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Flathy

Wir waren 22 Monate unterwegs und sind nun wieder zu Hause in der Schweiz!

Über den Altiplano in den hohen Norden von Chile

21.06.2015 – 15.07.2015: Salta – San Salvador de Jujuy - Laguna de Pozuelos – Susques – Paso de Jama (Argentinien/Chile) – San Pedro de Atacama – Geysir El Tatio – Calama – Chuquicamata – Salitrera Chacabuco - Antofagasta – Iquique – Pica – Salar de Huasco – Mamiña – Huara – Chusmiza – Isluga – Puchuldiza – Salar de Surire – Thermas de Jurasi - Arica  [Route]

Driving High“ könnte auch der Titel dieses Blogeintrags sein. Nicht wegen verbotenen Substanzen am Steuer, nein, sondern wegen den extremen Höhen in denen wir uns in den letzten Wochen bewegt haben. Eine Herausforderung für Mensch und Maschine!

 

Von Salta ging es über eine gut ausgebaute Strasse nach San Salvador de Jujuy. Etwas ausserhalb trafen wir uns auf einem Camping mit Iris und Stefan. Das Schwyzer Ehepaar ist mit ihrem umgebauten Landrover Defender auch mehr oder weniger entlang der Panamericana unterwegs (www.randulinas.ch). Wir verbrachten einen gemütlichen Abend zusammen und wurden zu einem gegrillten Rinderfilet eingeladen!

Tags darauf fuhren wir bei leichtem Nieselregen durch die Humahuaca Schlucht, welche für ihre farbigen und bizarren Felsformationen bekannt ist. Durch das fehlende Sonnenlicht kam das ganze Naturspektakel nicht sehr zur Geltung. Nach dem verschlafenen Ort Humahuaca (2939 m.ü.M.) steigt die Strasse weiter an und führte uns auf den Ausläufer des bolivianischen Altiplanos zu der Laguna de los Pozuelos (3700 m.ü.M.). Die Lagune ist bekannt bei Flamingo-Liebhaber, da unterschiedliche Arten dieser Vögel dort leben. Die Tiere sind aber sehr scheu und wir konnten uns auf einem Spaziergang entlang der Lagune praktisch nicht den Flamingos nähern. Die Nacht verbrachten wir in der Nähe der Lagune, umgeben von der kargen aber faszinierenden Altiplano Landschaft. Altiplano (3600 – 4100 m.ü.M.) wird die Hochebene genannt, die sich zwischen der West- und Ostkordillere der Anden in Bolivien und Peru bildet. Ausläufer dieser Hochebene finden sich aber auch an den Nordenden von Chiles und Argentiniens.

Auf dieser Höhe fallen die Temperaturen in den Wintermonaten immer unter den Gefrierpunkt. Dies konnten wir am eigenen Leib fühlen. Wir verbrachten eine unruhige Nacht bei frostigen -15°C, so kalt, dass am Morgen sogar das Wasser in den Leitung gefroren war. Zum Glück sind die Tage auf dem Altiplano meist wolkenfrei und sonnig, so dass die Sonne am Morgen bald wieder für ein bisschen Wärme sorgt. Dank dem Dieseladditiv „Ice Proof“ startete unser zuverlässiger Fünfzylinder auch nach solch kalten Nächten zuverlässig. Doch auch unser Bus ist in dieser extremen Höhe kurzatmig und dankt dies mit einer schönen Rauchwolke beim zehnminütigen morgendlichen Warmlaufen.

