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Flathy

Wir waren 22 Monate unterwegs und sind nun wieder zu Hause in der Schweiz!

Von Chos Malal über den Paso Pichachen an die chilenische Pazifikküste

10.03.2015 – 30.03.2015: Chos Malal – Andacollo – Paso Pichachen (Argentinien/Chile) – NP Laguna del Laja – Antuco – Ralco – Alto Bio Bio – Lago Lanalhue – Laraquete – Dichato – Playa Perales – Chillan -Coihueco (Las Brisas)

Im Moment geniessen wir den prächtigen Herbst auf dem Campo Las Brisas bei Maja und Bruno, Maja ist die Patin von Flavio. Seit knapp zwei Wochen leben wir wieder in einem Haus und geniessen jeden Tag eine warme Dusche, was für ein Luxus! Wir genossen schon viele lustige und unterhaltsame Abende mit Maja und Bruno. Doch mehr dazu später.

Erstmal ging es für uns von Chos Malal weiter in Richtung der chilenischen Grenze. Über eine staubige und kurvige Piste fuhren wir Stundenlang bis nach Andacollo. Andacollo ist ein kleines Städtchen und die ganze Bevölkerung lebt von der nahe liegenden Goldmine Andacollo Gold.

Für uns gab es nicht viel interessantes zu sehen und wir zogen weiter bis wir an einem kleinen Fluss einen schönen Schlafplatz gefunden haben. Da wir am nächsten Tag die Grenze nach Chile überqueren wollten, kochten wir aus unserem Rinderfilet noch eine gute Bolognese Sauce und verwerteten die anderen Frischprodukte. Am nächsten Morgen brachen wir schon mit den ersten Sonnenstrahlen auf, um in der kühlen Morgenluft die ersten Stunden zur chilenischen Grenze zu fahren. Der Paso Pichachen ist ein sehr kleiner und wenig befahrener Grenzübergang, welcher nur für drei Monate im Sommer geöffnet ist. Die staubige Piste zog sich kilometerweit durch ein Tal und steigt schlussendlich mit mehreren Serpentinen auf über 2000 m.ü.M an. Vom Pass bietet sich ein wunderbares Panorama und man kann den grossen Vulkan Antuco sehen. Die Grenzformalitäten am argentinischen Grenzposten sind schnell erledigt und auch der argentinische Grenzbeamte gibt sich nach dem Öffnen einiger Schränke zufrieden. Nach weiteren 50 Kilometer kommen wir endlich zum chilenischen Grenzposten. Als wir ausstiegen war noch kein Zollbeamter zu sehen und so machten wir uns zwischen den Containergebäuden auf die Suche. Schnell fanden wir die gelangweilten Zöllner und sie waren sichtlich erfreut wieder mal eine Abfertigung zu machen. Doch zuerst mussten sie sich die Dienstmarken, im amerikanischen Stil, um den Hals hängen und noch die Pistolen in den Hosenbund stecken. Die Pässe waren schnell gestempelt und auch der Bus schnell Eingeführt. Nun kam noch der nette Lebensmittelkontrolleur und wollte alles ganz genau anschauen. Diesmal hatten wir glücklicherweise alle verbotenen Lebensmittel schon gegessen und so konnte er uns nur noch einen Knoblauch wegnehmen. Für diesen heissen Fund musste er noch zwei Dokumente ausfüllen und wir mussten diese noch eigenhändig signieren. Bei diesem Prozedere mussten wir uns sehr zusammennehmen, dass wir bei dieser übermässigen Bürokratie nicht laut loslachten. Nachdem wir ein Duplikat dieser wichtiger Dokumente bekommen haben, konnten wir weiterfahren. Nun ging es durch den Nationalpark Laguna del Laja. Inmitten des Nationalparks ragt der schwarze Vulkan Antuco hervor, welcher das letzte mal 1869 ausbrach. Überall sind noch grosse Lavafelder zu sehen. In der nähe des gleichnamigen Dorfes übernachteten wir auf einem Camping direkt an einem schönen Fluss.

