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Flathy

Wir waren 22 Monate unterwegs und sind nun wieder zu Hause in der Schweiz!

Von Tierra del Fuego zum Perito Moreno Gletscher

06.01.2015 – 23.01.2015: Ushuaia – Estancia Harberton – Rio Grande – Lago Blanco – Porvenir – Punta Arenas – Puerto Natales – NP Torres del Paine – El Calafate – Lago Roca – Perito Moreno – El Calafate

Von Ushuaia ging es für uns noch ein bisschen ostwärts auf die Estancia Harberton. Die Estancia ist die älteste auf ganz Feuerland und kann auch besichtigt werden. Über eine schlammige Piste ging es von Ushuaia durch kalten Regenwald weiter nach Osten bis wir die Estancia erreichten. Wir holten uns bei den Besitzern die Erlaubnis um auf ihrem Land zu campen. An einem malerischen Platz mit schönem Fluss konnten wir unser Lager einrichten. Doch schon am Nachmittag setzte starker Wind ein und es begann stark zu regnen. Nun hatten wir genug von dem wechselhaften Wetter, wir verbrachten eine Nacht an dem schönen Platz und brachen dann in Richtung Norden auf.

Wir liessen Ushuaia endgültig hinter uns machten erst wieder Halt in Rio Grande um zu Tanken, Geld zu wechseln und um uns mit Vorräten für einige Tage wildes Campen einzudecken. Auch hatten wir in den letzten Tagen festgestellt, dass wir immer einige Dieseltropfen unter dem Fahrzug hatten. Daher wollten wir die Gelegenheit in dieser grösseren Stadt nutzen um dem Problem auf den Grund zu gehen. Nach etlichem Herumfragen und Herumfahren haben wir schliesslich eine Garage gefunden welche Zeit für uns hatte. Somit hat sich der nette Mechaniker José um uns gekümmert und wir gingen dem Problem auf den Grund. Es zeigte sich schnell, das die Rücklaufschläuche der Dieseleinspritzung Treibstoff verlieren. José hat die Schläuche schnell mit einem Messer zerschnitten und demontiert, doch dann fand sich kein Ersatz. In seiner Werkstatt nicht und auch beim Gummiwarenhändler nicht. Wir dachten schon, dass wir jetzt eine Nacht in der Werkstatt verbringen müssen. Doch nach über zwei Stunden konnte José passende Rücklaufschläuche aus geeignetem Kunstzoff auftreiben. Nun haben wir anstelle von Gummigewebeschläuche richtig schöne blaue Tuning Schläuche wie man sie bei Fast and the Furious für die Lachgas Einspritzung braucht. Nach über vier Stunden in der Werkstatt waren wir nur ca. 50 CHF ärmer und verbrachten eine gemütliche Nacht bei einer grossen Tankstelle mitten in der Stadt. Dort trafen wir auch wieder die zwei deutsche Overlander Pärchen, welche wir schon einige Male auf dem Weg nach Süden getroffen haben. Bärbel und Jens sind im Ruhestand und reisen in einem Mercedes Sprinter 4x4 in Etappen entlang der Panamericana. Auch Claudia und Marc reisen in einem selbst aufgebautem Magirus Deutz (ehemaliges Schweizer Feuerwehrauto) entlang der Panamericana. Wir machten es uns auf dem Parkplatz gemütlich und verbrachten zusammen einen gemütlichen Abend bei eine oder zwei Glas Rotwein. Es gibt immer viel zu hören und zu berichten!