Von der Laguna de los Pozuelos fuhren wir über eine üble Schotterpiste über einen Pass mit knapp 4500 m.ü.M. Teilweise ging es nur noch im ersten Gang vorwärts, da unser Saugmotor einfach zu wenig Sauerstoff für eine saubere Verbrennung bekam. So ging es manchmal fast nur noch mit Schritttempo vorwärts. Am Rio Orosmayo schlugen wir auf knapp 4000 m.ü.M unser Lager auf und genossen das unbeschreibliche Panorama. Überall grasten Lamas und Alpacas welche von den Hochlandbewohnern gehalten werden. Diesen robusten Tieren macht die Höhe und das widrige Klima keine Probleme. Auch sahen wir entlang der Strasse häufig die wilden Verwandten der Lamas und Alpakas, nämlich die Vicuñas. Wir verbrachten einen ruhigen Tag am Rio Orosmayo und erkundeten ein bisschen die Umgebung, doch das bergauf Wandern fiel uns gar nicht leicht und schnell waren wir ausser Atem. In der bitterkalten Nacht gefror die gesamte Wasseroberfläche des Rio Orosmayo und am Morgen mit den ersten Sonnenstrahlen begann das Eis zu schmelzen und Eisstücke trieben auf dem Wasser den Fluss runter. Was für ein eindrückliches und schönes Schauspiel, dass sich jede Nacht wiederholt.

Nach der Wandertour stellten sich bei uns Kopfschmerzen ein und diese wurden bei Flavio so schlimm, dass sogar migräneartige Symptome auftraten. Nun wussten wir nicht, ob die Symptome von der Höhe kamen oder einfach nur starke Kopfschmerzen waren. Also beschlossen wir, in einer Nacht- und Nebelaktion, ein bisschen weiter zu fahren, so dass wir einiges an Höhenmetern verlieren konnten. Doch dies gestaltete sich schwierig, da die Schotterpiste noch über 150 km auf über 4000 m.ü.M. verlief. Nach über fünf Stunden Fahrzeit hatten wir nur knapp 500 Höhenmeter verloren und fielen abseits der Strasse in einen tiefen Schlaf. Am nächsten Morgen wurden wir von Lastwagen geweckt, welche sich schwarz russend die Strasse hinauf quälten. 

So ging es für uns weiter nach Susques und von dort über den Grenzpass Paso de Jama nach Chile. Der Grenzposten auf dem Pass ist auf 4200m.ü.M. Die Abfertigung verlief schleppend, vielleicht hängt dies mit der dünnen Luft zusammen. Glücklicherweise zeigt die Señora der Lebensmittelkontrolle nicht wirklich grossen Elan bei der Suche von Lebensmitteln und so konnten wir bald über den chilenischen Teil des Altiplanos weiterfahren. Die faszinierende Strasse steigt nochmals an und bald ist der höchste Punkt des Passes mit 4830 m.ü.M. erreicht! Wow! Da kamen wir schon beim Fotografieren ausser Atem.

Mit heftigem Gegenwind ging es langsam Bergab Richtung San Pedro de Atacama. Kurz vor San Pedro de Atacama verbrachten wir die Nacht neben der Strasse und am nächsten Morgen ging es in den Touristenort. Nach so vielen Tagen auf dem einsamen Altiplano kam es uns sehr komisch vor diese Horden von Touristen zu sehen. Wir setzen uns auf die Plaza und beobachteten das rege treiben und genossen es mal wieder Internet zu haben. Am Nachmittag besichtigten wir das Valle de la Luna, das bekannte Mondtal. Wunderschöne Gesteinsformationen, doch uns kam alles ein bisschen überlaufen vor und so setzten wir uns am gleichen Abend in Richtung der Geysire El Tatio ab. Um uns wieder an die Höhe zu gewöhnen übernachteten wir auf knapp 4000 m.ü.M. um die nächste Nacht bei den Geysiren zu verbringen. Da wir beide nicht gut schliefen, entschieden wir uns die Geysire am Tag zu besichtigen und einige Höhenmeter tiefer zu Übernachten. Die Strasse zu den Geysiren ist teilweise sehr steil, so steil, dass wir an einer Stelle auch im ersten Gang nicht hoch kamen. Also musste Flavio aussteigen und schieben, so dass der Bus wieder an Schwung gewinnen konnte. Sobald er wieder an Fahrt gewonnen hatte konnte Flavio hinten aufspringen und so ging es den Steilen Hang hoch. Auch am Tag haben uns die sprudelnden Geysire begeistert und wir genossen ganz allein ein warmes Bad auf 4300 m.ü.M. Was für ein schönes Erlebnis!

