir draussen waren und genossen eine weitere Gondelbahnfahrt hinunter ins Stadtzentrum. Nach einem eindrücklichen und sehr erlebnisreichen Tag genossen wir die Ruhe in unserem rollenden Zu Hause.

Am nächsten Tag starteten wir in Richtung Rurrenabaque. Das Dorf liegt in tropischer schwüle am Rio Beni. Von dort aus planen wir eine Tour in den Urwald zu machen. Doch zuerst mussten wir Volltanken. An der Tankstelle wollte man uns keinen Diesel verkaufen, da sie die nötigen Quittungen für Ausländer nicht haben. Doch dann meinte die nette Señora ob wir nicht Kanister hätten, wir sollen doch das Fahrzeug ausserhalb parkieren und mit den Kanistern kommen, so dass man kein Kennzeichen sieht. So wurde die Tankfüllung ein bisschen umständlicher aber auch billiger.

Nun mussten wir die Stadt gegen Norden hin queren, dies erwies sich als sehr mühsam und nervenaufreibend. Die steilen Strassen am Berg sind überall verstopft und wir kamen nur sehr langsam vorwärts und konnten an einigen Steigungen nur noch mit schleifender Kupplung knapp anfahren. Nach gut zwei Stunden stockendem Verkehr hatten wir und vor allem unser Bus genug und wir entschieden uns für einen Flug nach Rurrenabaque. So können wir uns 450 Kilometer und gut 20 Stunden Fahrzeit sparen. Also ging es den ganzen Weg wieder zurück und danach wieder in die Stadt um die Flugtickets und die Tour mit Madidi Travel zu buchen. Jetzt sind wir am Packen und freuen uns vom Altiplano ins tropische Tiefland von Bolivien zu reisen und hoffen auf viele Begegnungen mit Tieren im Urwald.

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Kommentare: 2
  • #1

    René (Freitag, 31 Juli 2015 11:05)

    .... das isch äktschon! :-) ... immer wieder herrlich Eure Berichte zu lesen... auch die "farbigen" und lustigen Bilde sind eine Freude... beneide Euch gar nicht ;-)

  • #2

    Kathi (Sonntag, 09 August 2015 12:14)

    Wow ist ja irre, was ihr alles erlebt