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Flathy

Wir waren 22 Monate unterwegs und sind nun wieder zu Hause in der Schweiz!

Von El Calafate nach Chile auf die Carretera Austral

24.01.2015 – 05.02.2015: El Calafate – El Chaltén – Lago Desierto – NP Perito Moreno – Bajo Caracoles – Passo Roballos (Argentinien/Chile) – Cochrane - Los Ñadis – Cochrane

Die letzten Tage waren geprägt von staubigen und abgelegenen Schotterpisten, von Autopannen und eindrucksvollen wilden Landschaften. Aber nun von vorne...

Nach erholsamen Tagen am Lago Roca und in El Calafate ging es für uns weiter ins 280 Kilometer entfernte El Chaltén. Es wird auch das „Chamonix von Südamerika“ genannt. Nicht ganz zu unrecht, da sich hier Bergsportler, Trekker und auch möchtegern Bergfreaks tummeln. Das kleine verschlafene Dorf befindet sich am Fusse der weltbekannten Berge Cerro Torre und Firtz Roy. Beides sehr anspruchsvolle Kletterberge. Nach einer windgepeitschten Fahrt kamen wir bei stahlblauem Himmel in El Chaltén an und hatten schon auf den letzten Kilometer freie Sicht auf diese imposanten Berge!

Im Dorf angekommen versorgten wir uns bei der Nationalparkverwaltung mit leider nur dürftigen Informationen zum Nationalpark. Danach wollten uns noch mit einigen Früchten und Gemüse eindecken, doch der Supermarkt war praktisch leer gekauft und die Frischwaren kommen nur einmal pro Woche. Alles wird mit Lastwagen aus der Provinz Buenos Aires bis tief in den Süden von Patagonien transportiert. Es kommt öfter vor, dass es irgendetwas nicht zu kaufen gibt oder nur sehr schlechte Qualität. Das was bei uns bei Coop oder Migros weggeworfen wird, gibt es hier noch lange zu kaufen.

Über eine üble Schotterpiste ging es von El Chaltén weiter zum Lago Desierto, wo wir eine Nacht an diesem glasklaren See verbrachten. Da Flavio an diesem Tag Geburtstag hatte und sogar noch einen runden feiern konnte, haben wir noch ausgiebiger und gemütlicher gefrühstückt als sonst. Als Geschenk gab es einen schönes Mate Tee Set um auch so cool Yerba Mate zu trinken wie die Südamerikaner. Danach machten wir uns auf um ein bisschen ein abgelegeneres Plätzen am See zu finden, wo es die Fische nicht interessiert ob man ein Anglerpatent hat oder nicht. Die in Punta Arenas neu gekaufte Angelrute erwies sich als gute Investition und schon bald biss beim ungeduldigen Fischer eine schöne 40 cm Forelle! Was für ein Glückstag! Der Fisch war so gross, dass wir nicht weiter fischen konnten, sonst hätten wir zu viel aus dem See gezogen. Die schöne Forelle ergab ein schönes Geburtstagsessen.

In den kommenden Tage unternahmen wir noch eine Wanderung zu einen schönen Gletscher und and den Fuss des Fitz Roy, doch im ganzen Nationalpark wimmelte es nur so von Trekkern und Bergsteigern. Also zog es uns bald weiter nach Norden.

Über 400 Kilometer Schotterpiste ging es zum Nationalpark Perito Moreno. Dieser gehört zu den kleinsten und am wenigsten besuchten Nationalparks in ganz Argentinien. Dies hängt sicherlich auch von der schlechten Verkehrstechnischen Erschliessung ab. Die nächste grössere Siedlung mit Lebensmittel- und Dieselversorgung ist Gobernador Gregores und liegt über 200 Kilometer entfernt. Nach über 100 Kilometer schmaler Schotterpiste erreichten wir beim Eindunkeln den kleinen Nationalpark. Eigentlich wäre es nur erlaubt bis um 21 Uhr den Park zu befahren, doch da wir auf den schlechten Pisten langsamer als erwartet unterwegs waren, kamen wir bei der Parkverwaltung erst um 22.30 an. Dies nicht sehr zur Freude des Rangers, welcher uns mit finsterer Mine anschaute und in leicht gereiztem Ton fragte was wir hier zu so später Stunde noch zu suchen haben. Wir erklärten, dass wir einen sicheren Schlafplatz suchen und nicht am Parkeingang übernachten wollten und nach ein bisschen Small Talk war die schlechte Laune verflogen. Somit konnten wir sogar neben der Parkverwaltung übernachten und am nächsten Morgen wurde uns einige Erklärungen zum Nationalpark abgegeben. Bis auf eine argentinische Familie, welche ihren Sommerurlaub im Nationalpark verbringt und uns gerade auf einen Mate Tee einlud, waren wir alleine im Park. Am Nachmittag kamen zwei weitere Overlander im Park an. Simone und Michi aus dem Kanton Zürich und Erica und Sam aus Californien. Beide Paare sind von Alsaka nach Süden unterwegs und nun schon fast zwei Jahre on the road. Somit gab es einen lustigen Abend mit paar Bieren und vielen Geschichten. Sam aus Kalifornien ist der Entwickler der Ioverlander App und Website (www.ioverlander.com). Eine wirklich gute Übernachtungsplatz Datenbank für Weltreisende, schaut mal rein wenn ihr Zeit habt.