Noch am selben Tag nahmen wir Kurs auf Calama, die Minenstadt Chiles. Die Strecke führte uns durch die Atacamawüste vorbei an Riesengrossen Windrädern und Solarzellenfeldern. Doch dies alles nur im kleinen Rahmen, in der Atacamawüste gäbe es noch so viel Potential für Alternative Energiegewinnung.

Schon mehrere Kilometer vor Calama sahen wir im Wüstenhimmel der Rauch der Verhüttungsanlagen und der Staub der riesigen Minenlastwagen. Nach einem kurzen Stadtrundgang, machten wir einen grösseren Einkauf an Lebensmittel und übernachteten ausserhalb Calama in der Nähe der Minen. Für den kommenden Tag hatten wir uns für eine Minentour zum grössten Kupfertagbau der Welt angemeldet – die Mine Chuquicamata. Als wir Tags darauf beim Minenbüro von Codelco ankamen, sahen wir zu unserem Erstaunen, dass Ingrid und Reinhard, ein deutsches Ehepaar, welches wir vor über sieben Monaten in Uruguay getroffen haben, auch auf die Minentour wartete. Wie klein die Welt doch manchmal ist.

Es gab natürlich einiges über das Reiseleben auszutauschen und zu hören, welche Erfahrungen die zwei gemacht hatten. Leider wurde bei den zwei schon zweimal ihr VW T5 aufgebrochen und beide Male in Städten in Chile.

Mit dem Car ging es in die Geisterstadt „Chuqui“, wie Chuquicamata meist genannt wird. Dort gab es eine ausführlich Einführung über die Kupferproduktion. Chuqui ist seit 2008 eine Geisterstadt in der einst mehr als 10`000 Arbeiter gewohnt haben. Die Arbeiter wurden zu Beginn dieses Jahrhunderts nach Calama umgesiedelt, da die Feinstaubbelastung und die Luftverschmutzung in der näheren Umgebung zu gross sind. Nach einer viel zu öd gestalteten Einführung und vielen Fragen von den Besuchern ging es endlich mit dem Car in Richtung der grössten offenen Kupfermine der Welt. Ein riesiges Loch mit vielen Industrieanlagen zur Kupfergewinnung. Der Tagebau, oder auch grosser Sandkasten für Erwachsene, ist 5 Kilometer lang, 3 Kilometer breit und in Terrassen mehr als 1 Kilometer tief! Die Zahlen sind unvorstellbar und so gigantischer war es als wir über den Rand in diese Mine hinunterschauen konnten. Die Riesenbagger und Minenlastwagen erscheinen wie kleine Ameisen. Umso eindrücklicher ist es, wenn ein mit etwa 360 Tonnen Gestein beladener Minenlastwagen an einem vorbeifährt! Ein paar Fakten für Technikfreaks: 20 Zylinder Motor mit 90 Liter Hubraum und erzeugt 3650 PS, 180 Liter Dieselverbrauch pro Stunde (Tankinhalt 5000 Liter Diesel) Reifendurchmesser 4 Meter und ein Reifen kostet 40`000 US$. Über 100 Stück dieser Lastwagen fahren in der Mine umher und wenn keine Wartung ansteht laufen diese Monster 24h pro Tag.

Pro Tag werden mehrere Hundert Tonnen Gestein gesprengt, in die Minenlastwagen verladen, hochgebracht und zertrümmert. Das Kupfer wird dann Ausgeschmolzen oder mit Chemikalien ausgewaschen. Schwefelsäure und Arsen werden unter anderem verwendet und diese belasten seit Jahren das Trinkwasser der Umgebung stark. Jahrelang wurden angeblich diese Chemikalien direkt in der Wüste entsorgt...Der Kupfergehalt des Gesteins beträgt etwa 1% und selbst bei einem Gehalt von 0.8% lohnt die Förderung noch. Übrig bleiben im Jahr etwa 500`000 Tonnen reines Kupfer welches nach USA, Europa und China exportiert wird. All die Einnahmen gehen heute an den chilenischen Staat. Dies hat das Chilenische Volk der marxistischen Regierung von Salvador Allende zu verdanken, denn er verstaatlichte 1979 alle Kupferminen. Auf dieser Verstaatlichung der Minen basiert ein Grossteil des Wohlstandes Chiles.