Nach einer kurzen Nacht entschieden wir uns nicht wieder die selbe Route wie beim südwärts Reisen durch Feuerland zu nehmen. So entschieden wir uns über kleine Schotterpisten in den chilenischen Teil von Feuerland zu gelangen. Nach über 100 Kilometer Schotterpiste gelangten wir zu dem kleinen Grenzübergang Bella Vista mitten im Nirgendwo. Im Zollgebäude sass gelangweilt ein Zollbeamter hinter seinem Schreibtisch und schien sich auf ein bisschen Büroarbeit zu freuen. Unkompliziert stempelte er unsere Pässe ab und verwies uns an einen weiteren Tisch im selben Raum. Dort sass eine massige Beamtin am Tisch mit vor ihr liegendem Buch um die Personen und Fahrzeuge zu erfassen. Nachdem sie ihre Augen von der Simpsons Zeichentrickserie lösen konnte, schrieb sie fein säuberlich und ganz bedacht unsere Personalien in das grosse Buch. Nach dem auch dieser Schritt erledigt war, konnte sie sich wieder den Simpsons widmen und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen. Kurz nach dem Zollgebäude ging die Strasse hinunter zu einem Flussbett, welches zu unserer Freude zu durchfahren war, um nach Chile zu gelangen. Flavio erkundete Barfuss die Tiefe und stellte fest, dass das Wasser an der tiefsten Stelle Kniehoch war. Nathy setzte sich ans Steuer und ab ging es durch den Fluss. Wunderschön so eine Flussdurchquerung obwohl unser Auspuff munter unter Wasser blubberte! An der chilenischen Grenze liessen wir das Einreise Prozedere schnell über uns ergehen, inklusive der obligatorischen Lebensmittelkontrolle. Unser Köder, eine Banane, wurde gefunden und die weiteren Gemüse und Früchte schliefen schön weiter in der Bettdecke. So haben wir sichergestellt, dass wir für die nächsten Tage noch ein bisschen Gemüse und Früchte haben.

Über etliche Menschenleere Schotterpisten fuhren wir weiter bis zum Lago Blanco. Dieser malerisch gelegene See ist von sanften bewaldeten Hügeln umgeben und gilt als Geheimtipp unter Anglerfreunden. Am Lago Blanco lernten wir Jacky und Letitia kennen, zwei Weltenbummler aus Südfrankreich welche in einem kleinen Iveco Daily durch Südamerika reisen. Wir genossen die gemeinsamen Stunden mit Wein am Lagerfeuer. Der starke Wind und die kalten Temperaturen machten es uns aber nicht schwer am dritten Tag aufzubrechen und weiter zu ziehen.

Unser nächstes Ziel war Porvenir mit einem Halt in Onaisin, denn dort gibt es die einzige Königspinguinkolonie in ganz Südamerika. Diese grossen und wunderschönen Pinguine wollten wir natürlich sehen, doch der unverschämte Eintrittspreis von 25 US$ machte nicht gerade gute Laune, denn was es zu sehen gab war nicht grossartig. Die Tiere sind sicherlich sehenswert, doch die ganze Anlage mit ihren verrosteten Baracken machte keinen schönen Eindruck. Ein bisschen enttäuscht ging es weiter nach Porvenir. Unterwegs konnten wir in einer Bucht eine ganze Menge Delfine sehen welche wir über eine halbe Stunde beim Spiel mit den Wellen beobachteten. Das war sicherlich das Highlight des Tages. Wir kamen Sonntags in Porvenir an und ausgerechnet am Montag sollte keine Fähre verkehren, so entschlossen wir uns gleichwohl noch die letzten 140 Kilometer bis nach Puerto Espora zu fahren und wieder am altbekannten Ort die Magellanstrasse zu überqueren. Auf dem Weg nach Punta Arenas kamen wir ein einer alten verfallenen Estancia vorbei, welche direkt am Meer liegt und noch zwei alte Schiffsfracks beherbergt. Eines der verrosteten Fracks war noch mit den Ankerketten am Ufer befestigt.