Von Antuco zog es uns in die Region Alto Bio Bio, welche überwiegend noch von Pehuenche Indianern bewohnt ist. Der Rio Bio Bio wurde durch Staudämme stark verändert und so mussten viele Pehuenche umgesiedelt werden. Heute leben die Nachfahren der Indianer in sehr armen Verhältnissen auf ihnen von der Regierung zugewiesenen Parzellen. Heute versuchen die Pehuenche von Landwirtschaft und Tourismus zu leben, doch die Armut in diesen gebieten ist sehr gross. Wir verbrachten zwei Tage in der Region Alto Bio Bio und dann zog es uns weiter an die chilenische Pazifikküste. Über Angol ging es weiter nach Lebu. Auf dem Weg an den Pazifik kamen wir an einem Waldbrand vorbei. Eindrücklich loderten die Flammen und die Löschhelikopter waren ununterbrochen im Einsatz. Nach einer Stunde gaffen fuhren wir weiter Richtung Lebu. Lebu ist eine kleine Stadt an der Pazifikküste und lebt vom Fischfang. Am Hafen sind überall die wunderschönen, hölzernen Fischfangbote zu sehen. Grosse Gebiete im Hafen sind voll mit restaurierungsbedürftigen und teilweise restaurierten Booten. In dieser Region findet man überall solche Boote die restauriert werden müssen, da sich im Jahre 2010 ein schweres Seebeben in der nähe der Millionenstadt Concepcion ereignete und ein Tsunami grosse Küstenabschnitte verwüstete und auch die Fischerbote wie Papierschiffchen auf Festland spülte. Noch heute kann man vielerorts die Auswirkungen dieses Tsunamis noch sehen. Auch gibt es heute überall Warnschilder und Alarmsirenen um in einem solchen Fall die Bevölkerung möglichst früh zu warnen.

Wir schauten zu wie die Fischerboote repariert und wieder aufgebaut werden und uns entging auch nicht, dass viele der neu restaurierten Boote einen Japanischen Namen tragen. Japanische Firmen zahlen die Restaurierung um die Boote möglichst bald wieder einsatzfähig zu bekommen um wieder genug Fisch für ihre Sushi zu haben, denn grosse Mengen der chilenischen Fänge werden nach Japan exportiert.

Doch Lebu lud uns nicht zum verweilen ein, so fuhren wir noch etwa 100 Kilometer entlang der Küste bis nach Laraquete. Auf dieser Route begegneten uns zahlreiche Holztransporter, welche das geschlagene Holz in die Zellulosefabrik in Arauco transportieren. Nördlich der riesigen Zellulosefabrik liegt Laraquete, wo wir zwei Tage auf einem Camping direkt am Meer wohnten. Wir genossen es wieder einmal einen angenehmen Schlafplatz zu haben, denn in den letzten Tagen hatten wir immer Mühe gute Schlafplätze zu finden, denn das Gebiet der Region Bio Bio ist stärker besiedelt als der Süden Chiles.

Sogar ein Bad im Eiskalten Pazifik haben wir gemacht, doch nur einmal, da danach nur eine kalte Dusche wartete. Aber der Pazifik lädt nicht wirklich zum Baden ein, die Strömungen sind sehr stark, die Wellen sehr gross und das Wasser wird praktisch nie wärmer als 16°C. Nach zwei ruhigen Tagen ging es für uns nach Concepcion um uns beim Zoll nach unserem Ersatzteilpaket zu erkundigen. Es stellte sich heraus, dass noch Dokumente fehlen und das Paket beim Zoll in Santiago festhängt. Nun haben wir diese Dokumente nachgereicht und das Paket nach sieben Wochen endlich bekommen!

Von Concepcion ging es über eine schöne Küstenstrasse alles entlang dem Pazifik bis nach Dichato. Der kleine Küstenort wurde 2010 durch den Tsunami fast vollständig zerstört und ist nun praktisch neu aufgebaut. Wir verbrachten an der Strandpromenade eine ruhige Nacht mit Polizeischutz. Denn am Abend kam extra noch die Polizei auf einen Abendgruss vorbei. Am nächsten Morgen folgten wir der Küstenstrasse weiter nach Playa Perales. Dieser wilde Pazifikstrand faszinierte uns und so verbrachten wir zwei Tage dort und genossen das tosen der grossen Wellen. Am Strand bekamen wir Besuch von Viktor, der Gemeindearbeiter aus dem nahe gelegenen Dorf. Viktor hatte wahnsinnig Freude sich ein bisschen mit uns zu unterhalten und meinte, dass wir in diesem Jahr die ersten Europäer seien die er an seinem Strand antreffe.

Nach diesen zwei Tagen zog es uns nun zur Patin von Flavio. Grösstenteils über Asphalt ging es in die Stadt Chillan und dann weiter aufs Land auf den Campo „Las Brisas“ von Maja und Bruno. Die zwei Schweizer leben schon seit gut 18 Jahren in Chile und haben einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb. Von Schafzucht über Bienenzucht zu Rinderzucht haben sie schon alles gemacht. Das wunderschöne alte Herrenhaus aus Lehm liegt malerisch umgeben von diversen Bäumen abseits des Dorfes Coihueco. Neben den Rindern gibt es noch Hühner und Perlhühner, zwei Katzen und fünf Hunde. Auf Las Brisas ist immer irgend etwas los und wenn mal nichts zu tun ist, kann man ein Bad im Swimmingpool nehmen. Wir genossen zwei Wochen mit Maja und Bruno und hatten viele lustige Abende zusammen. Die meiste Zeit arbeiteten wir auf dem Campo mit oder machten einen kleinen Ausflug nach Chillan mit dem Pick-up.