Nach diesem Minenexkurs ging es für uns weiter über die Ruta Panamericana nach Antofagasta. Überall entlang der Strasse zwischen Calama und Antofagasta sieht man verlassene Salpeterminen. Zwischen Ruinen verbringen wir eine ruhige Nacht und am nächsten Morgen Besuchen wir die gut erhaltene Salpetermine Chacabuco. Die kleine Salpeterstadt wurde ende des 19. Jahrhunderts von Engländern gebaut und einiges der Infrastruktur und Maschinen ist noch übrig. Rheinweise angeordnet sieht man die aus Lehmziegel gebauten Baracken der Arbeiter, das Theater, alte Öfen und grosse Dampfkessel und teile von alten Autos. Dieser Besuch war für uns wie eine kleine Reise in die Vergangenheit im hohen Norden von Chile, welcher Chile aber noch gar nicht so lange gehört. Denn die Region Atacama (heute Norden von Chile) war im 19. Jahrhundert ein umstrittenes Grenzgebiet zwischen Chile, Peru und Bolivien. Erst durch die reichen Nitrat-vorkommen wurde das Wüstengebiet interessant und Chile übernahm im Salpeterkrieg 1879 die Herrschaft über das Gebiet. Denn schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts konnte Chile einen Wirtschaftsboom verzeichnen. Das Salz, das direkt unter der Wüstenoberfläche lagerte, wurde abgebaut, das daraus gewonnene Salpeter wurde als Düngemittel und zur Produktion von Schiesspulver auf den Markt gebracht. Im Norden von Chile gab es ca. 200 solche Salpterminen und die Region hatte eine Infrastruktur welche heute nur noch in ihren kümmerlichen Resten erkennbar ist: Ein Schienennetz von über 15`000 Kilometer durchzog die Wüste. Diese Schienen und einige zerfallene Bahnstationen begleiten uns manchmal neben der Strasse und zeugen von einer grossen Zeit! Schade, dass all die grossartige Infrastruktur einfach zerfällt.

Den Schienen folgend gelangten wir nach unserem Geschichtsexkurs nach Antofagasta, der grössten Stadt im Norden von Chile. Nach langer Parkplatzsuche konnten wir unseren Bus einigermassen sicher abstellen und machten uns auch die Suche nach der Autoersatzteilstrasse (in Südamerika sind häufig die Geschäfte mit den selben Artikeln in der gleichen Strasse – Konkurrenz am gleichen Ort, aber praktisch für den Käufer). Wir machten uns auf die Suche nach einem Schmiernippel für die Antriebswelle. Anscheinend hat uns der Mechaniker in Chillan, beim Wechsel des Antriebswellenlagers, den Schmiernippel mit dem Hammer zerstört und nicht ersetzt!!! Bemerkt haben wir es leider erst in Argentinien als wir die Schmierstellen wieder mal mit der Fettpresse abschmieren wollten.

Nachdem wir endlich einen Schmiernippel mit metrischem Gewinde gefunden haben konnten wir uns dem Stadtbummel widmen. Doch Antofagasta konnte uns nicht in seinen Bann ziehen, so dass wir am selben Tag die Stadt verliessen und auf einem Rastplatz neben den LKW Fahrer übernachteten. Endlich wieder mal auf Meereshöhe zu übernachten war angenehm, da die Nächte auf Meereshöhe nicht so kalt werden.