Weiter kamen am Abend auch noch zwei Schwyzer reisende, Pirmin und Michael, in ihrem roten Land Rover Defender an.

Bei einer kleinen Wandertour auf einen Aussichtsberg konnten wir Kondore ganz nah beobachten und wurden immer wieder von ihnen überflogen. Wahnsinnig wie wunderschön diese Riesenvögel fliegen! Kurz vor der Weiterfahrt wollten wir noch ans Südende des Nationalparks zum Lago Burmeister fahren. Der kleine Traktorweg war an einigen Stellen ausgewaschen aber glücklicherweise trocken. Das Befahren stellte keinerlei Probleme dar, bis auf eine Stelle, an der sich der Weg über eine Kuppe wendete. Der Bus neigte sich beachtlich zur Seite und dann auf einmal bricht das Hinterrad ein und sackte um praktisch einen halben Meter ab. Wir mussten uns festhalten, dass wir nicht aus den Sitzen fielen! Nun überkam uns ein mulmiges Gefühl, denn irgendwie war alles viel zu schnell gegangen und nun steckten wir in dieser sch**** Situation und dies auch noch auf einer so abgelegenen Strecke!

Über die Fahrertür kletterten wir aus unserem schiefen Haus und betrachteten die Situation von aussen. Wir kamen schnell zum Entschluss, dass wir besser im Moment nicht anfangen zu graben, da sich sonst das Fahrzeug noch mehr zur Seite neigen könnte. Somit sattelten wir unseren Rucksack und machten uns zu Fuss auf den Weg zum Lago Burmeister. Nach etwas über fünf schweigsamen Kilometern kamen wir am See an und zu unserer Erleichterung waren die zwei Schwyzer Jungs, Pirmin und Michael dort am Campen. Mit ihrem gut ausgerüsteten Land Rover ging es zurück zu unserem Bus. Alle waren sprachlos von der beeindruckenden Schräglage. Schaufeln wurden hervorgeholt, Sandbleche abgeschnallt, Luft aus den Reifen gelassen und der Land Rover mit Seilwinde in Position gebracht. Mitten in der Bergung kamen noch ein Trekker Paar der Strasse entlang gelaufen und legten sich auch gerade voll ins Zeug mit Schaufeln und Pickeln. Nach zwei Stunden war es soweit und der grosse Moment kam. Die Seilwinde baute Zug auf und Flavio setze sich hinters Steuer. Zuerst sackte das Heck noch weiter im Schlamm ein, doch dann Griffen die Räder endlich auf Holz und Sandblech und der Bus war frei! Die Erleichterung war riesengross! Noch einmal ein grosse Dankeschön an unsere Helfer.

Nun zog es uns weiter nach Norden und wieder ein bisschen auf sicherere Strassen. Für die 400 Kilometer von Nationalpark Perito Moreno über den Passo Roballos nach Cochrane in Chile brauchten wir etwa 12 Stunden. Durch einsame Täler windet sich die Strasse hoch zum Grenzübergang am Passo Roballos. Die Grenzformalitäten waren relativ schnell erledigt und auch der mürrische chilenische Zöllner hat nach einigen Worte wechseln auch aufgetaut. Zuletzt wollte er noch eine Gemüsekontrolle durchführen, doch er gab sich schnell mal mit einer Zwiebel und einem Apfel zufrieden, den Käse wollte er auch noch haben, doch durch unser Gespräch hat er dies wieder vergessen und wir fuhren mit praktisch all unseren frischen Lebensmitteln weiter ;-) Todmüde suchten wir am Abend entlang der Carretera Austral noch einen Schlafplatz und übernachteten schlussendlich bei einer kleinen Fährstation am Rio Baker kurz vor der verschlafenen Ortschaft Cochrane. Nun sind wir also auf der berühmten und berüchtigten Carretera Austral (Südstrasse) unterwegs. Diese 1200 Kilometer lange Piste wurde unter Pinochet erst ab den 1979er Jahren durch die Wildnis Südchiles geschlagen. Sie ist Chiles schönste Route in die Einsamkeit. Der Südlichste Teil wurde erst um 1994 gebaut, bis dahin wurden die Ortschaften nur zu Fuss oder mit Pferd verbunden.

Entlang dieser Strasse ist alles noch wild, die Ortschaften verschlafen und das ganze kommt einem sehr abenteuerlich vor. Wir verbrachten einen Tag im kleinen Dorf Chochrane um unsere Lebensmittel und Dieselvorräten einzudecken, da wir noch ein Stück der Carretera in den Süden folgen. Auch genossen wir nach zwei Wochen wieder mal eine WLAN Verbindung zu haben.