Eines Morgens gerade erst aufgewacht zog Flavio das T-Shirt an und als er sich nochmal aufs Bett legte, spürte er einen Stich im Rücken. Sofort aufgesprungen und das T-Shirt ausgeschüttelt konnte man den Übeltäter am Boden sehen, eine kleine braun-schwarze Spinne, welche sich im T-Shirt versteckt hatte.

Jetzt war nicht mehr an einen gemütlichen Morgen zu denken, denn in Chile gibt es eine sehr giftige Spinnenart, welche bekannt ist unter dem Namen Araña de Rincon. Der Spinnenbiss kann tödlich verlaufen und es existiert kein Gegengift. Schnell haben wir die Spinne mit einem Glas eingefangen und Maja und Bruno gezeigt. Beide waren sich nicht sicher ob es sich um diesen hochgiftigen Spinnentyp handelt. Nun wurde uns ein bisschen mulmig zu mute und wir fuhren mit Maja auf den Notfall in Chillan.

Majas Gynäkologe ist auch offen für andere Beschwerden und so konnten wir ohne Voranmeldung zu dritt in die Arztpraxis gehen. Auch Dr. Cox war sich nicht sicher ob es sich um die Araña de Rincon handelt, also ging er durchs Krankenhaus und fragte jegliche Leute ob es sich um diese Spinnenart handelt. Form und Grösse stimmten mit der Araña de Rincon überein, doch die Färbung war ein bisschen dunkler als Normal. Dies liess darauf schliessen, dass es sich wahrscheinlich um ein älteres Tier handelt. Schlussendlich war nicht abschliessend klar, dass es sich um die Araña de Rincon handelt, doch die Ärzte gingen davon aus und wollten Flavio auch so behandeln. Also bekam Flavio 5mg Kortison für die nächsten 5 Tage verschrieben und musste fünf bis sechs Liter Wasser trinken um das Gift zu verdünnen. Dieser Tag war sehr ungemütlich, da alles so ungewiss war. Glücklicherweise gab es nur eine schwache Rötung um die Bissstelle und keine weiteren Symptome entwickelten sich. Noch einmal richtig Glück gehabt!

Nun hüten wir das Haus und die Tiere und Maja und Bruno sind mit ihrem Campingbüssli unterwegs im Norden von Chile und Argentinien. Wir geniessen die Tage auf Las Brisas und nutzen die Zeit auch um unseren Bus wieder auf Vordermann zu bringen. Wir haben noch einige Umbauprojekte vor, da sich in den letzten Monaten einige Mängel gezeigt haben. Wir müssen das Lenkgestänge ersetzen und auch das Lenkgetriebe, da dies ausgeschlagen ist. Weiter ist der Dachträger der grossen Dachlast nicht gewachsen. Nun verkürzen wir den Dachträger und bringen die restliche Ware unter dem Bett unter, welches wir um 30cm erhöhen wollen. Also gibt es noch einiges zu tun und auch die regulären Arbeiten auf dem Campo füllen die Tage schnell aus. So und nun nehmen wir ein Bad im kühlen Pool und wünschen allen frohe Ostern!

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Kommentare: 2
  • #1

    Christine Wüthrich (Dienstag, 07 April 2015 18:49)

    Liebi Nathalie, liebe Flavio
    mit grossem Inträsse liseni öii Reisebrichte und bestuune die schöne Föteli. I bi fasch chli niidisch worde, woni die vo "las brisas" gseh ha! Es isch sooo schön, dass dir der Campus tüet hüete und die zwöi, dank öich, wider einisch zäme chöi Ferie mache. I bi froh, hesch du Flavio, der Spinneleagriff guet überstande. I ha o einisch imene Egge e Arana entdeckt, doch d'Maja het churze Prozäss mitere gmacht und se i Tarantelhimmu gschickt. Es isch toll, dass dir üs a öine Erläbnis löt la teil näh und i fröie mi jetz scho ufe nächscht Bricht. Gniesset öii Reisezyt und blibet gsund derbi.
    Mit emene liebe Gruess usem Züri Oberland o a d'Maja und a Bruno
    Christine

  • #2

    Flathy (Donnerstag, 09 April 2015 02:43)

    Liebi Christine...
    schön bisch du bi üs drbi....u u schön vo dir zghöre.. mir gniesses hie ufem Campo sehr u verbringe viu Zit a üsem Büsli, mite Hüng, Hühner, Büsis u natürlch am Pool, sogar itze im Herbst Chöimer no guet bade und äs isch super Wätter! U du hesch ä nöi interessante Job gfunde heimer ghört. Aues guet und ä gueti Zit. Nathy & Flavio