Am Nächsten Tag war unser Ziel der nahegelegene Kitestrand La Rinconada. Einer der wenigen Kitestrände im rauen nordchilenischen Pazifik. Leider hatte es an diesem Tag keinen Wind und auch der ganze Strand gefiel uns nicht. Überall liegt Müll, teils angeschwemmt vom Pazifik und teils von Leuten dort deponiert. Also legten wir wieder einen Gang ein und es ging weiter entlang dem Pazifik in Richtung Norden Iquique. Eine Nacht verbrachten wir an einem abgelegenen Strand mit gewaltiger Brandung. Ein schönes Schauspiel war es die etwa drei Meter hohen Wellen über den Felsen brechen zu sehen. Der ganze Küstenabschnitt im Norden von Antofagasta ist sehr felsig und nicht weit hinter den Stränden steigt eine etwa 500 Meter hohe Felswand steil an. An den Küsten des Pazifiks gibt es in den Wintermonaten nur wenig Sonnenstunden, da praktisch jeden Tag eine tiefe Wolkendecke das Sonnenlicht absorbiert. So hielt uns nicht viel an den Stränden und schon am nächsten Tag fuhren wir nach Iquique und besichtigten die Stadt. Iquique erstreckt sich auf einer schmalen Uferplattform zwischen Pazifik und einer direkt hinter der Stadt auf über 600 Meter Höhe anwachsende Kordillerenwand. Iquique war eine der wichtigsten Städte während des Salpeterbooms, da hier die Ware auf Schiffe verladen wurde. Heute hat dies Stadt keine solch wichtige Position mehr, umso wichtiger ist die Freihandelszone „Zofri“ welche über 10`000 Personen beschäftigt. Es gibt jede Menge Produkte aus China zu Kaufen und natürlich Autos und Autozubehör aus Asien. Doch uns zogen eher die gut erhaltenen Kolonialen Gebäude in den Bann. Leider fanden wir in der Stadt keinen guten Übernachtungsplatz und so übernachteten wir wieder einmal bei den Camionistas an einer Tankstelle. Nach zwei Tagen Stadt war es Zeit aufzubrechen und unser nächstes Ziel war Pica. Eine kleine Oasenstadt in der Atacamawüste, welche bekannt für ihre tropischen Früchte ist, da dort ein spezielles Mikroklima herrscht. Dort angekommen kauften wir einiges an Früchte und Gemüse ein. Leider gibt es in den Wintermonaten wenig tropische Früchte, aber ein paar Mangos konnten wir gleichwohl kaufen.

Über eine üble Schotterpiste schraubten wir uns von 1000 m.ü.M. innert 40 Kilometer auf knapp 4000 m.ü.M zum Salar de Huasco hoch. Der Salar de Huasco beheimatet drei Flamingoarten und diverse andere Wasservögel. Bei heftigem Wind und kalten Temperaturen machten wir einen kurzen Spaziergang zu den Flamingos um die scheuen Wasservögel ein bisschen besser beobachten zu können. Da wir nicht, ohne uns wieder anzugewöhnen, in dieser grossen Höhe übernachten wollten setzten wir uns hinters Steuer und fanden bald neben der Strasse einen Schlafplatz. Am nächsten Tag besuchten wir den Thermalbadeort Mamiña. Doch die Thermen haben uns nicht gefallen und wir suchten uns neben der nahegelegenen Kupfermine Cerro Colorado einen Schlafplatz in der Wüste.