Über schlechtes Wellblech ging es mit ca. 20 Stundenkilometer weiter nach Süden. Wir passierten viele Seen und Flüsse, doch die meisten sind gar nicht durch Wege erschlossen und somit nur schwer zu erreichen. Durch einen Tip von anderen Reisenden sind wir auf einem sehr abgelegenen Campo am Rio Ñadis bei einem deutsch/chilenischen Ehepaar gelandet. Auf dem Campo leben Lili und Rosendo mit ihren Kindern. Der malerische Bauernbetrieb liegt nahe am Zusammenfluss von Rio Ñadis und Rio Baker umgeben von 2000-3000 Meter hohen schneebedeckten Bergen. Schon bei der Hinfahrt mussten wir eine wacklige Hängebrücke mit Holzboden befahren, welche sich unter dem Gewicht unseres Kolosses stark durchbog. Wir genossen es nun wieder einmal ein paar Tage an einem Ort bleiben zu können und dies erst noch in dieser wunderschönen Natur. Hier kommt es uns vor wie in einem kleinen Paradies! An einem warmen Sommertag unternahmen wir mit Lili einen Tagesritt zu den Baker Fällen. In der kühlen Morgenluft ritten wir über den Campo und schon bald folgten wir auf uralten Pferdepfaden dem Flusslauf des Rio Bakers, dem wasserreichen Fluss Chiles. Der Weg wurde immer enger und verschlungener und mehrere Nebenflüsse mussten wir auf dem Pferderücken überqueren. Nach einem Ritt von etwas mehr als zwei Stunden erreichten wir den Rio Baker Fall. Der Fluss windet sich durch ein enges Tal und stürzt tosend über eine Stufe. Dies war zur Zeit der Schafwollproduktion eine Schlüsselstelle, den die Wolle wurde per Lastpferde ins südlichere Tortel transportiert um dort weiter auf Schiffe verladen zu werden. Um diese Schlüsselstelle zu überwinden wurde ein eindrücklicher Saumpfad in den Fels geschlagen. Dort machten wir in luftiger Höhe Mittagspause und dann ging es zurück auf den Campo. Nach gut sieben Stunden kamen wir müde aber voller neuer Erfahrungen bei unserem Bus an. Wir waren erstaunt welche Steigungen diese Pferde meistern können, denn der Reitweg ging über Stock und Stein.

An einem ruhigen Nachmittag bekamen wir unerwartet Besuch von zwei brasilianischen Veloreisenden. Die zwei Brüder Diego und Dieisson sind seit 18 Monaten unterwegs und auf dem Weg nach Ushuaia. Sie reisen mit sehr wenig Geld und viel Optimismus! Das Gepäcksystem ihrer Fahrräder ist alles selber aus Kanistern gebaut! Wir genossen die Stunden mit den zwei aufgestellten Brüdern!

Obwohl wir gerne noch ein bisschen länger auf dem Camp geblieben wären, zieht es uns nun entlang der Carretera Austral nach Norden. Wir werden die nächst grössere Stadt ansteuern, da unser Bus nach etlichen Schotterpiste auch ein bisschen Zuwendung braucht. Wir haben festgestellt, das die Manschetten des Lenkgestänges verletzt sind und somit viel Dreck und Staub in die Kugelgelenke kommen kann. Diese müssen wir ersetzten. Weiter hatten wir bei der Fahrt auf der Carretera Austral ein lautes metallisches Schlagen wahrgenommen und sind sofort an den Strassenrand gefahren. Nach genauerem hinsehen, stellten wir fest, dass wir eine Montageschelle des Kurvenstabilisators auf der Strasse verloren hatten.Durch die heftigen Vibrationen hatten sie die Muttern gelöst. Nach über einer Stunde suchen hat Nathy die verlorenen Teile glücklicherweise gefunden und nachdem wir diese wieder montiert hatten konnten wir unsere Fahrt fortsetzten. Da hatten wir grosses Glück!

In den nächsten Tagen werden wir weiter der Carretera Austral nach Norden folgen. Wir freuen uns weiter auf dieser abenteuerlichen Strasse unterwegs zu sein...Hasta pronto!

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Kommentare: 3
  • #1

    Simone & Michi (Montag, 23 Februar 2015 15:05)

    Ihr seid also bei Lilly am Rio Nadis gewesen :-) war schön dort, gell...? Wünschen Euch weiterhin eine spannende Reise

  • #2

    Nathy und Flavio (Dienstag, 24 Februar 2015 18:04)

    Danke, ja war super bei Lili. Danke für den Tipp! Geni

  • #3

    Nathy und Flavio (Dienstag, 24 Februar 2015 18:04)

    Geniesst noch die letzten Monate!!!