In Punta Arenas angekommen mussten wir erst mal ein bisschen chilenische Pesos besorgen. Als dies erledigt war, machten wir uns auf die Suche nach einer Schlafgelegenheit. Dies ist ein Städten nicht immer einfach zu finden. Nach einiger Suche fanden wir ein kleines Hostel, bei welchem wir im Innenhof campen konnten. Der ganze Innenhof war voll mit Zelten von verwegenen Veloreisenden und Bergsteigern, welche auf der Durchreise waren. Wir genossen wiedermal eine richtig warme Dusche zu haben und auch der Holzofen in der Küche war bei knapp 10°C Aussentemperatur nicht zu verachten. Wir verbrachten zwei Nächte in der südlichsten Kontinentalstadt der Welt. Es gibt nicht viel sehenswertes oder interessantes. Aufgefallen sind uns die vielen Nachtklubs welche ganze Strassenzüge einnehmen. Diese haben sicherlich in den kalten und langen Wintern Hochsaison.

Wir waren ganz froh als es für uns wieder Nordwärts ging. Nächstes ziel war Puerto Natales und von dort in den Weltbekannten Nationalpark Torres del Paine. Die über 250 Kilometer zum Nationalpark legten wir mit viel Gegenwind zurück, so das wir erst um halb zehn am Abend die Nationalparkgrenze erreichten. Leider war die Administration noch besetzt und wir mussten den happigen Eintritt von über 30 US$/Person bezahlen. Ungern bezahlten wir den Eintritt und bald fanden wir bei Sturm und Regen einen Schlafplatz. Die letzten sechs Wochen haben wir in Argentinien einige Nationalpärke besucht und mussten praktisch nie einen Eintritt bezahlen. Doch in Chile scheinen solche überteuerten Preise normal zu sein, auch das Leben erscheint uns in Chile um einiges teurer als in Argentinien.

Nichtsdestotrotz wollen wir natürlich diese Naturwunder auch sehen und wurden am nächsten Tag mit einem Stürmischen Wind belohnt. Wir unternahmen bei Wind und Regen eine kleine Wanderung an den Lago Grey. Der See ist bekannt für seine schöne Farbe und die in ihm treibenden Eistücke des Glaciar Grey. Auf einem Parkplatz im Park machten wir ein kleines Mittagessen und beobachteten die vielen Touristenbusse und Touristen Lkws die kamen und gingen. Genau ihr habt richtig gehört „Touristen Lkws“, Das sind umgebaute Lkws mit einer Sitzkabine auf der Ladefläche. So können die Anbieter die Touristen an abgelegene Lagunen fahren wo ein normaler Touristenbus nicht hinkommt. Das ganze wurde uns ein bisschen zu Bunt, so entschieden wir uns noch Puerto Natales ein bisschen anzuschauen und uns mit Vorräten einzudecken, damit wir im einige Tage im Torres del Paine Park bleiben konnten. Die nächsten zwei Nächte verbrachten wir ausserhalb des Parks an einer schönen Lagune um ein bisschen unsere Ruhe zu haben, dort trafen wir eine Zürcher Familie welche in einem altem Chevrolet unterwegs ist. Wir verbrachten gemütliche Tage mit Iréne, Luzi und ihren Kindern zusammen. Am zweiten Morgen wurden wir von warmen Sonnenstrahlen geweckt und die bekannten Torres del Paine waren ganz klar zu sehen. Wunderschön! Auf einer kleinen Wanderung erkundeten wir den Park und kamen den grossen Schneebedeckten Bergen und den türkisfarbenen Seen ganz nahe. Alles in allem ist dieser Nationalpark einfach total schön, doch für unseren Geschmack ein bisschen zu überlaufen. So verbrachten wir zwei weitere ruhige Nächte an der Laguna Azul am Nordrand des Parks. Leider durften wir dort eigentlich nur eine Nacht bleiben, doch wir erweiterten dies auf zwei Nächte. Nicht zur Freude der Parkranger, welche uns am Abend einen Besuch abstatteten und uns darauf hinwiesen, dass nur eine Nacht toleriert wird. Aber unsere Ausrede, dass wir aufgrund der schönen Aussicht auf die Berge nicht schon nach einer Nacht wieder abfahren können, wurde mit einem „esta bien“ akzeptiert. Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von unseren neuen Zürcher Freuden und machten uns auf den weg um wieder nach Argentinien einzureisen. Wir wollten nämlich zum Nationalpark Los Glaciares mit dem weltberühmten Perito Moreno Gletscher und den bekannten Kletterbergen Cerro Torre und Fitz Roy. Doch zuerst mussten wir noch die Grenze passieren, was uns sicherlich zwei Stunden Zeit kostete, da gerade Sonntag war. Somit war einfach viel Los und wir mussten lange anstehen um endlich in Argentinien wieder einreisen zu können.