Nach zwei erholsamen Tagen ging es wieder hinunter auf die Panamericana und dort machten wir uns in Huara auf die Suche nach Diesel, da wir ab Huara wieder auf den dünn besiedelten Altiplano aufsteigen wollen um die Ruta Altiplanica von Colchane nach Putre zu fahren. Eine abenteuerliche Route auf über 4000 m.ü.M. entlang der der bolivianischen Grenze. In einem kleinen Laden wurden wir fündig, doch der nette alte Mann wollte fast den doppelten Preis als an der Tankstelle, welche 40 Kilometer südlich liegt. So entschlossen wir uns den Umweg über Pozo Almonte in Kauf zu nehmen um an günstigen und qualitativ besseren Diesel zu kommen. An der Tankstelle in Pozo Almonte gab man uns Diesel aber der Chef wollte uns kein Wasser für unseren Wassertank geben, auch nicht gegen Bezahlung. Bei einem kleinen Restaurant wurden wir fündig und eine netten Señora hat uns ihren Wasserschlauch zur Verfügung gestellt. Zum Dank assen wir bei ihr ein typisch chilenisches Mittagsmenü. Mit Diesel- und Wasservorrat ging es auf die Ruta 16, welche schon nach kurzer Zeit steil ansteigt. Um uns an die Höhe zu gewöhnen verbrachten wir eine Nacht in einem Steinbruch am 3000 m.ü.M. Am darauffolgenden Tag stiegen wir um weitere 600 Höhenmeter an und verbrachten die Nacht bei den Thermen in Chusmiza. Die Thermen oder besser gesagt das Thermalbecken befindet sich in einem kleinen Tal und das warme Wasser kommt direkt aus dem Fels. Wir genossen das Bad bei warmen 40°C Wassertemperatur und machten interessante Begegnungen mit Einheimischen. Viele Leute aus der Umgebung kommen in die Thermen und haben auch Duschgel dabei. Frischfröhlich seifen sie sich ein und waschen sich im Thermalwasser. Zum Glück hat das Becken einen guten Durchfluss. Dies kommt uns ein bisschen komisch vor, doch einige Leute haben in den Andenregionen gar keine Dusche zu Hause. Da wir auch keine Hausdusche haben, taten wir es ihnen gleich, jedoch duschten wir mit einem Eimer ausserhalb des Beckens. Vom Verwalter der Therme bekamen wir die Erlaubnis die Nacht auf dem Gelände zu verbringen und so hatte wir ab sechs Uhr das ganze warme Wasser für uns alleine! Am kommenden Morgen genossen wir vor der Abfahrt nochmal das heisse Bad bei Minustemperaturen. Am selben Tag fuhren wir bis zum Grenzort Colchane und erkundigten uns nach den Strassenverhältnissen der Ruta Altiplanica. Wie es oft so ist bekamen wir verschiedene Antworten. Einige meinten nur mit 4x4 und eine nette Señorita sagte uns, dass sie einen Teil der strecke vor zwei Wochen ohne 4x4 gefahren ist. Dies klang für uns schon mal vielversprechend. Doch zuerst wollten wir noch einen kleinen Abstecher zum Geysirfeld Puchuldiza machen. Aber bevor wir bei den Geysiren auf 4200 m.ü.M. übernachten konnten, verbrachten wir eine weitere Nacht auf knapp 4000 m.ü.M. an einem kleinen Flusslauf umgeben von Lamas. Am kommenden Morgen ging es über eine sehr schlechte Schotterpiste hinauf zu den Geyiren. Schon von weitem sahen wir die Dampffahnen des heissen Wassers. Da diese Geysire touristisch nicht erschlossen sind, gibt es keine Abschrankungen und wir konnten mit dem Bus direkt aufs Geysirfeld fahren und neben einem warmen Flüsschen campen. Am Nachmittag badeten wir in dem etwa 30°C warmen Wasser, doch die Wassertemperatur von 30°C ist bei dem kalten Klima und dem starken Wind einfach zu wenig. Bei Sonnenuntergang machten wir nochmals einen Spaziergang entlang der verschiedenen sprudelnden Geysire. Wunderschön und sehr eindrücklich was die Natur da hervorbringt. Nach einer unruhigen Nacht in dieser grossen Höhe standen wir früh auf um das Naturschauspiel bei Sonnenaufgang zu sehen. Durch die kalte Umgebungstemperatur am Morgen, dampft jedes Warme Wasserloch und der grösste Geysir sprüht sein etwa 85°C warmes Wasser mehrere Meter hoch in die Luft. Wo es zu Boden fällt entsteht ein mehrere Meter hoher Eishügel. Dieses Schauspiel genossen wir mit eiskalten Fingern bei -15°C! Nach diesem frostigen Start in den neuen Tag wärmten wir uns an der Sonne ein bisschen auf und machten uns auf den Weg in Richtung Putre auf der Ruta Altiplanica. Da der Dieselverbrauch in der grossen Höhe ein bisschen höher ist, waren wir uns nicht sicher ob unsere Dieselreserven für die 250 Kilometer einsame Pisten reichen wird. Unsere 2 x 20L hatten wir schon in den Tank geleert und somit wären wir ohne Reserve unterwegs gewesen. Da weit und breit keine Tankstelle in Sicht war, fragten wir uns bei den entgegenkommenden Lastwagen durch. Es dauerte nicht lange und ein Fahrer willigte ein uns 20L Diesel aus seinem Tank zu verkaufen. Alles ging Ruck-Zuck, Schlauch in den Tank, dann hat er angesogen bis er den Mund voll Diesel gehabt hat und ab in den Kanister. Für das Diesel ansaugen kriegte der Fahrer zusätzlich zum Preis noch ein gutes Trinkgeld.

Vorbei am rauchenden Vulkan Isluga ging es auf einer sandigen Wellblechpiste in Richtung Salar de Surire, einem grossen Salzsee nahe der Grenze zu Bolivien. Einsame Pisten schlängelten sich vorbei an verlassenen Dörfern und kletterten über kleine Erhebungen. Kurz vor dem Salar stieg die Piste noch mal bis knapp 5000 m.ü.M. an und dann ging es hinunter zum blendend weissen Salar de Surire. Entlang des Salzsees sehen wir grosse Herden der wilden Vicuñas. Chile hat auf dem Altiplano ein Schutzgebiet für die fast ausgerotteten Vicuñas geschaffen und heute leben auf dem chilenischen Altiplano etwa 30`000 dieser wilden Verwandten der Lamas.
Nach einer Fahrt entlang des Salzsees, schlugen wir unser Nachtlager bei den Thermas de Polloquere auf. In einem grossen bis zu 50°C heissen See kann man baden. Leider handelt es sich um schlammigen Boden, was nicht wirklich Spass macht, da man bei jedem Schritt tief einsinkt. Bei eiskaltem Wind liess sich Flavio ein Bad in dem heissen Wasser nicht entgehen, Nathy zog es vor, nur die Füsse zu baden. Entspannt und Müde fielen wir ins Bett, doch es wurde wegen der Höhe wieder eine unruhige Nacht. In grosser Höhe schlafen wir beide nie so gut, wir wissen nicht ob es die Höhe an sich ist oder auch noch die Kälte, welche uns den Schlaf raubt.

Als wir am Morgen dann endlich wieder eingeschlafen waren, fuhr ein Lastwagen vorbei und blieb auf der sandigen Piste direkt neben unserem Bus stecken. So war es auch wieder vorbei mit schlafen, da die Camionistas etwa zwei Stunden brauchten, bis sie den Lastwagen ausgegraben hatten und der Fahrer immer mit dem Gas spielte. Auf dem Salzsee verkehren viele Lastwagen, da dort eine private Firma Borax abbaut. Eigentlich gehört der See zu einem Naturschutzgebiet, doch die Firma beruft sich auf alte Schürfrechte und so zerstören sie einen grossen Teil dieser einzigartigen Landschaft. Begleitet von den Borax Lastwagen ging es für uns weiter nach Norden vorbei an weiteren Vulkanen durch faszinierende Landschaften. Nach über fünf Stunden Fahrzeit auf Wellblech gönnten wir uns ein Bad in den einfachen Thermen de Jurasi, wo wir auch gerade übernachteten. Vorerst war dies die letzte Nacht auf über 4000 m.ü.M, denn nun ging es bergab bis auf Meereshöhe nach Arica. Diese Hochlandroute mit den Geysiren, den rauchenden Vulkanen und den natürlichen Thermen, war für uns eine der eindrücklichen und schönsten der bisher gefahrenen Routen. Aber dennoch sind wir froh wieder ins Tiefland zu gelangen, da wir wieder mal gut Schlafen möchten und das Reisen in grosser Höhe auch sehr anstrengend ist. 

Die Tage in Arica wollen wir nutzen um auch mal dem Bus eine Wellnesskur in Form eines Ölwechsels zu gönnen, einige Einkäufe zu erledigen und Wäsche zu waschen. Natürlich auch um die Stadt anzuschauen und ein bisschen durch die Gassen zu schlendern. Denn in ein paar Tagen geht es für uns wieder auf den Altiplano und weiter nach Bolivien – vom Wohlhabendsten Land ins ärmste Land Südamerikas. Wir sind gespannt was Bolivien für uns bereithält.

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