Über teils asphaltierte und teils sehr üble Schotterpisten ging es weiter Richtung Norden nach El Calafate und dann gerade weiter an den Lago Roca im Nationalpark Los Glaciares. Wir verbrachten am Lago Roca vier wunderschöne Tage bei bestem Sommerwetter mit Wandern, Lesen, Baden und Faulenzen. Laut den Aussagen der Einheimischen haben wir eine der sehr seltenen Hochdruckwetterlagen erwischt und geniessen nun schon seit etwa fünf Tagen blauen Himmel, Temperaturen um die 30°C und wenig Wind. Bei solchem Wetter konnten wir am 18. Januar auf unser siebenjähriges Jubiläum anstossen und in unser achtes Jahr starten. Ein Jahr in welchem wir sehr viel Zeit zusammen verbringen können und viele schöne und neue Orte entdecken können! Wir freuen uns wahnsinnig auf unsere weitere Gemeinsame Zukunft!

Eine schöne und anstrengende Wanderung haben wir auf den Cerro de los Cristales unternommen, von wo wir eine super schöne Aussicht über den Lago Argentino weiter zum Perito Moreno Gletscher bis zu den Torres del Paine hatten. Beim Aufstieg wurden wir teilweise von Kondoren begleitet. Den König der Lüfte haben wir nun schon einige Male gesehen, doch jedes Mal ist es wieder ein Highlight diese Riesenvögel zu beobachten. Wunderschön mit praktisch keinem Flügelschlag fliegen sie geräuschlos den Bergketten entlang. Am Lago Roca stellten wir fest, dass wir einen kleinen Feldhasen als Nachbar haben. Diesen haben wir lange beobachtet und wir konnten uns bis auf wenige Meter nähern. Dies sind immer wieder schöne und bereichernde Begegnungen mit der Natur.

Nach erholsamen Tagen am Lago Roca besuchten wir den Perito Moreno Gletscher welcher zum Nationalpark Los Glaciares gehört. Der Gletscher erstreckt sich über 30 Kilometer und die Gletscherzunge endet im Lago Argentino. Über schön angelegte Stege kann man sich dem riesigen Gletscher nähern. Die Gletscherfront erstreckt sich über etwa 4 Kilometer Länge und hat eine Höhe von 55 -77 Meter. Gebannt starrten wir auf die riesigen Eiswände und lauschten den Geräuschen des gepressten Eises. Alle paar Minuten bröckelten kleinere oder manchmal auch grössere Eisstücke ab und fielen unter einem lauten Rumpeln ins Wasser. Diese Geräusche hatten wir sogar am 20 Kilometer entfernten Lago Roca an einigen windstillen Tagen gehört.

Dieser Gletscher ist eine Attraktion und das sieht man auch an den Touristenbussen, welche Touristen aus der ganzen Welt dorthin bringen. Beeindruckt vom Perito Moreno Gletscher machten wir uns auf den Weg nach El Calafate, wo wir uns nach etwa einem Monat wieder mal einen Camping gönnten. Am Abend genossen wir wieder mal argentinisches Fleisch in einem schönen Blockhaus. Das Essen galt als nachgeholtes Essen zu unserem Jahrestag und als vor geholtes Essen zu Flavios Geburi! Auch einen grossen Berg Wäsche musste die Wäscherei für uns nach vielen Tagen wild campen waschen. In den nächsten Tagen geht es weiter nach El Chaltén um den Nordteil des Nationalparks zu erkunden.

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